22.01.2013 16:30
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SAP: Die besten Jahre kommen noch

Herzrasen wegen SAP
Die Aktie der Walldorfer ist nach vorläufigen Zahlen für 2012 unter Druck geraten. Doch Investoren sollten sich davon nicht beirren lassen. Die besten Jahre kommen noch.
€uro am Sonntag

von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Bei SAP bekamen Anleger am Dienstag mal wieder eine Runde Herzrasen: Um bis zu fünf Prozent sackte der Aktienkurs am Nachmittag ab, nachdem das größte europäische Softwarehaus die vorläufigen Zahlen für 2012 präsentiert hatte. Zum Handelsschluss blieb immer noch ein Minus von knapp vier Prozent.

Investoren nahmen nach der letzt­jährigen Rally wohl lieber erst mal Gewinne mit. Immerhin gehörte das Papier mit einem Kursplus von 49 Prozent 2012 zu den stärksten Werten im DAX. Außerdem krittelten einige Berichterstatter am Dienstag an den Zahlen herum, was den Abwärtsdruck noch verstärkte. SAP kann „Rekordumsatz nicht in Rendite ummünzen“, mäkelte etwa die Nachrichtenagentur Reuters eilig.

Das kann man so sehen oder eben ganz anders. Denn bei den wichtigsten Eckzahlen fehlte jeweils nur ein Wimpernschlag zu den Konsensschätzungen. Beispiel Lizenzerlöse: Bei den Verkäufen von neuer Software ging es zum Jahresschluss um neun Prozent auf den Rekordwert von 1,94 Milliarden Euro nach oben. Analysten hatten 1,97 Milliarden Euro erwartet, also gerade einmal 1,6 Prozent mehr.

Bei den Software- und softwarebezogenen Erlösen war das Bild ähnlich: Hier lieferte der Weltmarktführer für betriebswirtschaftliche Standardsoftware zum Jahresschluss währungsbereinigt ein Plus von 15 Prozent auf 4,27 Milliarden Euro, die Konsensschätzung lag bei 4,32 Milliarden, Abweichung: 1,1 Prozent. Oder der Konzernumsatz: Hier schafften die Walldorfer statt der erwarteten 5,16 Milliarden Euro 5,06 Milliarden Euro und damit gerade 1,9 Prozent weniger als die Auguren vorausgesagt hatten. Die deutlichste Abweichung gab es noch beim um Sondereffekte wie Währungseinflüsse und Akquisitionskosten bereinigten Ergebnis. Statt der erwarteten 2,03 Milliarden wiesen die Walldorfer 1,96 Milliarden Euro aus. Das waren 3,5 Prozent unter Konsens. Das ist nicht schön, aber schlimm ist anders.

Investitionen in Wachstum
Schließlich stehen hinter den Abweichungen vor allem Investitionen ins eigene Wachstum und Zukäufe. Allein im Vorjahr hat SAP insgesamt 8700 Mitarbeiter neu an Bord geholt, gut 3.900 ­davon, um Bereiche wie Service oder Vertrieb zu stärken, den Rest über Akquisitionen. Außerdem lässt das Unternehmen bei der Produktentwicklung nicht locker: Rund 14 Prozent des Umsatzes steckt SAP in den Aufbau neuer Lösungen. Wenn der Umsatz steigt, fließt auch mehr Geld in neue Produkte.

Bei Kunden kommt das an. Vor allem mit seiner neuen In-Memory-Computing-Plattform HANA hat SAP bei vielen Unternehmen einen Nerv getroffen. Bei HANA liegen praktisch alle Daten im Arbeitsspeicher. Eine Analyse, die bislang Stunden gedauert hat, lässt sich nun in wenigen Sekunden erledigen. Laut Analysten haben die Walldorfer mit HANA gegenüber dem Wettbewerb einen Vorsprung von einem Jahr — mindestens.

Dazu hat SAP das Portfolio mit einer deutlich beschleunigten Entwicklung und zahlreichen Zukäufen kräftig aufgebohrt. Inzwischen hat der Konzern wieder den Nimbus eines Innovationsführers. Von einem Rückschlag nach einer markanten Rally sollte sich also keiner kirre machen lassen.

ISIN: DE0007164600
Kursziel: 70,00 Euro
Stopp: 50,00 Euro

Bildquellen: SAP AG
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