17.07.2013 03:00
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Analytik Jena & Booz Allen: Übernahmen und Spione

Analytik Jena, Booz Allen: Übernahmen und Spione
Hier stimmt was nicht!
Geht es darum, Vogelgrippe zu diagnostizieren, ist Analytik Jena spitze. An der Börse führte die Aktie jedoch lange ein Schattendasein. Und Booz Allen war der Arbeitgeber von Edward Snowden.
€uro am Sonntag

von Jörg Lang, Euro am Sonntag

Mittlerweile ist Analytik Jena aus seinem Schatten herausgetreten. Firmengründer und Vorstand Jens Adomat hat seine Aktien an die Schweizer Firma Endress + Hauser verkauft. Die hielten zuvor schon über zehn Prozent, kommen nun aber auf einen Anteil von mehr als 22 Prozent. Damit scheint die belgische Firma Verder International aus dem Rennen zu sein.

Sie galt als Kandidat für eine mögliche Übernahme der Diagnostikfirma. Aber Endress + Hauser will wahrscheinlich mehr. Kommt die Freigabe des Kartellamts, ist ein Gebot für andere Pakete vorstellbar. 13,3 Prozent der Aktien werden von Mitgründer und Vorstandschef Klaus Berka gehalten, 17,7 Prozent besitzt die bm-t beteiligungsmanagement Thüringen. Die Frage ist: Zahlt Endress + Hauser mehr als die 13,32 Euro pro Aktie an Adomat? Gemessen an Deals aus der Branche ist ein Aufschlag vorstellbar. Weil die Aktie nur unwesentlich über Adomats Verkaufspreis notiert, dürfte das Restrisiko der Spekulation nicht sehr hoch sein.

Whistleblower Edward Snowden kennt jeder. Was weniger von Interesse zu sein scheint: Der 30-Jährige hat bei der Firma Booz Allen Hamilton gearbeitet. Und die ist börsennotiert. Booz Allen ist so etwas wie eine Zeitarbeitsfirma für Regierungsaufgaben mit hoher Sicherheitsstufe. Deshalb sind auch die Ergebnisse, die der Konzern der US-Börsenaufsicht SEC meldet, wenig transparent. Und nach dem Fall Snowden stellt sich die Frage: Wer beauftragt künftig noch eine Sicherheitsfirma, die nicht sicher ist?

Doch entgegen der Erwartung zeigt die Aktie Stärke. Nach einem Taucher macht sie sich sogar auf den Weg, über das Niveau von vor den Enthüllungen zu klettern. Das Rätsels Lösung könnte darin liegen, dass der Mehrheitsaktionär, die Beteiligungsfirma Carlyle Group (Anteil 67 Prozent) großes Interesse haben sollte, Booz Allen von der Börse zu nehmen, und deshalb Aktien kauft. So könnten Untersuchungen durch die SEC vermieden werden.

Nach der Party kommt der Kater. Die Börse hat die Übernahme der Mehrheit des US-Mobilfunkkonzerns Sprint Nextel durch Softbank gefeiert. Die Aktien der Japaner stiegen um 50 Prozent.

Der Deal hat seinen Reiz. Softbank hat den japanischen Mobilfunkmarkt aufgerollt und in den USA gibt es genug Spielraum, das zu wiederholen. Angriffspunkt sind die beiden herrschenden Firmen Verizon und AT & T, die mehr als 60 Prozent des Markts abdecken.

Aber der Preis ist hoch und Sprint nicht profitabel. Deshalb werden mehr und mehr Anleger Kopfschmerzen bekommen. Denn die Japaner werden die mehr als 15 Milliarden Euro Übernahmepreis nicht verdienen können. Wie auch: Der Löwenanteil des Geldes landete nicht bei Sprint sondern auf den Konten der Sprint-Aktionäre.

Bildquellen: istock/Ulf Gähme
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