aktualisiert: 10.07.2013 22:18
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Kabel Deutschland: Chefs wollen verkaufen

Chefs wollen verkaufen
Hier stimmt was nicht!
Der erste Rauch ist verzogen. Vodafone bietet den Aktionären von Kabel Deutschland 87 Euro je Anteilschein. Was man davon halten soll.
€uro am Sonntag

von Jörg Lang, Euro am Sonntag

Die Offerte umfasst 84,50 Euro plus die angekündigte Dividende von 2,50 Euro. Ein stolzer Preis, sagen die Analysten. Mehr als 60 Euro billigen sie der Aktie im Normalfall nicht zu. Kein Wunder, dass die Führungsspitze von Kabel Deutschland empfiehlt, das Angebot anzunehmen. Und genau das sollten die Anteils­eigner wohl schon heute machen und die Titel über die Börse verkaufen. Ein neues Gebot scheint wenig wahrscheinlich. Damit wird die Restchance — nicht einmal fünf Prozent gemessen an den aktuellen Notierungen — zu einem Vabanquespiel. Die Entwicklung der Aktie von Rhön-Klinikum, die nach dem Scheitern des Fresenius-Deals mehr als ein Viertel an Wert verlor, ist eine Warnung vor zu hohen Erwartungen. Es kann nämlich einiges schiefgehen. Bedingung für den Erfolg ist, dass Vodafone bis Ende nächsten Jahres 75 Prozent der Aktien angeboten werden. Das ist angesichts des hohen Streubesitzes kein Selbstläufer. Und auch die Kartellfreigabe ist nicht in Stein gemeißelt. Hohe Auflagen in einzelnen Regionen könnten den Deal zum Scheitern bringen.

Navigation ist eine der am meisten verwendeten Anwendungen eines Smartphones. Die Funktion, die dem Nutzer sagt, wo er ist und wie er zu seinem Ziel kommt, hat auch eine ökonomische Komponente. Jedes Geschäft, das bildlich gesprochen, auf dem Weg liegt, kommt als Anbieter von Waren und Dienstleistungen und damit als Werbekunde infrage. Karten selbst aufzubauen, wie etwa Google das gemacht hat, ist sehr teuer. Andere Anbieter von Navigationssystemen wie Navtec sind bei Nokia gelandet. Unabhängig ist TomTom. Durch die Übernahme von TeleAtlas im Jahr 2007 verfügen die Niederländer über ein eigenes Kartenmaterial, das fast den gesamten Globus abdeckt. An der Börse wird der Wert dieser Karten recht gering bewertet. Das liegt daran, dass das angestammte Geschäft mit der Autoindustrie darunter leidet, dass auch Autofahrer zunehmend das Smartphone nutzen. Folge: Der Umsatz stagniert. An der Börse ist TomTom rund 900 Millionen Euro wert. Die Verschuldung nach der TeleAtlas-Übernahme ist fast abgebaut, die Bargeldreserve beträgt 160 Millionen Euro. Die Relation von Unternehmenswert zu Betriebsergebnis liegt bei rund sechs. Dass sich der Konzern in einer Bewertungsfalle befindet, ist auch den vier Gründern klar, die zusammen rund 47 Prozent der Aktien kontrollieren. Wie ein Ausweg aussehen könnte, hat einer von ihnen, nämlich Harold Goddijn, jetzt in einem Interview angedeutet. Die Gründer würden ein gutes Angebot nicht nur deshalb ablehnen, damit sie weiterhin jeden Tag zufrieden zur Arbeit gehen könnten. Stellt sich die Frage, wie ein gutes Angebot aussehen könnte. Für TeleAtlas hatte TomTom 2,9 Milliarden Euro gezahlt, das Dreifache des aktuellen Firmenwerts.

Bildquellen: Vodafone
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