23.11.2012 14:00
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Kapitalerhöhung geplant: Deutsche Wohnen verwässert Aktie

Hier stimmt was nicht: Deutsche Wohnen
Hier stimmt was nicht!
Am 4. Dezember ist Hauptversammlung beim Immobilienkonzern Deutsche Wohnen. Allerdings geht es bei diesem vorweihnachtlichen Termin nicht um die Dividende.
€uro am Sonntag

von Jörg Lang, Euro am Sonntag

Bei dem außerordentlichen Treffen wollen sich die Vorstände neues Kapital genehmigen lassen. Insgesamt sollen die Anteilseigner 73 Millionen neue Aktien absegnen, immerhin die Hälfte des Grundkapitals. Gemessen an den aktuellen Kursen lässt sich damit ein Emissionsvolumen von einer Milliarde Euro darstellen.

Deutsche Wohnen ist kein Ersttäter. Innerhalb des vergangenen Jahres hat die Gesellschaft von seinen Anteilseignern über zwei Kapitalerhöhungen 620 Millionen Euro eingenommen und fast vollständig in den Kauf von 30.000 Apartments investiert. Nun hat es das ­Management um Vorstandschef Michael Zahn scheinbar sehr eilig und kann nicht bis zum regulären Aktionärstreffen im Juni warten. Zahn und seine Kollegen glauben, dass in den nächsten Monaten größere Immobilienpakete angeboten werden und da will man mitbieten können.

In der Tat sorgen anziehende Preise dafür, dass einige Immobilienfirmen nun bereit sind, sich von ihren Liegenschaften trennen. Aber werden diese Spezialisten ihre Wohnungen preiswert verkaufen? Wohl kaum. Und damit stellt sich für einen Aktionär von Deutsche Wohnen die Frage, ob eine so große Aufstockung des Kapitals ihm überhaupt einen Mehrwert schaffen kann?

Fakt ist: Die Aktie der Deutsche Wohnen wird mittlerweile deutlich oberhalb des Nettowerts ihrer Liegenschaften gehandelt. Der Aufschlag beträgt gemessen am jüngsten Quartalsabschluss mehr als 20 Prozent. Damit sind eigentlich alle Reserven der Firma im Kurs enthalten. Eine Kapitalerhöhung oberhalb des Net Asset Value von ­11,60 Euro pro Aktie macht für den Anleger keinen Sinn, weil er ja die eigenen Immobilien über Marktpreis bezahlt. Erfolgt die Kapitalerhöhung unterhalb des Immobilienwerts wird sein Besitz verwässert.

In den USA sind Investoren nicht zimperlich mit umstrittenen Aktien. Sie gehen short, das heißt, sie verkaufen geliehene Aktien, um diese dann bei tieferen Kursen wieder zurückzukaufen. Die Differenz ist der Gewinn. Eine der größten Short-Positionen existiert bei Netflix. Es geht um mehr als 30 Prozent aller Aktien. Die Anteilscheine des Videoverleihers waren lange ein Darling der Wall Street, sie fielen aber in Ungnade, als das Management das Geschäftsmodell änderte und Kunden verärgerte.

Bisher ist die Rechnung der Verkäufer aufgegangen. Gemessen am Spitzenkurs hat die Aktie über 80 Prozent verloren. Doch nun wird der eine oder andere Hedgefondsmanager seine Position neu überdenken.

Der Grund: Carl Icahn, ein streitbarer Investor mit einem guten Näschen für unkonventionelle Engagements, ist bei Net­flix eingestiegen und hat gleich zehn Prozent der Aktien gekauft. Und die Agenda des 76-jährigen Investors ist offensichtlich. Er will das Management ­davon überzeugen, was aus seiner Sicht das Beste für die Firma ist: der Verkauf an Größen wie Google, Microsoft, Disney oder News.

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