22.03.2013 03:00
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Preiswerte Destination

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Die breite Mittelschicht in China hat enorme Vermögen angehäuft. Was geschieht mit dem Geld? Die Neureichen schaffen es außer Landes und gönnen sich außerdem schöne Urlaubsreisen.
€uro am Sonntag
von Jörg Lang, Euro am Sonntag

Die rasante Alterung der Gesellschaft, die China bevorsteht, bestreitet niemand mehr. Schuld ist die Ein-Kind-Politik. Sie hat aber auch dazu geführt, dass sich in der breiten Mittelschicht enorme Vermögen angehäuft haben. Was geschieht mit dem Geld? Ein Weg, den insbesondere reiche Chinesen wählen, ist, Mittel ins Ausland zu bringen, weil sie dem Braten zu Hause nicht wirklich trauen. Sie setzen vor allem auf Immobilien.

Natürlich wollen sich die neuen Reichen auch etwas leisten. Dabei stehen Urlaubsreisen hoch in der Gunst. Eine europä­ische Aktie, die beides abdeckt, ist der Touristikkonzern Club Med, bekannt durch seine Feriendörfer an vielen Traumstränden der Welt. Was wenig bekannt ist: Ein Großteil der Immobilien ist im Besitz des Unternehmens. Den Zerschlagungswert stufen Analysten regelmäßig höher ein als den Börsenwert von 440 Millionen Euro.

Da ist es kein Wunder, dass die chinesische Beteiligungsfirma Fusan, die auch an dem griechischen Händler Folli Follie beteiligt ist, schon 2010 knapp zehn Prozent der Club-Med-Aktien gekauft hat. Zusammen mit Fusan haben die Franzosen dann ihre Präsenz auch in China aufgebaut. Diese Konstellation hat bisher nicht zu einer Kurssteigerung geführt. Das könnte sich ändern. Am 7. März, dem Termin der Club-Med-Aktionärsversammlung, lief die Vereinbarung aus, die das Fusan-Engagement auf zehn Prozent begrenzte. Es ist angesichts der demografischen Konstellation und der preiswerten Immobilien keine gewagte Wette, dass Fusan die Beteiligung ausbauen wird.

Wer sich heute bei Festgeldkonditionen umschaut, wird mit einem Zins von einem Prozent abgespeist. Bei Anleihen gibt es zwei, bei riskanteren Bonds vielleicht sogar mal vier Prozent. Langsam gehen die geringen Renditen in die Hirnaußenrinde der Anleger über. Nur in einer Kategorie scheinen sie einen anderen Maßstab anzulegen: bei der Bewertung von Bankaktien. Während die Anleihen der Finanzinstitute kaum Rendite abwerfen, verlangen Anleger bei den Aktien immer noch sehr hohe Eigenkapitalrenditen. Erkennbar ist dieser offensichtliche Widerspruch am Kurs-Buchwert-Verhältnis.

Wer nicht zehn Prozent nach Steuern schafft oder schaffen könnte, notiert unter Buchwert, lautet die aktuelle Faustregel. Das ist insofern schizophren, weil im aktuellen Zinsumfeld ja gerade die Banken mit überdurchschnittlichen Eigenkapitalrenditen wahrscheinlich auch die höchsten Risiken eingehen. Vergleichsweise wenig riskant ist das Geschäft der Aareal Bank. Ihre Eigenkapitalrendite beträgt rund 5,6 Prozent nach Steuern. Nach dem erwähnten Muster wird die Aktie deshalb nur mit dem 0,6-Fachen des Buchwerts gehandelt. Weil Aareal ihre Substanz aber gestärkt hat, dürfte der Buchwert heute mehr Qualität haben als noch vor fünf Jahren. Geht auch dieser Umstand in die Hirnaußenrinde der Anleger über, müsste die Bewertung von Aareal-Aktien um wohl reichlich 50 Prozent zulegen.

Bildquellen: Martin Valigursky / Shutterstock.com, Stocks

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