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26.10.2008 09:00

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Hilfe, ich bin Oligarch (EuramS)


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Michail Prochorow gehört zu den wenigen Oligarchen, die die Rezession in Russland rechtzeitig vorausgeahnt haben: Bereits im April ver­kaufte er seinen Norilsk-Anteil an Deripaska und kassierte dafür sieben Milliarden Dollar in bar. Davon gab Prochorow Ende September 500 Millionen aus, um einen Anteil von 50 Prozent an der russischen Investmentbank Renaissance Capital zu erwerben. Noch vor einem Jahr war ihr Wert auf mehr als das Vierfache geschätzt worden. "Wollt ihr mich dafür kritisieren, dass ich mich mitten in der Pest der Schlemmerei hingebe?", scherzte Prochorow gegen­über Journalisten. "Die Krise ist die beste Zeit, zu kaufen." Allzu viele Oligarchen haben ihre Imperien hauptsächlich mit dem Geld von Banken aufgebaut. Jetzt drohen die Kreditpyramiden einzustürzen. Besonders gefährdet ist das Kartenhaus von Oleg Deripaska.

Anfang Oktober musste er seine Beteiligung am kanadischen Autozulieferer Magna an BNP Paribas übertragen, die diese finanziert hatte. Wenig später gingen auch noch seine zehn Prozent am Essener Bauriesen Hochtief an die Commerzbank. Mehr Glück hatte er beim österreichischen Baukonzern Strabag, wo die finanzierende Deutsche Bank ebenfalls kalte Füße bekam. Ein Konsortium um die österreichische Raiffeisen-Zentralbank gewährte dem Russen kurzfristig einen Kredit von 460 Millionen Euro. "Wir sehen keinen Boden in der globalen Kreditkrise", räumt Gulzhan Moldazhanova ein, Chefin von Deripaskas Holding-Gesellschaft Basic Element.

So rasch dürften die Probleme für Deripaska nicht enden. Allein seine Firma Rusal ist mit zehn Milliarden verschuldet. Davon muss ein Gutteil demnächst umgeschuldet werden. Am 14. Oktober gab Deripaska bekannt, dass er die Hilfen der Regierung in Anspruch nehmen werde, die den russischen Banken und Industrie­unternehmen mit Darlehen, Kapitalspritzen und Steuererleichterungen unter die Arme greifen will. Allein 50 Milliarden Dollar sind für die Umschuldung von Krediten bei Auslandsbanken vorgesehen.

Auch eine Unzahl kleinerer und mittelgroßer Unternehmer haben sich um die Staatskredite beworben. Bis Juli 2009 braucht die russische Wirtschaft insgesamt mindestens 363 Milliarden Dollar, um alte Kredite abzulösen, schätzen die Analysten der italienischen Großbank Unicredit. Für rund 50 Milliarden Dollar sind bereits Darlehen bei der Regierung beantragt worden. Nun fürchten Beobachter, dass Russlands Premier Wladimir Putin die Not der Unternehmer nutzt, um missliebige Oligarchen abzustrafen. Der Öltycoon Michail Chodorkowski wurde bereits vor Jahren enteignet und ins Gefängnis geworfen. Zwei weitere Oligarchen gingen ins Exil. Zumindest will die Regierung im Gegenzug für ihre Hilfen die Kontrolle über strategisch wichtige Industrien. Christopher Weafer, Chefstratege bei der russischen Bank Uralsib: "2008 gibt es nur noch einen wirklichen Oligarchen: den Staat."

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