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08.09.2012 22:34

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HINTERGRUND

Rückversicherer im Luxus-Dilemma - Viel Kapital ringt um Risiken

Swiss Re zu myNews hinzufügen Was ist das?



In den Himmel dürften die Prämien allerdings kaum wachsen
Zu viel Geld und nur wenige Katastrophen: Wenn Rückversicherer aus aller Welt ab diesem Wochenende in Monte Carlo mit ihren Kunden um höhere Preise feilschen, stecken sie in einem Luxus-Dilemma.

Trotz Finanz- und Schuldenkrise, bedrohlicher Niedrigzinsen und milliardenschwerer Katastrophenschäden im vergangenen Jahr geht es der Branche vergleichsweise gut. Die Kehrseite der Medaille: Die Unternehmen drängen mit viel Kapital auf den Markt. Auf steigende Preise auf breiter Front können sie bei so viel Wettbewerb kaum hoffen.

 

    Während viele Banken in Europa wegen der Finanz- und Staatsschuldenkrise ihre Kapitaldecke aufbessern müssen, sehen die Kennzahlen der Rückversicherer trotz der verheerenden Katastrophen von 2011 fast wieder glänzend aus. Die Unternehmen verfügten heute über mehr Kapital als Anfang vergangenen Jahres, sagt Kevin Lee, Experte der Ratingagentur Moody's. Dabei hatten der Tsunami in Japan, die Erdbeben in Neuseeland und das Hochwasser in Thailand 2011 zum teuersten Naturkatastrophenjahr aller Zeiten gemacht. Das zehrte an den Reserven der Branche, die regelmäßig für die großen Risiken der Welt geradestehen muss.

 

    Bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht man das ähnlich. 40 Rückversicherer in aller Welt schaut sich S&P regelmäßig an. Trotz versicherter Katastrophenschäden von 105 Milliarden US-Dollar sei das Überschusskapital der Branche 2011 nur von 40 Milliarden auf 25 Milliarden Dollar gesunken, rechnet S&P-Analystin Karin Clemens vor. Seither Anfang 2012 ging es sogar wieder deutlich aufwärts. Wäre Hurrikan "Isaac" Ende August mit mehr Wucht auf die Küste der USA getroffen - die Rückversicherer hätte das wohl kaum aus der Bahn geworfen.

 

    Allerdings ist die Dicke der Kapitaldecke mit Vorsicht zu genießen. Denn ein Gutteil der Kapitalgewinne verdankt die Branche ausgerechnet dem Zinstief, das ihr sonst schwer zu schaffen macht. Der Grund: Die Branche hat noch viele hochverzinste Anleihen in ihren Büchern. Diese stehen derzeit hoch im Kurs, und dies lässt das bilanzielle Eigenkapital der Unternehmen anschwellen. Allerdings wird die Kennzahl dadurch quasi zu einem Scheinriesen, wie S&P-Expertin Clemens einräumt. Denn wenn die Anleihen auslaufen, kann der Versicherer das freiwerdende Kapital nur zu viel weniger Zins anlegen.

 

    So hat S&P auch derzeit keinem Rückversicherer die Bestnote verliehen. "Alleine mit einer dicken Kapitaldecke kann man sich kein 'AAA'-Rating erkaufen", sagt Clemens. Bei der Bewertung geht es auch darum, ob die Unternehmen ihr Geschäft stark streuen oder sich zu stark auf wenige Risiken wie Wirbelstürme konzentrieren - und ob sie für die übernommenen Risiken angemessene Prämien verlangen. Denn wer sich wie Rückversicherer in Bermuda auf die Versicherung gegen Naturkatastrophen versteift, kann im Fall schwerer Hurrikane immens hohe Verluste erleiden. Auch die weltweiten Marktführer Munich Re (Muenchener Rueckversicherungs-Gesellschaft), Swiss Re und Hannover Rück (Hannover Rueckversicherung), die ihr Geschäft breit gestreut haben, kommen über ein "Doppel-A" nicht hinaus.

 

    In Monte Carlo treffen sich die Rückversicherer mit Erstversicherern und Rückversicherungsmaklern wie Aon Benfield und Guy Carpenter, um die Konditionen für 2013 auszuhandeln. Zum Jahreswechsel steht der Großteil der Verträge in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum Neuabschluss an.

 

    Längst prüfen große Rückversicherer genauer, welche Risiken sie zu welchen Preisen in ihre Bücher nehmen. Böse Überraschungen wie 2011 in Thailand will sich die Branche ersparen: Dass die Überschwemmungen in dem Land Milliardenschäden anrichten könnten, hatten viele Unternehmen nicht auf dem Zettel. Die Rating-Experten von Fitch sind zuversichtlich, dass die Branche aus solchen Fehlern lernt.

 

    In den Himmel dürften die Prämien allerdings kaum wachsen. Allenfalls in den Gebieten, in denen zuletzt Katastrophen gewütet haben, werde Rückversicherungsschutz teurer, schätzt S&P-Expertin Clemens. Manch ein Erstversicherer überlegt sich, ob er nicht mehr Risiken auf die eigene Kappe nimmt, statt sie an Rückversicherer weiterzureichen. Das Prämienniveau dürfte allenfalls um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigen, schätzt Clemens. Experte Chris Waterman von der Ratingagentur Fitch bezweifelt, ob die Rückversicherer ihre Gewinne damit 2013 stabil halten können. Denn nicht nur die Zinseinnahmen sinken - auch die Schäden kommen die Branche wegen der Inflation immer teurer zu stehen./stw/zb/he

 

    --- Von Steffen Weyer, (dpa-AFX)

Bildquellen: iStock

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