31.03.2012 15:24
Bewerten
 (3)

Commerzbank schließt Milliardengrab - Eurohypo wird beerdigt

Hintergrund zur Commerzbank
Die Commerzbank darf - endlich - ein Milliardengrab zuschütten: Die Sorgentochter Eurohypo verschwindet vom Markt.
Die EU-Kommission hat ein Einsehen, die ebenso verzweifelte wie aussichtslose Suche nach einem Käufer für den seit Jahren defizitären Immobilienfinanzierer hat ein Ende.

    Fast genau zehn Jahre nach ihrer Gründung im April 2002 steht die Eurohypo vor dem Aus. Für die Commerzbank bleibt von dem im Herbst 2005 für 4,5 Milliarden Euro gekauften Hoffnungsträger nur ein kläglicher Rest. Der Kompromiss mit den Wettbewerbshütern ist trotz neuer Auflagen für den teilverstaatlichten Konzern der bessere Weg.

    "Der Druck aus Brüssel ist weg, die Commerzbank hat es nun selbst in der Hand, wie teuer oder billig das wird", sagt der Bankenexperte Hans-Peter Burghof. "Wenn man zum Verkauf gezwungen ist, erzielt man sowieso keinen guten Preis." Brüssel hatte ursprünglich verlangt, die Eurohypo bis Ende 2014 zu verkaufen.

>    Doch das mit Staatsanleihen kriselnder Euroländer vollgepumpte und mit Kapitalproblemen kämpfende Institut wollte sich kein Wettbewerber ans Bein binden. "Ein Verkauf der Eurohypo ist mit Blick auf das Marktumfeld unrealistisch", erklärte Commerzbank-Chef Martin Blessing den Mitarbeitern am Freitag im Intranet.

   Allein ein Teil der Immobilienfinanzierung habe "als Teil der Kernbank ... eine Daseinsberechtigung", führt Blessing aus: "Mit einer Größenordnung von 25 Milliarden Euro in der Immobilienfinanzierung und 10 bis 15 Milliarden Euro in der Schiffsfinanzierung fühlen wir uns wohl."

    Dabei wollte die Commerzbank mit der Übernahme des Immobilien- und Staatsfinanzierers das ganz große Rad drehen. Gerade hatten sich Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank ihres Hypothekengeschäfts entledigt, da entdeckte der damalige Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die Eurohypo als Perle. Müller schnappte das Institut der - inzwischen verstaatlichten - Hypo Real Estate (HRE) vor der Nase weg. Im Verbund mit der Eurohypo steige die Commerzbank zur führenden Geschäftsbank innerhalb Deutschlands mit Schwerpunkt Finanzierungen auf, frohlockte Müller.

    Doch die Eurohypo entwickelte sich seit der Finanzkrise zu einer Belastung für die ohnehin nur mit Steuermilliarden am Leben gehaltene Commerzbank. Die Tochter häufte angesichts einbrechender Immobilienmärkte Verluste an, die Euro-Schuldenkrise besorgte den Rest. Die Commerzbank musste allein auf griechische Staatsanleihen im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro abschreiben - mehr als jede andere Deutsche Bank. Die Papiere lagen bei der Eurohypo.

    Blessing hatte bereits im November 2010 eingeräumt: "Das historische Geschäft der Staatsfinanzierung ist kein Geschäft der Zukunft." Bei der gewerblichen Immobilienfinanzierung müsse die Eurohypo "an der Kreditqualität arbeiten", sagte er damals. Vor fünf Monaten untersagte Blessing der Tochter die Kreditvergabe ganz.

    Vor diesem Hintergrund zeichnete sich früh ab, dass kein Käufer für die Krisentochter zu finden sein würde. Auch der Versuch, die Eurohypo mit einer Schrumpfkur interessant zu machen, misslang. Letztlich hatte Europas oberster Wettbewerbshüter, Joaquín Almunia, ein Einsehen und kassierte die Verkaufsauflage - wohl auch, wie Blessing im Intranet interpretiert, weil die Commerzbank sich als gehorsamer Zögling zeigte: Brüssel habe goutiert, dass der Frankfurter Dax-Konzern alle anderen Auflagen für die erhaltene Staatshilfe "rasch umgesetzt" habe.

    Für die Commerzbank hat der Schrecken mit der Eurohypo also bald ein Ende. Für die Mitarbeiter des Instituts mit Sitz in Eschborn vor den Toren Frankfurts beginnt das Zittern erst: "Für die Mitarbeiter der Eurohypo ist die Entscheidung natürlich hart", räumte der für das Segment verantwortliche Commerzbank-Vorstand Jochen Klösges im Intranet ein und kündigt einen Personalabbau "mit Augenmaß und so sozialverträglich wie möglich" an. 1.200 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. In Finanzkreisen heißt es, allein im ersten Schritt dürften etwa 300 Stellen bei der Eurohypo gestrichen werden./enl/ben/zb       

>     --- Von Jörn Bender, dpa und Erik Nebel, dpa-AFX --- FRANKFURT/BRÜSSEL (dpa-AFX)

Bildquellen: Commerzbank AG, Julia Schwager/Commerzbank AG

Nachrichten zu Commerzbank

  • Relevant5
  • Alle6
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Commerzbank

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
11:16 UhrCommerzbank buyDeutsche Bank AG
24.08.2015Commerzbank HaltenIndependent Research GmbH
13.08.2015Commerzbank NeutralCredit Suisse Group
12.08.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
05.08.2015Commerzbank kaufenBankhaus Lampe KG
11:16 UhrCommerzbank buyDeutsche Bank AG
05.08.2015Commerzbank kaufenBankhaus Lampe KG
03.08.2015Commerzbank kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
03.08.2015Commerzbank buySociété Générale Group S.A. (SG)
22.07.2015Commerzbank buyHSBC
24.08.2015Commerzbank HaltenIndependent Research GmbH
13.08.2015Commerzbank NeutralCredit Suisse Group
05.08.2015Commerzbank Equal-WeightMorgan Stanley
04.08.2015Commerzbank NeutralBNP PARIBAS
04.08.2015Commerzbank NeutralJP Morgan Chase & Co.
12.08.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
03.08.2015Commerzbank VerkaufenDZ-Bank AG
03.08.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
07.07.2015Commerzbank SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
02.07.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Commerzbank nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Commerzbank Analysen

Heute im Fokus

DAX fällt erneut unter die 10.000-Punkte-Marke -- Asiens Börsen abermals rot -- Chinas Notenbank geht gegen Yuan-Spekulationen vor -- Apple und Cisco geben Kooperation bekannt -- Android im Fokus

China will nach Börsencrash Japans Schicksal entgehen. Fresenius ersetzt RWE im Eurostoxx 50. Konkurrenz für Netflix? - Apple denkt über eigene TV-Inhalte nach. Rubel-Schwäche beschert Gazprom Gewinn-Anstieg von 50 Prozent. Samsung kündigt neue Smartwatch Gear S2 an. Ölpreise geben hohe Gewinne teilweise ab. Bayer startet neuen Kunststoffkonzern Covestro.
So plaziert sich Deutschland

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welche Aktien zählt Warren Buffet zu seinem Portfolio?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Was verdient man bei Google?

Welcher Darsteller verdient am meisten?

Wer waren die Aktienstars des deutschen Leitindex?

Produkte von Google, die keiner kennt

Heute sind sie Milliardäre

mehr Top Rankings

Umfrage

Der deutsche Leitindex kann die Marke von 10.000 Punkten zum Wochenauftakt vorbörslich nicht mehr verteidigen. Wo sehen sie den DAX in einem Monat?