von Tim Schäfer, New York
Für das kommende zweite Quartal musste Vorstandchef Thomas Johnson die Gewinnerwartung auf 0,11 bis 0,16 Dollar je Aktie kürzen. Analysten hatten im Schnitt mit 27 Cent gerechnet. Im ersten Quartal brach der Überschuss um 64 Prozent auf 16,4 Millionen oder 0,20 Dollar je Aktie ein. Der Umsatz auf bestehender Verkaufsfläche sank um sieben Prozent. Das war eine bittere Enttäuschung. Am 20. Mai brach die Notiz entsprechend um 14 Prozent auf 18,30 Dollar ein.
Die Aeropostale-Aktie ist derart ausgebombt, dass wir uns in der Serie "Hot Stock der Wall Street" mit dem Unternehmen beschäftigen. Zum einen machen die gestiegenen Baumwollpreise der Teen-Kette zu schaffen. Zum anderen kühlt sich die Nachfrage der Konsumenten ab. Aeropostale ist nicht das einzige Unternehmen mit diesen Problemen. Den gesamten Sektor hat es böse erwischt. Ob GAP oder Abercrombie & Fitch, ob Zumiez oder American Eagle Outfitters - viele Bekleidungshäuser legten in den vergangenen Wochen enttäuschende Zahlen vor.
Im direkten Vergleich mit den Wettbewerbern hat wohl Aeropostale die meisten Federn lassen müssen. Der Börsenwert ist auf dürre 1,5 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Dem steht ein Umsatz von immerhin 2,4 Milliarden Dollar gegenüber. Mit anderen Worten billigt die Wall Street jedem Dollar Umsatz nur 63 Cent zu, was ein Witz ist. American Eagle kommt dagegen auf 85 Cent je Dollar Umsatz. Abercrombie glänzt mit einer stolzen Bewertung von 1,80 pro Dollar Umsatz.

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Aeropostale spricht in erster Linie preissensitive Kinder und Jungendliche an. Die Kernzielgruppe ist 14 bis 17 Jahre alt. Ein Tochter-Label richtet sich an sieben- bis zwölfjährige Kids. Die knapp 1000 Filialen befinden sich überwiegend in großen Shoppingcentern. Mittlerweile hat das Imperium in 49 US-Bundesstaaten und in Kanada Fuß gefasst. Die Kursschwäche bietet eine schöne Chance für Anleger mit Geduld. Wie lange es dauert, bis der Umsatz wieder an Schwung gewinnt, lässt sich indes nicht absehen. Es kann sein, dass ein oder zwei Quartale vergehen, bevor Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Hier kurz die Fakten: Gegründet wurde die Aeropostale 1987. Der Überschuss summierte sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 231 Millionen Dollar. Die operativen Marge war mit 16 Prozent prächtig. Die Nettoumsatzrendite erreichte 9,6 Prozent, was ebenfalls ein schönes Niveau ist. In der Kasse liegen 300 Millionen Dollar, Schulden sind keine vorhanden. Die Aktie ist ein schönes Value-Papier, es gibt den Titel zum Schnäppchenpreis wie im Schlussverkauf.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Aeropostale
Analysten erwarten im laufenden Jahr im Schnitt ein Ergebnis je Aktie von 1,62 Dollar nach zuvor 2,59 Dollar. Das Gewinnvielfache beträgt um die zwölf. Die bekannten Rivalen sind deutlich teurer bewertet. Aeropostale ist bei den Teens etabliert. Seit Jahren ist der Schneider profitabel. Selbst während der Wirtschaftskrise gelang es dem Management, den Umsatz stetig auszubauen. Mittelfristig können die galoppierenden Rohstoffkosten sicherlich an die Kunden weitergegeben werden, zumal die Konjunktur Fahrt aufnimmt. Gegenüber hochpreisigen Labels wie Abercrombie setzt sich Konzernchef Thomas Johnson mit seiner günstigen Preispolitik ab. Die Verwaltungskosten sind zudem vorbildlich schlank.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.