von Tim Schäfer, New York
Seit dem Zwischenhoch Anfang Januar büßte der Kurs von Monster mehr als ein Drittel seines Wertes ein. Nicht nur Privatanleger suchten das Weite, auch Fonds stiegen im großen Stil aus. Jetzt ist der Börsenwert auf 2,1 Milliarden Dollar abgeschmolzen. Eine große Schwachstelle ist, dass die Arbeitslosenquote in den USA mit 8,8 Prozent sehr hoch ist. Der Konjunkturaufschwung macht sich auf dem Arbeitsmarkt nur zaghaft bemerkbar. Es kann Jahre dauern, bis sich die Situation aufhellt.
Schwach verlief entsprechend das vierte Quartal. Auch der Ausblick auf das Auftaktquartal enttäuschte die Analysten. Auf drei Säulen basiert das Geschäft: Das amerikanische Karriereportal steuert 47 Prozent zum Umsatz bei, die internationale Jobvermittlung steht für 39 Prozent und die Online-Werbung für 14 Prozent der Einnahmen. Firmenkunden steuern über die Plattform den Bewerbungsprozess. Arbeitssuchende können wiederum ihren Lebenslauf auf dem Portal veröffentlichen und nach Stellen suchen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz nur leicht von 905 auf 914 Millionen Dollar. Unterm Strich lief jedoch ein Verlust von 32 Millionen Dollar auf, nachdem noch 2009 knapp 19 Millionen Dollar nach Steuern in der Kasse geklingelt hatten.
Der Grund für die roten Zahlen waren steigende Werbeausgaben, Gehälter sowie Verwaltungskosten. Doch gelang Vorstandschef Sal Iannuzzi im vierten Quartal die Trendwende, zumindest kam ein symbolisches Ergebnis von einer halben Million Dollar netto zusammen. Immerhin kletterte der Umsatz um 20 Prozent von Oktober bis Dezember. Vor allem Nordamerika und Länder wie Deutschland, Schweden, Frankreich, China und Indien legten kräftig zu, während das Geschäft in Großbritannien und den Niederlanden schrumpfte.
Analysten erwarten im laufenden Jahr einen Umsatzanstieg um rund 20 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Für das Ergebnis je Aktie prognostizieren die Banker einen Turnaround von minus 0,07 Dollar auf plus 0,40 Dollar. 2012 steht dann ein Gewinn-Anstieg auf 0,78 Dollar je Anteilsschein auf der Agenda. So gesehen, beträgt das KGV rund 20. Das ist zwar auf den ersten Blick kein Schnäppchen, aber es gibt zahlreiche Argumente, die für die Aktie sprechen: Den Konkurrenten HotJobs hat Monster im dritten Quartal von Yahoo übernommen.

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Das Gute daran: Zum einen ist jetzt ein Wettbewerber weg, zum anderen sind die Synergien enorm. Teil des Deals ist nämlich, dass alle Job-Suchen auf dem Yahoo-Portal von nun an auf das Angebot von Monster weitergeleitet werden. Obwohl Monster für die Übernahme 225 Millionen Dollar in Cash bezahlte, ist die Bilanz bärenstark: 163 Millionen Dollar liegen in der Kasse. Wenn man die Finanzschulden mit dem Barvermögen aufrechnet, so sind die New Yorker praktisch frei von Krediten. Trotz des recht hohen Verlusts im vergangenen Jahr generierte das Kerngeschäft immerhin Cash von 93 Millionen Dollar. In den Vorjahren warf der Betrieb ebenfalls hohe Barmittel ab, wie die Kapitalflussrechnung zeigt.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Monster Worldwide
Eine Gefahr bleibt freilich der Erzrivale
CareerBuilder. Dieser schlagkräftige Widersacher ist Teil des börsennotierten Gannett-Medienhauses. Zudem können die Social-Media-Portale wie LinkedIn und
Xing zu einer ernsthaften Konkurrenz werden. Angesichts des Kurssturzes hat Monster jedoch seinen Charme zurückgewonnen. Die klassischen Printanzeigen verlagern sich immer mehr ins Internet. Springt der Funken des Aufschwungs auf den amerikanischen Arbeitsmarkt über, stehen dem Riesen goldene Zeiten ins Haus - selbst mit den neuen Wettbewerbern. Die Bewertung mit dem 1,8-fachen Kurs-Buchwert-Verhältnis ist für einen stramm wachsenden Internetkonzern moderat.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
Bildquellen: Michela Lietti