von Tim Schäfer, New York
Wechselvolle Zeiten durchlebt die amerikanische Restaurantkette. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise im März 2009 brach der Kurs auf 0,91 Dollar ein. Es roch nach einer Pleite. Doch dem Gründer und Chef Samuel E. Beall gelang die Wende. Mit einer aggressiven TV-Werbekampagne hatte er den Nachfragerückgang in seinen Filialen stoppen können. Sein Erfolgsrezept: Mit Hamburgern für nur 5,99 Dollar und Weinflaschen für zehn Dollar war es ihm gelungen, gerade die preissensitive Konsumenten anzulocken. In der Spitze kletterte die Aktie im Januar auf fast 15 Dollar. Seither korrigierte die Notiz allerdings wieder um 50 Prozent.
Die am 7. April vorgelegten Zahlen waren in der Tat kein Ruhmesblatt. Die Aktie rauschte im Intradayhandel um 17 Prozent in die Tiefe. Das Ergebnis fiel im Quartal mit 0,24 Dollar je Aktie mager aus. Im Vorjahr waren noch 0,28 Dollar erzielt worden und Analysten hatten im Schnitt mit 0,31 Dollar je Anteilsschein gerechnet. Auf Gesamtjahressicht musste Beall die Erwartungen ebenfalls dämpfen. Nun steht ein Ergebnis je Aktie zwischen 0,74 und 0,82 Dollar auf seiner Agenda, die Banken hatten zuvor mit 0,90 Dollar gerechnet. Der Quartalsumsatz stieg um 3,8% auf 319 Millionen Dollar, doch ist das Plus auf die Übernahme von Filialen, die bislang von Franchisenehmern gemanagt worden sind, zurückzuführen. 742 eigene Restaurants betreibt das Imperium, zudem befinden sich 113 in den Händen von Franchisenehmern.
Auch im Ausland haben die Amerikaner Fuss gefasst. Beall machte für das schwache Ergebnis das schlechte Winterwetter und gestiegene Einkaufskosten etwa für Teig verantwortlich. Neuerdings reicht Ruby Tuesday seinen Kunden frisch gebackenes Brot zum Mittag- und Abendessen. Fischgerichte und große Salatteller unterstützen den Trend zu gesunder Ernährung. Die Qualitätsoffensive hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen. Ohnehin tischen viele Konkurrenten mehr und mehr frische Lebensmittel auf.
Der Sektor ist spannend, weil sich die Konjunktur erholt. Zuhause zu kochen ist out, die Restaurants erfreuen sich landauf, landab wachsender Besucherzahlen. Manch ein Aktienkurs geht durch die Decke. Bestes Beispiel ist die Schnellimbiss-Kette Chipotle Mexican Grill. Die Chipotle-Aktie schoss auf heiße 271 Dollar, der Börsenwert explodierte auf 8,4 Milliarden Dollar. Obgleich Chipotle mit 1.100 Filialen nicht viel größer ist, traut die Wall Street dem Taco- und Burrito-Anbieter so viel mehr zu. Ruby Tuesday kommt dagegen auf einen lausigen Börsenwert von 666 Millionen Dollar. Dem steht ein Umsatz von immerhin 1,2 Milliarden Dollar gegenüber. Vor diesem Hintergrund ist der traditionelle Bulettenbrater, dessen Wurzeln ins Jahr 1920 zurück reichen, ein Schnäppchen. Gewiss stellen die Nettoschulden von 335 Millionen Dollar eine Belastung dar. Doch die Kreditlast senkt das Management seit Jahren kontinuierlich.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Ruby Tuesday
Mutige Anleger mit Geduld setzen auf das ausgebombte Papier. Nach dem Motto: Wenn die Nacht am Schärzesten ist, ist der Tag am Nächsten. Die Kapitalflussrechnung zeigt ganz klar, dass das Geschäft im Kern eine Gelddruckmaschine ist: So erwirtschaftete Ruby Tuesday im vergangenen Geschäftsjahr immerhin 140 Millionen Dollar Cash. Auch das vergangene Quartal war mit einem operativen Cashflow von 43 Millionen Dollar nicht von schlechten Eltern. Mit mehr als elf Prozent ist die Fondsgesellschaft Fidelity wichtigster Profi-Anleger.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
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