15.03.2013 10:20
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Jetzt zugreifen und Dividenden sichern

Deutschlands Unternehmen freuen sich über volle Kassen. Die Dividendensaison scheint für Aktionäre vielversprechend zu werden.
Wie Anleger mit Zertifikaten und Aktienanleihen davon profitieren können und ob diversifizieren oder reinvestieren die passende Strategie ist.

Das Jahr 2012 war in Deutschland ein Jahr der Rekorde: Bei den Autoproduzenten liefen so viele Fahrzeuge vom Band wie noch nie. Auch die Maschinenbauer verbuchten aller Voraussicht nach einen Umsatzrekord. Und die Exportwirtschaft brachte ersten Einschätzungen des Branchenverbands zufolge Waren im Wert von mehr als 1,1 Billionen Euro an Kunden in aller Welt. 2013 können Anleger nun die Ernte dieses Rekordjahres einfahren. Über 29 Milliarden Euro werden allein die 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen an ihre Anteilseigner ausschütten. Die Medien überschlagen sich regelrecht: „Experte erwartet 2013 Rekordjahr für Aktionäre“, schrieb Die Welt. „Hier holen Sie bis zu sieben Prozent“, titelte FOCUS-MONEY online. Besondere Beachtung finden die Aktien von E.ON und Deutscher Telekom, die eine Dividendenrendite von rund 7,5 Prozent aufweisen. Hohe Ausschüttungen locken Aktionäre an, gerade in Zeiten niedriger Renditen bei Festgeld und Anleihen. So rentiert die zehnjährige Bundesanleihe aktuell bei 1,5 Prozent vor Steuern. Real betrachtet ergibt sich ein Verlustgeschäft. Anleihen erstklassiger Unternehmen bieten nur wenig mehr. Da sind Aktien eine Alternative, wenngleich der Kursverlauf der zurückliegenden Jahre belegt, dass sie Risiken bergen.

Hohe Ausschüttungen locken Anleger an

Grund für die Kursschwankungen war die Finanz- und Schuldenkrise in Europa und den USA. Diese ist zwar noch nicht überwunden, allerdings scheint das Vertrauen der Anleger allmählich zurückzukehren. Meldungen des Deutschen Fondsverbands BVI zufolge investierten deutsche Privatanleger im November 2012 so viel in Aktienfonds wie lange nicht. Dieser Trend könnte sich fortsetzen: „2013 werden Anleger voraussichtlich wieder stärker in etwas riskantere Anlagen gehen, um real eine Rendite zu erzielen“, meint auch Philip Gisdakis, Anlagestratege der UniCredit Bank AG. Den Fokus auf dividendenstarke Titel zu setzen ist eine konservative, aber langfristig häufig erfolgreiche Strategie. Allerdings ist auch Vorsicht geboten: Die Höhe der Ausschüttung kann irreführend sein. Zudem bergen Einzelwerte Kursrisiken. So erfüllen sie vielfach die Erwartungen von Anlegern und Analysten nicht. Strukturierte Produkte eröffnen Investoren zahlreiche Möglichkeiten, gezielt Dividendenstrategien umzusetzen oder die Dividende zu reinvestieren, um das Risiko gegenüber einer direkten Aktien anlage zu reduzieren.

Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, März 2013

Dividenden beflügeln das Depot

Allianz Global Investors zeigte kürzlich in einer Langzeitstudie zu US-amerikanischen Aktien zwischen 1950 und 2010, dass dividendenstarke Aktien eine höhere durchschnittliche Rendite erzielten als Werte, die nur wenig oder gar keine Dividende einbrachten. Dies galt insbesondere bei Inflationsraten von bis zu 6 Prozent. Hanyi Lim, Anlagestratege von Morgan Stanley, geht sogar einen Schritt weiter. Er erklärte Mitte Januar gegenüber der Tageszeitung Die Welt: „Häufig wird vergessen, dass Dividenden langfristig mehr zum Gesamtertrag von Aktien beitragen als Kursgewinne.“ Ein Vergleich zwischen dem DAX® (Performance-) Index (inklusive Dividenden) und dem DAX® Kursindex (ohne Dividenden) deutet in dieselbe Richtung: In den zurückliegenden zehn Jahren war mehr als ein Drittel der DAX®-Kursentwicklung im Performanceindex auf die Berücksichtigung der Dividenden im Index zurückzuführen. Bei BASF steuerte die Dividende in den vergangenen zehn Jahren sogar fast 40 Prozent zum Gesamtertrag bei. Eine historische Betrachtung ist dabei natürlich kein Indiz für zukünftige Entwicklungen. „Es wäre ein Fehler, bei Investments nur auf die Höhe der Dividende oder allein auf die Dividendenrendite zu schauen“, erklärt Dr. Thomas Schüssler, Manager des DWS Top Dividende Fonds. Denn eine hohe Dividendenrendite ist keine Garantie für steigende Kurse.

Die Höhe allein zählt nicht –Nachhaltigkeit ist wichtig

Bestes Beispiel sind die Papiere der Versorger E.ON und RWE. Diese Titel haben aktuell eine Dividendenrendite von 6,5 bis 7,6 Prozent – auf den ersten Blick eine Kaufempfehlung. Dennoch entwickelten sie sich zuletzt deutlich schlechter als der Gesamtmarkt. „Vor Aktien mit einer Dividendenrendite von 7 Prozent oder mehr kann ich nur warnen“, erklärt Dr. Schüssler. Was diesen Werten fehle, sei die Nachhaltigkeit. Bei den Versorgern lässt die Energiewende Wolken vor die einst so sonnigen Aussichten ziehen. E.ON hat bereits für 2013 eine Dividendenkürzung in Aussicht gestellt. RWE könnte folgen, erwarten Experten. Auch zahlreiche spanische Unternehmen weisen eine Dividendenrendite von mehr als 6 Prozent auf. Wer jedoch genau hinschaut, stellt fest: Eine Vielzahl davon zahlt derzeit keine Bardividende, sondern schüttet Aktien aus. Somit kommt die Dividendenzahlung einer Kapitalerhöhung gleich. Experte Dr. Thomas Schüssler achtet daher nicht allein auf die Höhe der Dividendenrendite. Er setzt bevorzugt Titel mit einer Dividendenrendite von 4 bis 5 Prozent. Sein Fokus liegt auf der Nachhaltigkeit der Ausschüttung – ihre Quote müsse in einem angemessenen Verhältnis zum Gewinn stehen, damit sich das Unternehmen nicht selber schade. Bei einem Großteil der DAX®-Unternehmen liegt die Ausschüttungsquote zwischen 40 und 50 Prozent. Knapp die Hälfte des Gewinns wird somit an die Aktionäre weitergegeben. Bei den Nebenwerten im MDAX® und SDAX® ist die Quote häufig etwas höher.

Vorbildhafte Dividendenpolitik – diese Konzerne fallen auf

Der Primus in Sachen Ausschüttungskontinuität im DAX® ist BASF. Der Chemieriese hat in den zurückliegenden 15 Jahren nie die Dividende gekürzt. Für das vergangene Geschäftsjahr wird sie vielmehr erneut erhöht. Daten von Bloomberg zufolge werden voraussichtlich 21 Unternehmen aus dem DAX® und rund die Hälfte der MDAX®-Unternehmen ihre Dividende für 2012 gegenüber dem Vorjahr erhöhen. Die stärkste Erhöhung unter den DAX®-Konzernen gibt es möglicherweise bei HeidelbergCement: Hier könnte es 0,50 statt zuletzt 0,35 Euro pro Anteil geben. Einen deutlichen Aufschlag gegenüber dem Vorjahr werden voraussichtlich auch adidas, Continental, Henkel und BMW zahlen. Bei den Nebenwerten im MDAX® ist neben ProSiebenSat.1 vor allem bei Celesio, Hannover Rück und Stada mit einer Steigerung der Dividende zu rechnen. Die Extrembeispiele BASF und E.ON verdeutlichen, wie groß einerseits die Chance, andererseits aber auch die Risiken bei Investments in Einzelaktien sein können. Um das Verlustrisiko zu reduzieren, haben Anleger mehrere Möglichkeiten. So gibt es eine Reihe von Indizes, die auf einem Dividendenkonzept basieren. Mit Produkten auf einen solchen Index können Investoren ihr Risiko diversifizieren. Eines der einfachsten strukturierten Produkte ist das Index-Zertifikat. Es entwickelt sich nahezu eins zu eins gemäß dem zugrunde liegenden Index. Das heißt: Steigt der Index, legt der Wert des Index-Zertifikats zu. Fällt der Index dagegen, kann es zu deutlichen Verlusten kommen. Eine Stärke des Produktes ist: Der Anleger kann mit einem einzigen Investment auf einen Schlag von der Entwicklung von zehn, 20, 50 oder sogar 500 Aktien profitieren – je nachdem, wie viele Werte im Index enthalten sind. Auf diese Weise ist eine kostengünstige Diversifizierung im Depot möglich. Zudem können Index-Zertifikate schnell und liquide gehandelt werden.

Diversifizieren mit Dividenden senkt das Risiko

In den zurückliegenden Jahren haben zahlreiche Indexbetreiber wie die Deutsche Börse oder Dow Jones spezielle Dividendenindizes entwickelt. Inzwischen haben Investoren die Wahl, ob sie den Fokus auf deutsche, europäische oder US-amerikanische Titel legen wollen. So umfasst der DivDAX® die zehn dividendenstärksten Titel des DAX® – darunter Allianz, BASF, Daimler und E.ON. Im DivMSDAX® sind 15 Titel aus dem MDAX® und SDAX® enthalten. Dazu zählen aktuell Axel Springer, Bilfinger Berger, Hannover Rück und Indus. Investoren, die noch breiter diversifizieren wollen, bietet der STOXX® Europe Select Dividend 30 (Net Return) Index (EUR) die Möglichkeit, mit nur einem Papier in die 30 dividendenstärksten Titel Europas zu investieren. Im Herbst 2011 hat Dow Jones Indexes zudem zahlreiche sogenannte Distributing Indizes entwickelt. So enthält der Dow Jones Germany Select Dividend 20 Distributing IndexSM (EUR) 20 Titel aus Deutschland. Das Besondere: Die vom Indexberechner ermittelte Nettodividende wird halbjährlich an Inhaber entsprechender Indexprodukte ausgeschüttet. Auch ein Investment in einen normalen Standardwerteindex kann lohnen. Denn viele europäische Märkte weisen Dividendenrenditen von mehr als 3 Prozent auf. Anleger sollten jedoch darauf achten, ein Produkt zu wählen, das sich auf den Index inklusive der Dividende bezieht. Der DAX® ist einer der wenigen Indizes weltweit, die standardmäßig inklusive Dividende berechnet werden. Die meisten Aktienbarometer sind hingegen sogenannte Kursindizes. So wird beispielsweise beim ATX® keine Dividende berücksichtigt. Es gibt allerdings häufig einen zweiten Index, der die Dividenden inkludiert. Allerdings stehen diese meist weniger im Rampenlicht. Insbesondere längerfristig orientierte Anleger sollten sich nicht von dem höheren Preis gegenüber einem normalen Indexprodukt abschrecken lassen – der Preisunterschied erklärt sich durch die berücksichtigte Dividende.

Dividenden reinvestieren statt kassieren

Darüber hinaus ist es eine Überlegung wert, die Dividende zu reinvestieren statt zu kassieren – das senkt das Risiko gegenüber einer Direktanlage in eine Aktie zu einem gewissen Grad. Für diese Strategie eignen sich unter anderem Discount-Zertifikate und Aktienanleihen. Statt einer Dividende bieten diese Wertpapiere einen attraktiven Discount beziehungsweise eine fixe Zinszahlung. Das Besondere: Anleger können unter Umständen auch dann einen Gewinn erzielen, wenn die zugrunde liegende Aktie stagniert. Als Beispiel dient ein Discount-Zertifikat auf die Aktie der Brenntag AG. Bei Emission werden verschiedene Merkmale festgelegt. Dazu zählen der Cap bei 105 Euro und die Laufzeit bis Jahresende. Notiert die Aktie am 19. Dezember 2013 auf Höhe des Cap oder darüber, erhält der Anleger den Cap-Betrag von 105 Euro ausbezahlt. Aktuell notiert die Aktie mit 112 Euro bereits oberhalb dieses Niveaus. Dennoch kostet das Papier derzeit nur 99,67 Euro (Stand aller Daten: 14. März 2013). Somit liegt der Discount gegenüber einem Kauf der Aktie bei 12,37 Prozent. Stagniert die Aktie, kann der Investor eine Rendite vor Transaktions- und Depotkosten von 6,72 Prozent p. a. erzielen – und somit mehr als die Dividendenrendite, die aktuell bei 1,79 % liegt. Wenn die Aktie marginal fällt, reduziert der Discount einen möglichen Verlust. Sollte der Anteilschein am Laufzeitende unter dem Cap notieren, erhalten Anleger Aktien. Das kann einen deutlichen Verlust bedeuten. Jedes der hier vorgestellten Unternehmen lässt aus heutiger Sicht stabile – wenn nicht gar steigende – Dividenden erwarten und ist solide aufgestellt. Das gilt auch für die Aktien von BASF und BMW. Eine Aktienanleihe kann dabei eine interessante Alternative zum Direkteinstieg sein.

Aus Seitwärtstrends das Beste machen

Aktienanleihen beziehen sich stets auf eine Aktie. Bei Emission werden die Laufzeit und ein Zinsertrag festgelegt. Eine Aktienanleihe auf die Aktie von BASF SE endet im Januar 2014. Der Zins liegt bei diesem Produkt bei 7 Prozent pro Jahr. Diesen Ertrag erhalten Anleger auf jeden Fall, egal wie sich die BASF-Aktie bis zum Laufzeitende entwickelt. Notiert sie am Laufzeitende mindestens auf Höhe des festgelegten Basispreises von 71 Euro, erhalten Anleger zudem den Nominalbetrag zurückbezahlt. Aktuell notiert die Aktie bei 75,08 Euro und damit über dem Basispreis. Sollte der BASF-Aktien kurs jedoch am 16. Januar 2014 unterhalb des Basispreises notieren, erhalten Anleger eine festgelegte Zahl von Aktien. Dies kann wiederum einen deutlichen Verlust bedeuten. Auch bei diesem Produkt ist die erzielbare Rendite höher als die derzeitige Dividendenrendite von 3,5 %. Zudem ist sie auch dann erzielbar, wenn die Aktie stagniert. Ein alternatives Direktinvestment würde sich nur dann auszahlen, wenn die Aktie deutlich zulegen würde. Anleger sollten bedenken: Zertifikate und Aktienanleihen sind Inhaberschuldverschreibungen. Im Fall einer Insolvenz der Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.

Dominik Auricht befasst sich im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit mit der strategischen Entwicklung von strukturierten Anlageprodukten unter der Marke HypoVereinsbank onemarkets: Zertifikate, Anleihen und Fonds. www.onemarkets.de
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH i.G. übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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