16.03.2013 12:44
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Börsenpsychologie: Bestimmen Sie Ihre Risikotoleranz

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Was wir als riskant oder sicher empfinden, variiert von Person zu Person.
Manche Menschen stürzen sich mit Begeisterung von Brücken und aus Flugzeugen, während anderen schon beim Betreten des Urlaubsjets nach Palma de Mallorca der kalte Schweiß ausbricht. Auch bei den Themen Finanzen und Investment verhält es sich ähnlich – während der eine daheim auf seinem Sparstrumpf sitzt und argwöhnisch die Zinsraten für sein Postsparbuch beäugt, jongliert der nächste gewandt mit Aktien, Futures und Zertifikaten, freut sich über gelungene Trades und ärgert sich über missglückte, doch Aufgeben kommt nicht in Frage. Trading kann einem Menschen liegen (oder auch nicht), es kann einem sogar „im Blut liegen“ und es darf auch ruhig Spaß machen – sollte es sogar. Ganz abgesehen vom finanziellen Gewinn ist es ein Gefühl der intellektuellen Belohnung, wenn ein Trade aufgeht, man einen Chart richtig gelesen und eine Kursbewegung korrekt antizipiert hat – ein bisschen wie damals im Mathematikunterricht, wenn man endlich die dritte Unbekannte geknackt hatte. Nur: allzu oft sollte man vom finanziellen Aspekt nicht absehen, und emotional sollte es beim Traden schon gar nicht zugehen. Die persönliche Risikotoleranz sollte nicht nach Gefühl, sondern strikt nach rationalen Faktoren wie dem Investmentziel und der Höhe des verfügbaren Tradingkapitals entschieden werden.

Angenommen, Sie haben vor, in etwa zehn Jahren Ihren Ruhestand anzutreten, haben aber bisher noch keinen Cent auf Ihr Riesterkonto eingezahlt – in diesem Fall müssen Sie zwangsweise eine sehr hohe Risikotoleranz aufbringen, wenn es Ihr Ziel ist, Ihren Lebensstandard größtenteils beizubehalten. Wenn Sie andererseits gerade erst die Mitte Zwanzig überschritten haben und am Monatsende gerade noch soviel Gehalt übrig haben, dass Sie es sich leisten können, langsam über die Altersvorsorge nachzudenken, können Sie es sich leisten, in risikoarme Werte zu investieren und ihrem Kapital über die Jahre beim Wachsen zuzuschauen.

Nach der in den 50er Jahren entwickeltenTheorie des US-Ökonomen Harry M. Markowitz existiert für jeden Investor ein optimales Portfolio aus allen Anlagemöglichkeiten, das dessen Risiko-Chancen-Profil bestmöglich abbildet, jedoch weder vom ursprünglichen Vermögen noch der unmittelbaren Risikoeinstellung des Anlegers abhängt. In Übereinstimmung mit der alten englischen Volksweisheit „Don’t put all your eggs in one basket“ spielt bei der Zusammenstellung dieses optimalen Portfolios die Risikodiversifikation eine große Rolle. Nachdem Sie also entschieden haben, welches Gesamtrisiko Sie auf sich nehmen wollen/können, können Sie beispielsweise eine Risikopyramide nutzen, um das zur verfügung stehende Kapital auf die einzelnen Anlageklassen zu verteilen.

Den Boden der Pyramide bilden die weniger risikoreichen Anlageprodukte, zum Beispiel Staatsanleihen, Annuitäten, Giro- und Sparkonten, welche den Großteil Ihrer Investments ausmachen sollten. Dieses Fundament dient zur Unterstützung und Absicherung des Portfolios. Der Mittelbau besteht aus Aktivposten mit höherem Risiko, die bei einer verlässlichen Rendite auch Potenzial zur Wertsteigerung besitzen, also beisielsweise Immobilien, Aktien, Rentenpapiere und ähnliches. Die Spitze der Pyramide setzt sich schließlich aus Investitionen mit hohem Risikograd zusammen, also etwa CFDs, Optionen, Futures etc. Das Kapital, welches Sie in die Pyramidenspitze stecken, sollte ausschließlich Geld sein, dass Sie „schmerzfrei“ verlieren können, also ohne, dass sie dadurch in finanzielle Engpässe geraten.

Selbstverständlich handelt es sich bei der Investmentpyramide weniger um ein festes Regelwerk als um Richtlinien zur Orientierung für Anleger. Auch wenn Emotionen beim Trading keine Rolle spielen sollten, so wirkt sich die individuelle Risikotoleranz selbstverständlich auf das eigene Tradingverhalten aus, und als Anleger sollten Sie sich Ihrer eigenen Präferenzen bewusst sein, um die verschiedenen Risikoklassen optimal an Ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen. Denken Sie immer daran: Nur mit einem eigenen Trading-Stil, mit dem Sie sich wohlfühlen, haben Sie als Anleger eine Chance, an den Börsen erfolgreich zu sein.

Milena Kannen ist Financial Writer und Researcher bei IG, Deutschlands führendem CFD-Anbieter. Nach abgeschlossenem Journalistikstudium in Leipzig schreibt sie nun aus London über CFD-Handel, Charttechnik und Handelsstrategien sowie aktuelles Börsengeschehen.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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