FRANKFURT (Dow Jones)--Die 80-prozentige Commerzbank-Tochter Comdirect Bank will trotz zuletzt rückläufiger Kundenzahlen ihre bis 2013 gesteckten Wachstumsziele erreichen. Zudem wolle die Direktbank bei Übernahmegelegenheiten "zuschlagen", sagte Vorstandsvorsitzender Michael Mandel am Freitag im Gespräch mit Dow Jones Newswires.
"Der Markt für Direktbanken wächst. Solange viele Wettbewerber wie etablierte Filialbanken hohe Gebühren von ihren Kunden verlangen, werden wir weiter Kunden gewinnen", sagte Mandel. Der Vorstand bestätigte folglich die Erwartung, die Kundenzahl bis zum Jahr 2013 auf 2,3 Mio von aktuell rund 1,3 Mio Kunden zu steigern. Der Vorsteuergewinn soll bis dahin auf 150 Mio bis 160 Mio EUR steigen von 57,9 Mio EUR im Jahr 2008.
Branchenkenner halten die Wachstumspläne allerdings für ambitioniert und verweisen auf den jüngsten Kundenschwund. Im März musste die Bank zum ersten Mal seit vier Jahren eine auf Monatsbasis rückläufige Kundenzahl hinnehmen. Zuvor ist die Zahl der Comdirect-Nutzer monatlich kontinuierlich gestiegen - von rund 600.000 auf zuletzt rund 1,3 Millionen.
Bei Analysten stieß diese Entwicklung auf wenig Begeisterung. Zudem sorgt eine weitere Maßnahme für Verwunderung: "Wie die Erstquartalszahlen zeigen, hat die Comdirect ihre Werbeausgaben gedrosselt. Ich weiß nicht, wie die Bank so neue Kunden hinzugewinnen will", sagte Analystin Kerstin Vitvar von der UniCredit.
Ferner werde das schwache Zinsumfeld und die schwierige Situation am Aktienmarkt die Neukundengewinnung erschweren, fügte HSBC-Analyst Johannes Thormann hinzu. "Die Bank müsste pro Jahr rund 200.000 Kunden hinzugewinnen - das sehe ich skeptisch", so Thormann. Der Analyst sieht bei der Bank bis Ende 2011 lediglich 1,5 Millionen Kunden.
Dass sich die Comdirect nicht allein auf organisches Wachstum beschränken will, machte der Bank-Vorstand im Gespräch mit Dow Jones Newswires deutlich: "Wenn wir eine Gelegenheit sehen, schlagen wir zu", kündigte Mandel mit Verweis auf den Anfang März angekündigten Kauf des Fondsverwalters Ebase an. Dank einer starken Eigenkapitalausstattung und einer Tier-1-Eigenkapitalquote von 46,8% sei die Bank gut für Zukäufe gerüstet.
Den jüngst am Markt kursierenden Spekulationen um eine mögliche Sonderdividende für das abgelaufene Jahr erteilte Mandel eine Absage. Für 2008 hat die Bank eine unveränderte Dividende von 0,41 EUR pro Anteilschein vorgeschlagen.
Die am Freitag vorgelegten Erstquartalszahlen der Comdirect Bank AG, Quickborn, fielen laut Analysten im Rahmen der Erwartungen aus. Demnach fiel der Nettogewinn wegen rückläufiger Wertpapierorders und gesunkener Zinseinnahmen um annualisiert 44,8% auf 11,3 Mio EUR. Der Zinsüberschuss sank um gut ein Fünftel auf 32,5 Mio EUR, und das Provisionsergebnis um 29% auf 25,9 Mio EUR.
Die Gesamterträge reduzierten sich um 28% auf 60,6 Mio EUR. Comdirect-Vorstand Mandel zeigte sich angesichts des schwierigen Marktumfelds zufrieden mit den Zahlen. Der Return on Equity von 13% kann sich sehen lassen, so Mandel weiter.
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- Von Eyk Henning, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29725 225,
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