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22.06.2013 10:19
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INTERVIEW/Experte: Bernanke-Aussagen sollten Aktien nicht dauerhaft belasten

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Die zuletzt schwache Entwicklung der Aktienmärkte nach Aussagen zu US-Geldpolitik sollte einem Experten zufolge nicht dauerhaft belasten. "Nach dem zwischenzeitlich starken Kursanstieg seit Jahresbeginn sind die Anleger nervös geworden und haben Kasse gemacht", sagte Nicholas Davidson von der Vermögensverwaltungsgesellschaft ACM Bernstein in einem Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke zum möglichen Zeitplan für die Drosselung milliardenschwerer Anleihekäufe seien eher Anlass als Ursache für die jüngste Marktschwäche.

    "Viele Anleger sind bei Aktien immer noch unterinvestiert", so Davidson. Neben den günstigen Bewertungen sprächen auch die Gewinnaussichten der Unternehmen für wieder steigende Notierungen. Dabei dürften europäische Dividendenpapiere in den kommenden Monaten zu den bisher besser gelaufenen US-Börsen aufschließen, glaubt der Experte. Zwar seien die hiesigen Konjunkturaussichten immer noch negativ, während die amerikanische Wirtschaft langsam, aber robust wachse. Doch zumindest verschlechtere sich die Lage nicht weiter, und die europäische Staatsschuldenkrise sei als Belastungsfaktor inzwischen etwas in den Hintergrund getreten.

    In Europa gebe es etliche Unternehmen, deren Geschäfte kaum vom schwachen Wirtschaftsumfeld abhingen, betonte Davidson. Ein Beispiel dafür sei der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, dessen Aktie einen guten Lauf habe. Die Airbus-Mutter könne dank der veralteten Flugzeugflotten etlicher Airlines auf viele Aufträge aus aller Welt hoffen. Zudem setzten die Europäer stärker als US-Konkurrent Boeing auf traditionelle Fertigungsmethoden, was die Risiken senke - dies werde vom Markt zunehmend anerkannt.

    Selbst im inzwischen teuren Konsumgütersektor sieht der Experte noch gute Anlagemöglichkeiten. So seien Tabakkonzernen wie Imperial Tobacco Group und British American Tobacco im Vergleich Nahrungsmittelherstellern wie Nestle (Nestlé) und Danone (Groupe Danone) noch vergleichsweise günstig.

    Die unterdurchschnittliche Kursentwicklung an den chinesischen Handelsplätzen ist nach Einschätzung des Kapitalmarktspezialisten nicht gerechtfertigt. "Die Gewinnprognosen für die Unternehmen waren zu optimistisch", räumte er ein. Zudem belaste der zunehmende Fokus der neuen politischen Führung auf den Konsum anstelle von Investitionen das Wirtschaftswachstum. "Auf lange Sicht sollte sich dieser Strategiewechsel aber auszahlen."/gl/la/zb

    --- Gespräch: Gerold Löhle, dpa-AFX ---

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