FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Nanotech-Ausrüster NanoFocus will seinen Umsatz in diesem Jahr weiter zweistellig steigern und seine Vertriebspartnerschaften vor allem mit Blick auf den japanischen Automarkt ausbauen. Wie Vorstandschef Hans Hermann Schreier am Mittwoch im Gespräch mit der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX sagte, rechnet er im zweiten Halbjahr mit einer erfolgreichen Markteinführung des neuen Standardgerätes "µsurf explorer" und einer entsprechenden Absatzsteigerung.
Nach Schreiers Worten dürfte es NanoFocus gelingen, in diesem Jahr Erlöse zwischen fünf und sechs Millionen Euro zu erzielen. Im vergangenen Jahr hatte NanoFocus bereits den Umsatz um 46 Prozent auf 4,47 Millionen Euro gesteigert. Beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) könnte 2007 die Gewinnschwelle erreicht werden, selbst nach HGB-Bilanzierung. Möglicherweise werde Ende des Jahres aber rückwirkend für 2007 auf IFRS-Bilanzierung umgestellt, was sich dann in einer verbesserten Vergleichbarkeit mit anderen börsennotierten Unternehmen, vor allem aber in einer deutlich positiveren Entwicklung beim Ergebnis niederschlagen werde.
KAPITALERHÖHUNG NICHT ZWINGEND
Bei NanoFocus fielen derzeit nach HGB jährliche Goodwill-Abschreibungen von rund 350.000 Euro an, sagte Schreier am Rande der 3. "Nano Equity Europe"-Konferenz der Deutschen Börse in Frankfurt. Daher war auch im vergangenen Jahr noch ein Nettofehlbetrag von 401.000 Euro angefallen (2005: -497.000). Die liquiden Mittel verringerten sich investitionsbedingt von 2,4 auf 1,8 Millionen Euro bis Ende 2006. Derzeit bestehe aber "kein zwingender Handlungsbedarf etwa im Hinblick auf eine Kapitalerhöhung". Falls dies notwendig würde, verfügte das Unternehmen über ausreichend genehmigtes Kapital im Umfang von mehr als 6 Millionen Euro gemessen am aktuellen Kurs.
Der Gründer des auf dreidimensionale optische Messgeräte spezialisierten Unternehmens rechnet damit, dass sich mittelfristig mit dem neuen Standardgerät "µsurf explorer" Stückzahlen "in den Zehntausendern" erzielen lassen. Dennoch werde NanoFocus weiter auf Nischenmärkte setzen. "Wir wollen alles abräumen", sagte Schreier. Er rechnet damit, sich mittelfristig am Gesamtmarkt einen Anteil von 100 Millionen Euro sichern zu können.
Unter anderem sind Messgeräte des Oberhausener Unternehmens in sogenannten Kugelprüfmaschinen des kanadischen Weltmarktführers Forensic Technologies Inc. (FTI) enthalten, die z.B. an das Bundeskriminalamt, Scotland Yard und das New York Police Department geliefert werden. Mit ihnen lasse sich eine nahezu 100-prozentige Zuordnung von Geschossen zu einer Tatwaffe erzielen. Mit herkömmlichen Verfahren war dies nur zu 50 Prozent möglich. In den USA setze außerdem Rasierklingenhersteller Wilkinson Schick NanoFocus-Geräte zur Überprüfung der Oberflächen seines "Quattro"-Nassrasierers ein.
VERHANDLUNGEN IN JAPAN
NanoFocus sieht sich mit seinen Geräten zur Erkennung von komplexen Oberflächenstrukturen im Nanometerbereich gut aufgestellt. Sie hätten im Vergleich zu Abbildungen mit Hilfe eines Rastertunnelmikroskops den Vorteil, dass sie mithilfe berührungsloser optischer Multipinhole-Technik dreidimensionale Strukturen innerhalb weniger Sekunden erkennen lassen. Sie seien zudem leichter zu bedienen und für die Untersuchung sei keine lange Probenvorbereitung und kein Vakuum nötig. Dies sei für die Hersteller von mikro- und nanostrukturierten Oberflächen von großer Bedeutung. Zu den Kunden zählen in Deutschland beispielsweise Degussa und ThyssenKrupp sowie in den USA der Medizintechnikspezialist Johnson & Johnson .
Derzeit befindet sich NanoFocus in Verhandlungen über eine Vertriebspartnerschaft in Japan. Die Autozulieferindustrie dort zeige verstärktes Interesse an den Geräten aus Oberhausen, sagte Schreier. NanoFocus beschäftigt 35 Mitarbeiter und hat weltweit 330 Systeme verkauft. Rund 57 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz, der Rest liegt bei den Firmengründern./jb/cs