03.08.2010 12:30
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Börsen-Newcomer im Test: Kinghero

Börsen-Newcomer im Test: Kinghero
IPO-Check
Das chinesische Modeunternehmen Kinghero fällt in ­vielerlei Hinsicht aus dem Rahmen. Die Firma hat keine Schulden, dafür die höchsten Margen der Branche. Langfristig ein interessantes Investment.
€uro am Sonntag

von Jens Castner, Euro am Sonntag

Auffallen würden die Klamotten auch in Europas Modezen­tren nicht. Zumindest nicht negativ. Ob in Mailand, Paris oder Düsseldorf – in Outfits von Kinghero kann man sich sehen lassen. Als Mann überall auf der Welt, als Frau zumindest dort, wo nicht der Zwang zur Verschleierung herrscht.

Doch mit der internationalen ­Expansion will sich Vorstandschef Zhang Yu, 51, noch Zeit lassen. Das Wachstumspotenzial am chinesi­schen Heimatmarkt ist noch längst nicht ausgeschöpft. Auf etwa 600 Millionen Menschen beziffert er die in Städten lebende Mittelschicht, die als Käufer der Kleider, Hosen und Sakkos infrage kommt. In den kommenden zehn bis 20 Jahren wird der potenzielle Kundenkreis den Prognosen zufolge auf 800 bis 850 Millionen Menschen anwachsen.

Die Mittel aus dem Börsengang sollen deshalb zunächst im eigenen Land investiert werden. Bislang werden Kinghero-Produkte in mehr als 200 Partnerboutiquen verkauft. Mit der Gründung eigener Filialen in Chinas Metropolen soll jetzt der Bekanntheitsgrad der Marke gesteigert werden. Der erste Flagshipstore wird im dritten Quartal in Xiamen eröffnet. Dort sollen auch Handtaschen und Accessoires angeboten werden, ein neues Geschäftsfeld, das Kinghero gerade erst erschließt.

Darüber hinaus ist geplant, die Produktionskapazitäten zu erweitern. Bislang fertigen die 900 Mitarbeiter nur knapp ein Drittel des Gesamtvolumens, der Rest der Produktion ist ausgelagert. Mittelfristig strebt Yu jedoch eine 50?:?50-Quote an. Sechs Fabrikgebäude mit einer Gesamtfläche von 70?000 Quadratmetern wurden dazu bereits erworben. Der Kaufpreis von umgerechnet 8,5 Millionen Euro ist bereits vollständig bezahlt. Wenn der Börsengang klappt – und davon ist auszugehen –, sollen zudem ein Reißverschlusshersteller und eine Strickfabrik übernommen werden.

Auch der Einstieg in die Oberklasse steht auf der Agenda. Bislang setzt Kinghero, ähnlich wie H?&?M und Zara, eher auf das untere bis mittlere Preissegment. Da Chinesen jedoch bevorzugt Produkte aus dem eigenen Land kaufen, sieht Yu nicht ein, warum er bei edlen Herrenanzügen und extravaganten Abendroben der ausländischen Konkurrenz das Feld überlassen sollte.

Das Listing in Deutschland habe er vor allem gewählt, weil andere chinesische Firmen damit gute Erfahrungen gemacht hätten, sagt der Unternehmenslenker. Zunächst wird Kinghero im Entry Standard notiert sein, will aber von Anfang an die Transparenzanforderungen der höheren Handelssegmente erfüllen. Neben Quartalsberichten und regelmäßigen Analystenstudien sollen An­leger auch von einem in München angesiedelten Investor-Relations-Büro fortwährend auf dem Laufenden gehalten werden.

Für die ständige Vertretung hierzulande ist Xiaoping Zhao-Moll verantwortlich, die während der Roadshow bereits dem einen oder anderen Investor den Kopf verdreht haben dürfte. Die 33-Jährige gäbe auch ein perfektes Model für die Kinghero-Kollektionen ab, allerdings widerspräche dies der Marketingstrategie. Trotz der verbreiteten „Buy Chinese“-Philosophie erregen westlicher Stil und westliche Models im Reich der Mitte mehr Aufmerksamkeit.

Gleichwohl präsentiert sich Zhao-Moll wie das gesamte Management ausschließlich in Kinghero-Outfits, wenn sie über Wachstumsraten, Cashflows und Margen referiert. Der Umsatz hat sich von 2007 bis 2009 auf 48,3 Millionen Euro mehr als verdoppelt, der Gewinn stieg im selben Zeitraum überproportional von 4,6 auf 10,7 Millionen Euro. Auch im ersten Quartal 2010 ließ das Wachstum nicht nach. Der Erlös kletterte um 43 Prozent auf 14,9 Millionen Euro, der Nettogewinn um mehr als 50 Prozent auf 3,7 Millionen Euro.


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Zudem konnte die Marge, vor Steuern und Zinsen 31 Prozent, zwischen Januar und März erneut kräftig gesteigert werden. Langfristig kalkuliert das Unternehmen mit etwa 25 Prozent. Nicht nur die Profitabilität, auch die Liquiditätssituation ist dazu angetan, den Managern westlicher Modefirmen Tränen in die Augen zu treiben. Kinghero hat keine Bankschulden, sondern schon vor dem Börsengang 11,5 Millionen Euro auf der hohen Kante. Mit den bis zu 33,3 Millionen Euro, die dem Unternehmen beim Börsengang zufließen sollen, wäre die Kriegskasse prall genug gefüllt, um zusätzlich zu den ohnehin geplanten Übernahmen weitere Zukäufe zu realisieren.

Ohne Risiko ist die Aktie freilich nicht. Die Modebranche ist ein schnelllebiges Geschäft, in dem ein verpasster Trend schnell Image und Jahresergebnis ruinieren kann. Damit das nicht passiert, werden unter Führung der erst 29-jährigen stellvertretenden Geschäftsführerin He Xiuming mehr als 30 hoch qualifizierte Designer beschäftigt, die den Nerv der Zeit bislang stets trafen. Da vom ersten Entwurf bis zur Markteinführung nur 100 Tage vergehen – bei der Konkurrenz sind es im Schnitt 180 –, sieht sich das Management gut gewappnet, um flexibel auf neue Trends reagieren zu können.

Um Vertrauen ins Unternehmen zu demonstrieren, gibt das Management so gut wie keine Aktien ab. Nur falls die Nachfrage das Angebot übersteigen sollte, trennt sich Vorstandschef Yu von 270?000 Aktien. Die Altaktionäre verpflichten sich zudem, ihre Anteile mindestens ein Jahr lang zu halten. Mit einer Dividende wird ihnen das nicht versüßt. In den kommenden Jahren steht für Yu Wachstum im Vordergrund.

Quick-Check: Kinghero

Preisspanne: 14,50 bis 18,50 €
Zeichnungsfrist: bis 4.8.2010
Erster Handelstag: 6.8.2010
Ausgeg. Aktien: 2,07 von 7,05 Mio.
Erw. Umsatz 2010: 71,73
Erw. Gewinn 2010: 14,39
KGV 2011: 5,8 bis 7,4
Prospekt: ja (www.kinghero.de)
Segment: Entry Standard
ISIN: DE?000?A0X?FMW?8

Fazit: Die Graumarktkurse deuten nicht auf Zeichnungsgewinne hin. Die günstige Bewertung ist langfristig jedoch verlockend.

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02.03.2012KINGHERO kaufenHanseatischer Börsendienst
18.10.2011KINGHERO kaufenEmerging Markets Investor
02.03.2012KINGHERO kaufenHanseatischer Börsendienst
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