von Stephan Bauer, Euro am Sonntag
Ein Schuldenberg in Höhe von fast 60 Milliarden Euro, schwächelndes Geschäft im Heimatmarkt Spanien — Telefónica-Chef César Alierta hat allen Grund, seine Deutschland-Tochter O2 an die Börse zu bringen. Voraussichtlich bis zum 28. Oktober können Anleger die Papiere des viertgrößten deutschen Mobilfunknetzbetreibers zeichnen. Der Emissionspreis pro Aktie liegt zwischen 5,25 und 6,50 Euro. Bis zu 258 Millionen Papiere aus Beständen der spanischen Mutter sollen in den regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse, den sogenannten Prime Standard, gelangen.
Telefónica werden durch den IPO (kurz für Initial Public Offering) bis zu 1,7 Milliarden Euro in die Kassen fließen. Damit ist der Börsengang der größte in Deutschland seit dem Jahr 2007, als Motorenbauer Tognum zwei Milliarden Euro erlöste.
René Schuster, Vorstandschef der Tochter, wirbt mit einem Steuervorteil um potenzielle Aktionäre: O2 habe Verlustvorträge im Gegenwartswert von über zwei Milliarden Euro. Ab 2016 werde die Steuerquote zwischen zwölf und 13 Prozent liegen und damit deutlich unter der des Wettbewerbers Deutsche Telekom. Den Vorteil will O2 in Form hoher kurzfristiger Gewinnausschüttungen an die Aktionäre weiterreichen. Werde die Aktie am unteren Ende der Emissionsspanne ausgegeben, ergebe sich eine Dividendenrendite von über acht Prozent, hieß es.
Die Mobilfunkbranche wächst indes kaum, zudem muss Schuster wohl Milliarden in den Netzausbau investieren. Die O2-Netze sollen rasch für den Hochgeschwindigkeitsstandard LTE tauglich gemacht werden, um im Wettbewerb zu bestehen und Kunden nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Größter Malus: Der Emissionserlös fließt komplett an die Mutter. Sie will Schulden abbauen. bau
Bildquellen: O2