NEW YORK (dpa-AFX) - Der weltweit zweitgrößte Finanzinvestor Carlyle hat bei seinem Börsengang Zugeständnisse machen müssen. Das US-Unternehmen nahm beim Verkauf eines Teils seiner Anteilsscheine 671 Millionen
Dollar (510 Mio Euro) ein und damit bis zu 92 Millionen Dollar weniger als erhofft. Mit dem Geld wollen die Amerikaner Schulden abbauen und Zukäufe stemmen. Der Handel mit den Papieren sollte am Donnerstag an der US-Technologiebörse
Nasdaq beginnen.
Die einzelne Aktie ging für 22 Dollar an die neuen Aktionäre, wie aus einer Mitteilung vom späten Mittwochabend hervorgeht. Das Carlyle-Management hatte eigentlich 23 bis 25 Dollar angepeilt. Mit dem gesenkten Ausgabepreis wird die gesamte Beteiligungsgesellschaft - also inklusive der Anteile, die bei den Alteignern verbleiben - nun mit rund 6,7 Milliarden Dollar bewertet.
Carlyle folgt mit dem Börsengang den Rivalen Blackstone und Apollo. Deren Börsenkarriere verlief ebenfalls durchwachsen. Die Aktien von Branchenprimus Blackstone etwa haben seit dem Gang aufs Parkett rund 57 Prozent an Wert eingebüßt, die Aktien von Apollo sackten seit einer größeren Platzierung im März vergangenen Jahres um 33 Prozent ab. Investoren bemängeln an den Firmen der Branche, dass die Gewinne schlecht prognostizierbar seien.
Finanzinvestoren kaufen Unternehmen und finanzieren dies großteils mit Krediten. Die Schulden bürden sie dann dem Übernahmekandidaten auf - der muss sie letztlich auch abbezahlen. Unter dieser Schuldenlast sehen sich viele aufgekaufte Unternehmen zu harten Einsparungen gezwungen samt Entlassungen. Diese Vorgehensweise hat den Finanzinvestoren den unschönen Titel "Heuschrecken" eingebracht.
In Deutschland griff Carlyle unter anderem bei der Insolvenz des Handelskonzerns Arcandor (Karstadt und Quelle) zu und sicherte sich mehrere Spezialversender wie Baby Walz. Zudem gehören zu Carlyle das Chemieunternehmen H.C. Starck oder Büroimmobilien in mehreren Städten. Insgesamt verwaltet der Finanzinvestor nach eigenen Angaben weltweit Vermögenswerte über 147 Milliarden Dollar./men/das/DP/kja