von Matthias Niklowitz
Mit einem Plus von 170 Prozent zählt Temenos zu den besten Schweizer Aktien der letzten zwölf Monate. Auch die längerfristige Entwicklung ist erfreulich: Wer beim Börsengang der Genfer Banken-Softwarefirma Mitte 2001 dabei gewesen war, hat mehr Geld gemacht als mit dem SMI. Die meisten anderen Technologiewerte, die damals an die Börse gekommen waren, sind übrigens inzwischen pleite.
Allerdings hatten die Aktionäre von Temenos 2002 und 2003 auch einige bange Momente zu überstehen, als ihre Aktien fast zu Nonvaleurs wurden. Temenos verschwand aber nicht, weil das Softwarehaus ein herkömmliches Geschäftsmodell hatte mit einmal zu verbuchenden Lizenzverkäufen und jahrelang wiederkehrenden Lizenzeinnahmen – wie Day Software oder Crealogix, zwei weitere Überlebende der Dotcom-Blase. Der zentrale Anhaltspunkt für den Erfolg einer Softwarefirma ist deshalb der Gewinn neuer Kunden beziehungsweise der Lizenzumsatz.
Gemäss IBS-Auswertung gewann Temenos letztes Jahr 41 neue Kunden, deutlich mehr als die zu Oracle gehörende iFlex (mit 33) und als die indischen Konkurrenten TCS und Infosys. Das deutsche Softwarehaus SAP taucht unter den Top-10 gar nicht erst auf. Und laut Analysten von Garnier braucht sich Temenos auch nicht vor dem jüngst vorgestellten neuen Produkt des britischen Konkurrenten Misys zu fürchten – zu gross ist der Vorsprung am Markt. «Das Momentum der Abschlüsse bleibt auch in der Erholungsphase stark», kommentiert die Bank of America.
Temenos, die grösste der drei Genfer Bank-Softwareanbieter neben den nicht kotierten Eri Bancaire und Odyssey, peilt 2010 ein Umsatzwachstum von 18 bis 25 Prozent und eine Betriebsgewinnmarge von 25 Prozent an. Das organische Lizenzwachstum soll zwischen drei und vier Prozent betragen. «Wir halten diese Vorgabe für konservativ», kommentiert Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos. «Doch sie stimmt mit der Managementpolitik überein, die Ziele realistisch zu halten.» Weil die Kunden wieder Vertrauen fassen, könnten diese Vorgaben im Laufe des Jahres noch angehoben werden. Laut Spiliopoulos spricht auch für Temenos, dass die operativen Kosten unter Kontrolle und die Service-Margen mit 18 Prozent «nachhaltig» seien.
2009 erzielten die Genfer 370 Millionen Dollar Umsatz. Der von Analysten genau verfolgte Lizenzumsatz stieg um 3,3 Prozent auf 126 Millionen. Organisch hätte sich ein Plus von acht Prozent ergeben, wenn nicht ein wichtiger US-Kooperationspartner durch eine Übernahme verschwunden wäre. Auf Basis der Gewinnschätzung von 1,70 Dollar pro Aktie für 2010 und 2,05 Dollar für 2011 ergibt dies Kurs/Gewinn-Verhältnisse von 17 und 14. Die Kursziele von Bank of America und Vontobel lauten 35 beziehungsweise 34 Franken. Die Aktie ist weniger volatil als jene von Day und Crealogix und profitiert zudem von der Fantasie, dass Temenos von SAP, IBM oder HP übernommen werden könnte. Es kann sein, dass die Kursziele auch ohne Fusion rascher als gedacht erreicht werden, wenn etwa ein Grossauftrag in Zusammenarbeit mit dem indischen IT-Dienstleister Cognizant gemeldet würde. Analysten halten das für sehr wahrscheinlich. Harte Daten gibt es am 28. April – dann wird über das erste Quartal berichtet.
Quelle: Stocks 7/2010
Bildquellen: Klicker/Pixelio