von Thomas Schmidtutz, €uro am Sonntag
Der IT-Konzern Oracle sieht sich in Deutschland auch im neuen Geschäftsjahr gut unterwegs: „Wir haben einen sehr ordentlichen Start erwischt“, sagte Deutschland-Chef Jürgen Kunz dieser Zeitung. Trotz Eurokrise könne er bislang keine dunklen Wolken erkennen. Die Pipeline sei voll. Allerdings mahnte Kunz eine rasche Lösung zur Überwindung der Eurokrise an. „Je länger die Unklarheit über die weitere Entwicklung in der Eurozone anhält, desto größer wird die Unsicherheit“, sagte er. Das zum 31. Mai abgelaufene Geschäftsjahr war in Deutschland laut Kunz „eines der erfolgreichsten“ in der Geschichte des US-Unternehmens. Alle Bereiche hätten hierzulande „sehr, sehr gute Zuwächse“ erzielt, sagte er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Besonders gefragt waren Produkte der Exa-Linie. Die vor zwei Jahren eingeführten Komplettangebote kombinieren Datenbanken sowie andere Softwarelösungen mit entsprechender Hardware. Im abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchte Oracle mit seinen Exa-Produkten konzernweit bereits rund eine Milliarde Dollar Umsatz, der Gesamtumsatz lag zuletzt bei 37,2 Milliarden Dollar.
Die Rechner der Exa-Linie kommen vor allem in Bereichen mit hohen Rechenanforderungen zum Einsatz. So vertraut die Deutsche Bank bei der Analyse ihrer Kreditrisiken neuerdings auf die Exa-Rechner. Drei bis vier Exa-Rechnerschränke könnten dank ihrer Leistung mehrere 100 herkömmliche Server ersetzen. Auf diese Weise lasse sich die Komplexität von Rechenzentren erheblich reduzieren.
Deutschland gehört gemeinsam mit Japan und Großbritannien zu den wichtigsten Auslandsmärkten des Konzerns. Nach einer Übersicht des Marktforschungsunternehmens Lünendonk setzt Oracle hierzulande rund eine Milliarde Euro um. Dazu lehnte Kunz jeden Kommentar ab.
Kunz verteidigte erneut die umstrittene Übernahme des US-Serverriesen Sun. Man habe von Anfang erklärt, sich aus dem margenschwachen Massengeschäft zurückziehen zu wollen und sich stattdessen auf High-End-Lösungen zu konzentrieren. Dieser Kurs habe zu den erwarteten Umsatzrückgängen geführt. Analysten hatten in den vergangenen Monaten angesichts des rückläufigen Servergeschäfts immer lautere Zweifel an der Übernahme geäußert und auf mangelnde Synergien verwiesen.
Dem trat Kunz entgegen. Oracle sei es gelungen, die Marge trotz der Integration des Hardwaregeschäfts stabil zu halten und die Produktzyklen im Hardwaregeschäft zu verkürzen. Dies sei ein „Riesenerfolg“. Zudem bestätige auch die Umsatzentwicklung der Exa-Familie, dass die Sun-Übernahme richtig gewesen sei.
Oracle hatte zuletzt überraschend gute Zahlen vorgelegt. Die Aktie hat gedreht. Das Papier bleibt aussichtsreich.