von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Die Eigentümer des Düsseldorfer Wohnimmobilienkonzerns LEG können unter dem Strich zufrieden sein. Mit einem Emissionspreis von 44 Euro beim Börsendebüt (IP0) des Konzerns hat die Immobilientochter von US-Bank Goldman Sachs, Whitehall Street Real Estate sowie des Minderheitsgesellschafters Perry Capital 1,3 Milliarden Euro eingenommen. Der IPO ist der bisher größte im deutschen Immobiliensektor. Im Jahr 2006 hatte Konkurrent Gagfah 853 Millionen Euro eingesammelt. Doch während Gagfah-Papiere beim IPO deutlich über dem Ausgabepreis starteten, gingen LEG-Aktien mit einem Plus von lediglich 1,5 Prozent ins Rennen (Schlusskurs: 44,05 Euro).
Bei der Börsenbewertung hingegen liegt der Debütant aus Nordrhein-Westfalen mit 2,33 Milliarden Euro schon vor Anlegerfavorit Deutsche Wohnen (2,29 Milliarden). Die Konkurrenten GSW und Gagfah liegen bei 1,5 und 1,9 Milliarden Euro. Mit LEG werden bald schon vier Wohnimmobilienkonzerne in dem für institutionelle Investoren relevanten MDAX notiert sein. LEG werde spätestens bei der zweiten Indexüberprüfung in diesem Jahr in den MDAX aufsteigen, heißt es aus Expertenkreisen.
Deutsche Immotitel begehrt
Das Interesse institutioneller Investoren an Aktien deutscher Immobilienkonzerne bleibt weiter stark. „Wir konnten mit LEG neue Investorengruppen überzeugen, nicht nur aus dem angelsächsischen Raum, sondern auch aus Deutschland und den Niederlanden“, erfuhr €uro am Sonntag aus gut informierten Kreisen. Mit dem niederländischen Fonds für Staatsangestellte, ABP, der 320 Milliarden Dollar Anlagevermögen verwaltet, kommt der drittgrößte Pensionsfonds der Welt aus Holland.
Deutsche Immobilien sind im internationalen Vergleich günstig bewertet. Zudem gelten die Mietverhältnisse als langfristig stabil. Die Perspektiven für nachhaltige Dividendenrenditen bei Investments in Wohnimmobilien sind also gut.
LEG, vor dem Börsengang zu 95 Prozent im Besitz von Whitehall, verwaltet im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW ein Portfolio von 91.000 Wohnungen. Nach aktuell verfügbaren Zahlen verdiente LEG 2011 damit rund 234 Millionen Euro. Die Einnahmen aus dem operativen Geschäft, im Fachjargon Funds from Operations (FFO) genannt, lagen bei knapp 112 Millionen Euro.
Zum Vergleich: Bei Konkurrent Gagfah mit einem Gesamtportfolio von 145.000 Wohnungen lagen die FFO-Einnahmen trotz des wesentlich größeren Portfolios mit 159,5 Millionen Euro nur geringfügig höher.
Börsenneuling LEG wirbt bei Investoren damit, 65 Prozent des geplanten operativen Gewinns als Dividende auszuschütten. Mietsteigerungen von jährlich zwei bis drei Prozent sollen wesentlich zu einem höheren operativen Gewinn beitragen. Das Mietniveau im Bestand liegt nach LEG-Angaben derzeit 13 Prozent unter den marktüblichen Preisen. Zudem wollen die Düsseldorfer ihre Cashreserve von 170 Millionen Euro für den Kauf von weiteren 10.000 Wohnungen in NRW nutzen. Die Differenz für die auf 750 Millionen Euro geschätzte Kaufsumme will LEG-Chef Thomas Hegel über zusätzliche Kredite finanzieren.
Die jüngst erfolgreichen Refinanzierungsrunden bei den Wohnimmobilienkonzernen Gagfah und Deutsche Annington zeigen, dass die Kreditmärkte gut funktionieren.
Deutsche Annington am Start
Deutschlands größter Vermieter von Privatwohnungen, Deutsche Annington (DAIG), hat zwei Drittel der für 2013 geplanten Umschuldung bereits in der Tasche. Der Konzern mit einem Portfolio aus 210.000 Wohnungen konnte bei drei Investoren 785 Millionen Euro einsammeln. Davon sollen 715 Millionen in die Tilgung einer 3,8 Milliarden Euro schweren Immobilienverbriefung fließen. Die Vorbereitungen für einen Börsengang sind bereits angelaufen. Angepeilt wird das vierte Quartal. Bei schnellerer Refinanzierung könnte es früher klappen.
Bildquellen: LEG Immobilien