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27.08.2010 06:00

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INFRASTRUKTUR

Renditekick mit Infrastrukturaktien

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Ähnlich mehrgleisig fährt der Technologiekonzern Siemens, der unter anderem die ICE-Produktion verantwortet. Der Anteil der Transportsparte Siemens Mobility ist im Konzernmaßstab relativ klein, aber sie wächst. Allerdings agieren die Münchner nicht nur im Energiebereich, sondern auch in der Medizin-, der Licht-und der Automatisierungstechnik. Zwar muss Siemens in Frankreich meist Alstom den Vortritt lassen, jedoch nicht im Rest der Welt. So kehrte Siemens-Chef Peter Löscher, 52, Mitte Juli mit vollen Auftragsbüchern von einem Aufenthalt in Russland mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück. Der Konzern soll in den kommenden zehn Jahren 240 Regionalzüge an die russische Eisenbahn liefern und bis 2026 mehr als 20 Rangierbahnhöfe modernisieren.

Ein weiterer Bahntechnikkonzern, der von Frankreichs Milliardeninvestitionen in die Schiene profitieren sollte, ist Bombardier aus Kanada. Dessen Geschäftsbereich Transportation ist im Vergleich zu Siemens deutlich umsatzstärker. Mehr als zehn Milliarden Dollar setzen die Kanadier hier um. Das entspricht mehr als der Hälfte des Gesamtumsatzes von Bombardier, dessen zweites Standbein der Flugzeugbau ist.


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Das Unternehmen ist nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa stark vertreten – auch weil das Management hier kräftig zugekauft hat. So erwarb der Konzern 1998 die Deutsche Waggonbau AG und drei Jahre später DaimlerChrysler Rail Systems (vormals Adtranz).

Im französischen Regionalnetz fahren bereits Regionalzüge von Bombardier, die es auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde bringen. Erst im März 2010 hat die Firma von der staatlichen französischen Eisenbahngesellschaft SNCF einen Auftrag über die Lieferung von 49 weiteren Regionalzügen für rund eine halbe Milliarde US-Dollar erhalten. Zudem hat sich SNCF Optionen für weitere Lieferungen gesichert – auf bis zu 860 Züge im Gesamtwert von elf Milliarden Dollar.

Die Schwäche von Bombardier ist die hohe Verschuldung. Von der Ratingagentur Standard & Poor’s bekommt das Unternehmen nur die zweitklassige Bonitätsnote „BB“. Zum Vergleich: Die Bonität von Siemens wird mit „A+“ gleich sieben Stufen besser eingeschätzt. Das bedeutet beispielsweise, dass die finanzstarken Deutschen weniger Zinsen für Kredite zahlen müssen als ihr kanadi­scher Konkurrent. Wegen der geografischen Nähe Kanadas zur USA ist Bombardier aber auch in den Vereinigten Staaten dick im Geschäft. Und das lohnt sich. Denn auch die US-Regierung setzt auf Gleise. Bereits heute gilt das amerikanische Güterzugnetz als eines der besten der Welt.

Darauf fährt sogar Investmentlegende Warren Buffett ab. Der 79-jährige Amerikaner kaufte Ende 2009 für 34 Milliarden Dollar den US-Eisenbahnkonzern BNSF – sein bisher größter Deal. „Der Wohlstand unseres Landes hängt von einem effizienten und gut unterhaltenen Schienennetz ab“, begründet Buffett den hohen Einsatz. „Wenn Öl teurer wird, steigen zwar die Dieselkosten für die Eisenbahnen. Für Lastwagen steigen sie aber um den Faktor vier.“

Genau dieser ökologisch-energetische Vorteil ist es, der die Eisenbahn auch in den USA zum Verkehrsmittel der Zukunft machen könnte. Bisher galt das vor allem im Güterverkehr. Den Personenverkehr vernachlässigten die USA noch. Aber das soll sich ändern: So will Kalifornien bis 2020 rund 42 Milliarden Dollar in neue Hochgeschwindigkeitsstrecken investieren, um die Großstädte San Diego, Los Angeles, San Francisco und Sacramento miteinander zu verbinden.

Das verspricht gute Geschäfte für den deutschen Bahnkonzern Vossloh, der neben Europa auch in den USA präsent ist. Das Unternehmen, dessen Aktien im MDAX gelistet sind, produziert Elemente zur Schienenbefestigung an Bahnschwellen, sogenannte Spannklemmen, dazu Weichen und Weichensteuerungen. Zudem ist Vossloh der größte europäische Diesellokhersteller. Die Aktie des Unternehmens ist mit einem KGV von 11,1 günstig bewertet – erst recht, wenn man die guten Perspektiven berücksichtigt. Die Ende Juli veröffentlichten Quartalszahlen zeigen schon, wohin die Reise geht: Der Umsatz legte im Vergleich zum zweiten Quartal 2009 um 25 Prozent zu.

Eine andere günstige Bahnaktie ist Schaltbau. Deren KGV liegt bei nur 8,9. Schaltbau produziert unter anderem Zugtürsysteme und Komponenten für Bahnübergänge. Das Management hofft bei seinen Wachstumsplänen auch auf die USA und hat im April 2010 den Türsysteme-Hersteller Bode gekauft. Damit hat sich Schaltbau so positioniert, dass es bei der US-Zugsause dabei sein kann.

Bildquellen: BMU/H.-G. Oed
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