13.11.2012 18:00
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Wasserinvestments: Wo das Geld hinfließt

Infrastruktur: Wasserinvestments: Wo das Geld hinfließt | Nachricht | finanzen.net
Wasser: Funktionierende Versorgung braucht neue Infrastruktur
Infrastruktur
Infrastruktur Wasserinvestments - von der Netzinfrastruktur bis hin zu Aufbereitungstechnik - sind nachweislich eine attraktive und alternative Option für das Anlegerportfolio.
€uro am Sonntag
von Steve Falci, Gastautor von Euro am Sonntag

Das Potenzial von Wasserinvestments wird aktuell unterschätzt. Dabei bietet das breite Thema Wasser den Anlegern eine attraktive Alternative im Bereich der nachhaltigen Investments und ist gleichzeitig eine sinnvolle Beimischung für das Anlegerportfolio. Die Antriebsfaktoren der Anlagerendite sind Megatrends wie das Bevölkerungswachstum und die Veränderung des demografischen Profils oder Angebotslücken bei natürlichen Rohstoffen.

Die Vereinten Nationen erwarten bis 2050 einen Anstieg der Weltbevölkerung um 35 Prozent auf 9,2 Milliarden Menschen. Ergänzend zu diesem signifikanten Wachstum kommt der demografische Wandel hinzu. In Ballungsgebieten und Entwicklungsländern ist mit einem besonders hohen Wachstum zu rechnen, das in Kombination mit einem steigenden globalen Lebensstandard die Grenzen des Ökosystems aufzeigen wird. Auch gibt es immer mehr Regionen auf der Erde, die von wüstenartigem Klima und ausbleibenden Niederschlägen betroffen sind — egal ob in China, den USA, Israel oder Spanien.

Durch Verschmutzung und Verschwendung gerät Wasser als endlicher Rohstoff auf der Angebotsseite zusätzlich unter Druck. Derzeit haben rund 800 Millionen Menschen keinen Zugriff auf sauberes Trinkwasser. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung unter Wasserknappheit leiden.

Funktionierende Versorgung braucht neue Infrastruktur
Die Wasserknappheit hat nicht nur Auswirkungen auf die bestehenden Trinkwasser­kapazitäten, sondern auch auf die Nahrungsmittel. Denn für deren Herstellung sowie die Bewässerung in der Landwirtschaft ist Wasser unersetzbar. Für ein Kilogramm Brot werden laut der Wasserstiftung 1.000 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Rindfleisch sogar bis zu 20.000 Liter. Und selbst in die Herstellung von einem Kilogramm Tomaten fließen 180 Liter Wasser.

Obwohl die Erde zum Großteil aus Wasser besteht, ist Wasser eine endliche Ressource und damit ein knappes Gut: Nur weniger als ein Prozent des globalen Wasservorkommens ist brauchbares Süßwasser, von dem weitere 77 Prozent im Eis der Pole und Gletscher stecken und so dem Kreislauf verloren gehen.

Damit ist es für die Menschheit eine der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, Süßwasser sauber und in ausreichender Menge allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Um die bestehenden Probleme in den Griff zu bekommen, müssen Industrieländer ihre alte Infrastruktur ersetzen und die Wassereffizienz steigern. Entwicklungsländer sind noch einen Schritt zurück und müssen ihrer wachsenden Bevölkerung Zugang zu Wasser verschaffen. Die massiven Investitionen in den Wassersektor, die vor zehn Jahren noch Zukunftsinvestitionen waren, sind nun also Realität — insbesondere im Infrastruktursektor. Hier schätzen Branchenanalysten den Bedarf bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 22,6 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Für Energie­infrastruktur werden im selben Zeitraum neun Billionen Dollar benötigt, im Bereich Straße und Schiene 7,8 Billionen Dollar sowie für Luft- und Schifffahrt 1,6 Billionen Dollar.

Der US-Bundesstaat Kalifornien zeigt bereits, wie die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts aussehen kann. Im Bezirk Orange County produziert die weltweit größte und modernste Recyclinganlage täglich bis zu 265 Millionen Liter Trinkwasser — das entspricht dem Jahresbedarf einer halben Million Menschen. In einem dreistufigen Prozess wird das Abwasser gefiltert, aufbereitet und abschließend in ein Grundwasserbecken mit natürlichen Filterstoffen geleitet. Das Ergebnis ist Trinkwasser, dessen Qualität die vorgeschriebenen Standards übertrifft.


Steve Falci, Kleinwort Benson Investors
Entscheidet sich der private Anleger für ein Investment im Wassersegment, sollte er verschiedene Faktoren beachten, um die Anlage­chancen und das Renditepotenzial zu nutzen. Zu allererst sollte der Fokus nicht auf Einzelwerten liegen, sondern auf einem diversifizierten Investment, um das Risiko bewusst zu streuen. Hier gilt es, die stärksten Sektoren und Technologien zu identifizieren, von denen führende Lösungen zu erwarten sind, die eine der Hauptquellen für potenzielles Wachstum sind. Insbesondere Unternehmen, die bestehende Technologien für den Wasserschutz weiterentwickeln, die Wartung und Erneuerung der Wasserinfrastruktur durchführen sowie Bewässerungs- und Abwassersysteme bauen, bieten derzeit die profitabelsten Möglichkeiten.

Nach Identifizierung der führenden Sektoren gilt es Titel herauszusuchen, die innerhalb dieser Sektoren jeweils das beste Wachstumspotenzial bieten und somit auch die Marktführer sind. Hierzu reicht es nicht, auf die kurzfristige Marktbewertung zu schauen, notwendig ist auch, die langfristigen Aussichten des Unternehmens anhand der finanziellen Katalysatoren zu analysieren. Diese Analyse besteht im Wesentlichen aus einer Auswertung der Fundamentaldaten, mit entsprechender Anpassung an die relevanten Märkte für das Wassersegment. Das schließt unter anderem die Beurteilung der Unternehmensleitung einschließlich Strategie, Bewertung der Bilanzen und das Engagement in Ländern mit hohem Wachstumspotenzial ein. Auch eine Analyse von Produktmix, Technologie, Wettbewerbsvorteilen und Markteintrittsbarrieren für Mitbewerber gehört dazu. Darüber hinaus sollten die Unternehmen in abseh­barer Zeit zu den Branchenschwergewichten zählen.

Sinkende Wasserpreise
als Hebel für Renditen

Neben einer ausreichend breiten Diversifikation ist es zudem entscheidend, nicht auf steigende Preise für Wasser und Nahrungsmittel durch Knappheit zu spekulieren. Das würde politische Risiken wie Markteinschränkungen oder Proteste in der Bevölkerung heraufbeschwören. Im Gegenteil: Außergewöhnliche Chancen bieten Investments in Lösungen, die dazu beitragen, steigende Preise zu verhindern und mehr Menschen den Zugang zu sauberem Wasser und Nahrungsmitteln zu fairen Preisen zu ermöglichen.

Angesichts der Tatsache, dass sich die Anforderungen an Wasserlösungen ständig weiterentwickeln und immer neue Bereiche hinzukommen, ist ein aktives Aktienmanagement für eine effiziente Nutzung der Chancen unerlässlich.

Aktuell bleibt — unter Berücksichtigung der verschiedenen Faktoren — für unseren Fonds am Ende ein Anlageuniversum aus weltweit 145 Titeln. Aus 42 davon setzt sich derzeit das globale Portfolio des KBI Institutional Water Fund zusammen, dessen Performance allein im Jahr 2012 derzeit bei rund 20 Prozent liegt. Seit 2001 hat der Fonds in neun Kalender­jahren eine Outperformance gegenüber dem MSCI-World-Index erzielt. Langfristig attraktive Trends treiben Wasserinvestments weiter voran und sorgen damit auch in Zukunft für einen erhöhten Investitionsbedarf im gesamten Segment. Es bedarf aber der richtigen Strategie, um vom blauen Gold zu profitieren.


Erforderliche Infrastrukturausgaben weltweit

Blaues Gold
Süßwasser ist existenziell unverzichtbar und keineswegs unendlich verfügbar. Die wachsende Weltbevölkerung und die damit steigende Verschmutzung und Verknappung des kostbaren Guts machen Lösungen notwendig, die allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Unternehmen, die entsprechende Technologien entwickeln, werden immer mehr an Bedeutung gewinnen.

zur Person:

Steve Falci, Leiter Nachhaltiges Investment
bei Kleinwort Benson Investors

Steve Falci ist seit 2008 bei Kleinwort Benson ­Investors (KBI) für die Entwicklung von nach­haltigen Investment­produkten und Strategien verantwortlich. Der studierte Finanzanalyst und Theologe verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Führung von ­Investmentteams und dem institutionellen Asset Management.
Kleinwort Benson Investors mit Hauptsitz in Dublin bietet bereits seit dem Jahr 2000 Investmentstrategien zu den Themen Wasser und erneuerbare Energien an, die inzwischen um die Themen Agribusiness und ­Umweltschutztechnik erweitert wurden.

Bildquellen: Verbund, iStock
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