07.01.2013 15:14
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Inselstreit mit China belastet japanische Autobauer - VW & Co profitieren

   Von Yajun Zhang und Hendrik Varnholt

   Deutsche Autohersteller profitieren offenbar vom Inselstreit zwischen China und Japan: Während ihre japanischen Konkurrenten Toyota, Nissan und Honda im Jahr 2012 Absatzeinbrüche in der Volksrepubilk hinnehmen mussten, wuchsen die deutschen Autobauer auf dem weltweit größten Automobilmarkt prozentual teils deutlich zweistellig. Die Auseinandersetzung um die von Japan als Senkaku bezeichnete Inselgruppe hatte in China anti-japanische Proteste ausgelöst.

   Sowohl Toyota als auch Nissan registrierten 2012 zum ersten Mal seit Jahren einen Rückgang ihrer Verkaufszahlen in China: Toyota setzte in dem Land nach Angaben von Montag rund 840.000 Autos ab - 4,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Zudem berichtete Nissan von einem Absatzrückgang in China. Der Hersteller verkaufte im Jahr 2012 gut 1,18 Millionen Fahrzeuge und damit 5,3 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

   Auch Konkurrent Honda konnte im vergangenen Jahr nicht vom Wachstum des chinesischen Automobilmarkts profitieren, das 2012 einmal mehr der Motor der weltweiten Industrie war: Das Unternehmen bezifferte den eigenen Absatzrückgang im Reich der Mitte auf 3,1 Prozent. - Honda verkaufte damit 598.577 Fahrzeuge an Kunden in China.

   Demgegenüber erzielten deutsche Autohersteller im vergangenen Jahr abermals Absatzrekorde auf dem chinesischen Markt. Daimler verkaufte dort nach eigenen Angaben 196.211 Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz. Das waren 1,5 Prozent mehr als im Jahr 2011 und so viele wie nie zuvor. Andere deutsche Hersteller konnten deutlich stärkere Zuwächse verbuchen, da die Schwaben mit ineffizienten Vertriebsstrukturen und Modellwechseln zu kämpfen hatten.

   Audi zum Beispiel übertraf nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr zum ersten Mal die Marke von 400.000 in China und Hongkong verkauften Automobilen: Das Unternehmen lieferte 405.838 Fahrzeuge aus - das waren 29,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

   Auch der Volkswagen-Konzern und BMW werden in den kommenden Wochen wohl erneut über rasantes Wachstum in der Volksrepubilk berichten: Europas größter Autobauer VW lieferte in China nach früheren Angaben allein von Januar bis November 2,53 Millionen Autos aus - gut ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Auch BMW und Mini verkaufen sich in China immer besser. Der BMW-Konzern setzte in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres 37,6 Prozent mehr Fahrzeuge der beiden Marken ab als ein Jahr zuvor - insgesamt 295.974 Autos.

   Ein Grund für den dramatischen Unterschied zwischen dem Erfolg deutscher Autohersteller und dem ihrer japanischen Konkurrenten sind offenkundig die politischen Spannungen zwischen China und Japan. Sie waren im vergangenen Jahr im Streit um die Senkaku-Inseln zutage getreten: Sowohl China als auch Japan erheben Anspruch auf das Territorium, in dem Öl- und Gasvorräte vermutet werden.

   Im September hatten Chinesen aus Protest gegen Japan etwa Geschäfte japanischer Autohersteller angezündet. Auch Boykottaufrufe waren zu vernehmen. Im Herbst waren in der Konsequenz etwa die Verkäufe des weltgrößten Autoherstellers Toyota auf Monatsbasis teilweise um die Hälfte eingebrochen.

   Gleichwohl rechnen die Japaner damit, dass das Schlimmste überstanden ist. In diesem Jahr soll es wieder bergauf gehen. Toyota will in China bis Dezember 900.000 Autos verkaufen - rund 7 Prozent mehr als 2012. Nach dem Höhepunkt der anti-japanischen Proteste hat sich der Absatzeinbruch bei dem Unternehmen im Dezember schon abgeschwächt. In dem Monat ging die Verkaufszahl im Vergleich zum Dezember des Vorjahres gleichwohl noch um 16 Prozent zurück.

   Die japanischen Hersteller reagieren auf ihre Schwierigkeiten in China etwa mit Rabatten und Zusatzangeboten. Sie reparieren teils Fahrzeuge kostenlos, die bei anti-japanischen Demonstrationen beschädigt worden sind. Ein Sprecher von Toyota China sagte, die Kosten für derartige Programme seien derzeit zweitrangig. Höchste Priorität habe es, das Vertrauen der chinesischen Kunden in japanische Fahrzeuge wiederherzustellen.

   Der chinesische Markt dürfte nach Einschätzung von Experten im nächsten Jahr wieder der Wachstumstreiber der Automobilbranche sein, die nach Expertenmeinung global wohl um rund 3 Prozent zulegen wird. Nach dem Absturz des US-Marktes in Folge der Lehman-Pleite im Jahr 2008 entwickelte sich China zum weltgrößten Automobilmarkt und konnte diese Position in den vergangenen Jahren auch behaupten. Die Mittel- und Oberschicht in dem riesigen Land wächst rasant - und mit ihr die Zahl der potenziellen Autokäufer.

   Mitarbeit: Colum Murphy und Yoshio Takahashi

   DJG/DJN/hev/kla

   (END) Dow Jones Newswires

   January 07, 2013 08:43 ET (13:43 GMT)

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