aktualisiert: 22.06.2012 16:01
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Zahl der Pleiten nimmt wieder zu

Die Zahlungsunfähigkeit ist wieder auf dem Vormarsch
Insolvenzgefahr wächst
Unternehmensinsolvenzen: Nach zwei Jahren Entspannung macht die schwache Eurokonjunktur vor allem Mittelständlern den Garaus.
von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Nach Einschätzung von Experten wird die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2012 erstmals seit zwei Jahren wieder ansteigen. Ur­sache sei die allmählich auch in Deutschland spürbare Konjunkturflaute in Europa. Aber auch Änderungen im deutschen Insolvenzrecht im März 2012 sowie die restriktivere Kreditvergabe der Banken als Folge verschärfter Eigenkapitalvorschriften würden spürbar. „Wir gehen für 2012 von einem Anstieg bei den Unternehmensinsolvenzen von fünf bis zehn Prozent aus“, sagte der Vorsitzende des Insolvenzverwalterverbands VID, Christoph Niering, dieser Zeitung. Es wäre der erste Pleitenanstieg seit 2009, als die Insolvenzen um elf Prozent auf 32.900 angestiegen waren. „Wir sehen einen Mix aus branchenspezifischen Problemen und branchenübergreifender Verunsicherung“, sagte Niering. „Hauptgrund ist, dass die deutsche Wirtschaft sich nicht länger von der Wirtschaftsflaute in den Euroländern abkoppeln kann.“ Betroffen seien vor allem Mittelständler.

Laut Statistischem Bundesamt nahmen die Unternehmenspleiten im März 2012 mit plus 19 Prozent gegenüber dem Vormonat so stark zu wie seit zwei Jahren nicht mehr. 2011 war die Zahl der Unternehmens­insolvenzen noch um sechs Prozent auf 30.200 gesunken.

Am kommenden Donnerstag will die Kreditauskunft Creditreform die aktuellen Zahlen zur Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland veröffentlichen. Vorab wurde dazu keine Stellungnahme abgegeben. Allerdings gehen Branchenkreise für 2012 von einer höheren Prognose aus.

In diesem Zusammenhang wird auf eine restriktivere Kreditvergabe der Banken auch als Folge verschärfter Eigenkapitalvorschriften verwiesen. Laut aktuellem Kredit­ausblick der KfW-Bankengruppe ist das ­Kreditneugeschäft im ersten Quartal 2012 um 0,4 Prozent zurückgegangen. Die KfW rechnet im Jahresverlauf mit ­einer weiteren Eintrübung, ab dem dritten Quartal könne es zu einer „deutlichen Abkühlung“ kommen. Die KfW begründet den Rückgang vor allem mit einer konjunkturbedingt schwächeren Kreditnachfrage der Unternehmen. Jedoch hätten auch die Banken ihre Kreditricht­linien verschärft — vor ­allem bei ­exportorientierten Unternehmen. „Die Banken messen der Frage, wie stark ihre Kunden von einem konjunkturellen Einbruch betroffen ­wären, wieder mehr Gewicht bei. Nicht zuletzt sind Kredite, die mit Geschäften in den Peripherieländern der Eurozone zu tun haben, in den letzten Wochen schwieriger zu erhalten.“

Als weiteren Grund für die ansteigende Zahl von Pleiten gilt auch das im März geänderte deutsche Insolvenzrecht, das den Unternehmen insgesamt bessere Chancen auf eine Sanierung und Fortführung einräumen soll. VID-Chef Niering will einen solchen Effekt noch nicht bestätigen, sieht die Regelung aber insgesamt als „echten Fortschritt“. Viele Insolvenzanträge der vergangenen Wochen nutzten bereits die Instrumente der reformierten Insolvenzordnung. Gläubiger erhielten ganz neue und weitreichende Möglichkeiten. „Das wird zu Veränderungen in der Sanierungspraxis führen. Man wird die Insolvenz noch stärker als Sanierungsinstrument begreifen und als Krisenoption einplanen.“

Bildquellen: istock/Brian Jackson
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