von €uro-Redakteur Matthias Fischer
Im brasilianischen Três Lagoas herrscht nie Wassermangel: Hier vereinigen sich die beiden Flüsse Sucuriú und Paraná. Entsprechend hat sich die Stadt mit ihren 100.000 Einwohnern zu einem bedeutenden Viehzucht- und Transportzentrum entwickelt. Und schon bald hat die Stadt einen Platz im Buch der Rekorde: Die größte Papiermühle der Welt mit einem jährlichen Volumen von 1,5 Millionen Tonnen wird in Produktion gehen.
Die Technologie für das Ungetüm kommt vom österreichischen Maschinenbauer Andritz. Die Grazer sind in Südamerika sehr erfolgreich: So stehen sie auch in Uruguay in der Poleposition, um für den finnischen Papierriesen Stora Enso und seinen chilenischen Partner Celulosa Arauco eine weitere Megamühle mit einem Volumen von jährlich 1,3 Millionen Tonnen Papier zu errichten. Nicht nur in Südamerika bauen die Papierhersteller neue, große Produktionsstätten. Weltweit steigt der Verbrauch von Beschreibbarem und Verpackungen. Schließlich ist Papier ein typisch zyklischer Wertstoff. Wächst die Konjunktur, wird mehr Papier gebraucht.
Knapp ein Drittel seines Umsatzes von rund drei Milliarden Euro erzielt Andritz mit Anlagen zur Herstellung von Papier. Wichtigster Geschäftsbereich mit einem Umsatzanteil von über 40 Prozent ist allerdings die Wasserkraft. Momentan ergänzen sich die beiden Geschäftsfelder blendend: Strom aus Wasserkraft boomt ebenfalls. Die Aktie hat bereits deutlich zugelegt. Zum Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 notierte sie unter 20 Euro. Mittlerweile ist sie auf über 60 Euro gestiegen. Trotzdem ist der Titel gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis von 0,9 nicht zu teuer. Allerdings zeigt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,9 für 2011, dass die Aktie in Bezug auf die erwarteten Gewinne schon ambitioniert bewertet ist.
Bild vergrößern
Finnischer Renditebringer
Gleiches gilt für den Andritz-Konkurrenten Metso. Die Finnen erzielen ebenfalls rund ein Drittel ihrer Umsätze mit Papiermühlen. Das Hauptgeschäft machen sie mit Minenausrüstung – wo das Geschäft angesichts steigender Rohstoffpreise ebenfalls brummt. Wie die Andritz-Aktie hat sich auch Metso kräftig verteuert und kletterte allein auf Jahressicht von 25 auf 40 Euro. Das ist zwar nicht mehr günstig, aber die Dividendenrendite von vier Prozent und die gute Marktposition im Minensektor machen Metso für längerfristig orientierte Investoren interessant.
Auch die reinrassigen Papierhersteller bieten attraktive Dividenden. So sacken Anleger beim weltgrößten Papierkonzern International Paper (IP) beim Kurs von 19 Euro eine Rendite von 2,8 Prozent ein. Und diese Dividende liegt dem IP-Chef John Faraci am Herzen: „Unsere höchste Priorität liegt nicht im Wachstum, sondern in einem nachhaltigen und sich verbessernden Cashflow.“ Und aus diesem Kapitalfluss speist das Unternehmen seine Dividende.
Die Dividendenzahlungen des Giganten aus Memphis im US-Bundesstaat Tennessee spiegeln die konjunkturellen Schwankungen, denen die ganze Papierbranche ausgesetzt ist, exakt wider. Vor allem für die US-Konjunktur ist die IP-Dividende ein verlässlicher Indikator – rund 80 Prozent der Umsätze erzielt das Unternehmen in den USA. Bevor die Schockwellen der Finanzkrise die dortige Wirtschaft trafen, bekamen die Aktionäre pro Quartal 0,25 Dollar Dividende. Im Zuge der Finanzkrise gab es nur noch 0,025 Dollar. Mittlerweile schüttet IP alle drei Monate wieder fast 19 US-Cent aus. Geht es wieder rauf auf das Vorkrisenniveau, läge die Dividendenrendite bei 3,8 Prozent.
Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Zumindest die Papierpreise haben das Vorkrisenniveau bereits wieder erreicht. Das sorgt bei den Herstellern für steigende Margen: So hat der südafrikanische Papierkonzern Sappi erst im Februar die Preise angehoben – und denkt schon an die nächste Preiserhöhung. Nach zwei Jahren ohne Dividende glauben Analysten nach Angaben des Branchendienstes Bloomberg, dass Sappi 2011 seinen Aktionären wieder etwas ausschüttet. Gerade erst hat die australische Investmentbank Macquarie ihre Einschätzung für die Aktie von zuvor neutral auf hervorragend angehoben.
Nicht von Pappe
Die großen europäischen Papierunternehmen sitzen vorwiegend in Skandinavien: Stora Enso in Finnland, Svenska Cellulosa (SCA) und Holmen in Schweden. Die Aktien der Unternehmen sind allesamt recht günstig und sollten von den steigenden Papierpreisen profitieren. Besonders interessant ist die Holmen-Aktie, weil das Unternehmen aus Stockholm über eine Million Hektar Wald besitzt. So kann es einen Teil der eigenen Holznachfrage selbst befriedigen und ist damit gegen steigende Holzpreise recht immun. Zudem hat die Firma geringere Schulden als die Konkurrenz.
Der Haken: Holmen konzentriert sich stark auf Europa, die wachstumsstärkeren Schwellenländer spielen keine Rolle. Die nordischen Wettbewerber setzen dagegen verstärkt auf die Boomregionen, beispielsweise in Asien und Lateinamerika.
Matthias Fischer
Bildquellen: Pixelio