06.05.2013 15:00
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Amazon.com: Der Bezos-Faktor

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Amazon.com: Der Bezos-Faktor
Internet-Kommerz
Unbeirrt setzt Konzernchef Jeff Bezos auf Wachstum und niedrige Preise zulasten des Gewinns. Was Kunden freut, macht Anleger nervös.
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von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Zeit für ein Manifest. Unbeeindruckt von den Erwartungen vieler Anleger und Analysten hält Jeff Bezos an seiner Strategie fest: Hohe Investitionen und niedrige Preise sollen das Wachstum von Amazon beschleunigen, auch wenn das die Gewinnmargen drückt. Vor der Hauptversammlung am 23. Mai will der Gründer des Onlineversandhauses die Anteils­eigner nun mit einem Brief für seine Linie gewinnen: „Für Amazon ist im Web immer noch Tag 1“, trommelt der Visionär.

Bezos’ Credo: Kundenzufriedenheit durch perfekten Service und niedrige Preise zahlen sich im Web durch hohe Bargeldzuflüsse langfristig auch für die Aktionäre aus. Tatsächlich ist das Potenzial des ­E-Commerce noch gewaltig: Bis Ende 2016 soll der Internetanteil am globalen Einzelhandel von 6,5 auf 9,3 Prozent steigen und dann mehr als 1.000 Milliarden Dollar Volumen erreichen.

Zum Vergleich: Amazon als größter Handelskonzern im Web schaffte im vergangenen Jahr 61 Milliarden Dollar Umsatz. Um das aktuelle Umsatzniveau vom weltweit größten Einzelhändler, Walmart, mit knapp 470 Milliarden Dollar zu erreichen, müsste der Webriese bis 2023 pro Jahr allerdings um mindestens 23 Prozent zulegen.

Dass die Gewinnmarge vor Steuern 2012 bei gerade mal etwas mehr als einem Prozent lag und sie 2013 voraussichtlich knapp zwei Prozent erreichen soll, nährt unterdessen Zweifel an Bezos’ Niedrigmargenstrategie. Der althergebrachte statio­näre Einzelhändler Walmart schafft schließlich knapp sechs Prozent Rendite.

Anders als Amazon setzt beispielsweise der Techkonzern Apple auf maximale Rendite. Dennoch konnte das Apfel-Papier selbst in der Glanzzeit seit der Rückkehr von Firmengründer Steve Jobs im August 1997 nicht mit dem des Onlinehändlers mithalten: Apple brachte es seitdem im Schnitt auf 33, Amazon auf 35 Prozent Kursentwicklung pro Jahr. Das Vertrauen der Investoren in Bezos ist daher nach wie vor groß.

Ein wesentlicher Grund für den Bezos-Faktor: Amazon hat mit seiner globalen Logistik- und IT-Infrastruktur einen Standard geschaffen, den die Konkurrenz bisher nicht erreicht hat. Die Kundenzufriedenheit ist extrem hoch.

Allerdings steigt der Druck auf den Marktführer. In den USA ist ein Gesetz auf dem Weg, das erstmals eine landesweite Besteuerung von Onlineumsätzen vorsieht. Langfristig muss sich Amazon im Heimatmarkt somit auf höhere Abgaben einstellen.

Wachstum wird teurer
Auch die Konkurrenz im Web wird stärker, was das Geschäft des in ­Seattle beheimateten Riesen deutlicher bremst als erwartet. Im ersten Quartal schaffte Amazon 22 Prozent Umsatzplus, im vergangenen Jahr wa­ren es noch 36 Prozent — der vierte Wachstumsrückgang in Folge.

Zudem schrumpfte der im Vergleich zu den 16 Milliarden Dollar Umsatz ohnehin schon magere Nettogewinn um fast 40 Prozent. Gerade mal 82 Millionen Dollar netto verdiente das Unternehmen. Amazon investiert nach wie vor kräftig.
Im jüngsten Quartal erreichte der Konzern bei der Profitabilität überraschenderweise dennoch das höchste Niveau der vergangenen zehn Jahre. Hoffnungen auf nachhaltig höhere Margen sind aber verfrüht. „Amazon muss auch künftig einen erheblichen Teil seiner Marge opfern, um das Wachstum hochzuhalten“, sagt UBS-Analyst Eric Sheridan.

Bezos’ Weg ist also teuer. So muss der Firmenchef in China viel Geld in die Hand nehmen, um gegen die starke lokale Konkurrenz zu bestehen. Zudem investiert Amazon kräftig in den Verleih und das Streaming von Filmen, also die Übertragung von Videos via Internet in die Wohnzimmer der Kunden. In den USA will der Webriese zudem eine Apple-TV-ähnliche Box auf den Markt bringen und mit eigenen Filmproduktionen gegen TV-Spezialisten wie Netflix oder Time Warners HBO antreten.

Die bescheidenen Fortschritte bei der Profitabilität zeigen indes: Die Weiterentwicklung des Einzelhändlers zu einem Internetkonzern, der sich mit Hardwareprodukten wie dem Lesegerät Kindle und entsprechenden Inhalten ein Apple-ähnliches Ökosystem aufbaut, zahlt sich aus. Die Gebühren der Händler, die Amazons Plattform nutzen, tragen zu den höheren Margen ebenso bei wie die Dienste, die Amazon Firmenkunden anbietet. So können Unternehmen etwa Computerleistung mieten. Es geht aufwärts mit der Marge — doch das Tempo ist gering. Bezos dürfte es schwer haben, die Aktionäre dafür zu begeistern.

Investor-Info

Amazon.com
Zertifikat statt Aktie

Trotz der jüngsten Gewinnmitnahmen dürfte das dreistellige KGV die Kursfantasie nachhaltig bremsen. Wir rechnen eher mit einer Seitwärtsbewegung. Neueinsteigern empfehlen wir das Bonuszertifikat der RBS (ISIN: DE 000 AA7 KB7 8). Die maximale jährliche Rendite des Papiers mit Laufzeit bis zum 19. März 2014 liegt aktuell bei rund 16 Prozent.

Ebay
Gewinntreiber PayPal

Drei Milliarden Dollar hat Ebay-Chef John Donahoe in drei Jahren für den Kauf von mehr als 20 Technologiefirmen ausgegeben. Den rentabelsten Zukauf machte Ebay mit dem Bezahldienst PayPal, der ­Motor des Gewinnwachstums. Der Zahlkumpel soll sich künftig auch außerhalb des Webs als Alternative zu Visa und Co breitmachen. Hier winkt ein zusätzlicher Milliardenmarkt. Top-Internetaktie.

Bildquellen: Amazon, Lichtmeister / Shutterstock.com

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