Nachdem die außerordentliche Hauptversammlung am 22. Dezember 2011 grünes Licht gegeben hat, steht der Akquisition nichts mehr im Wege. Mit diesem Deal steigt
Bob Mobile über Nacht zu einem international bedeutenden Anbieter von Online- und Mobile-Games mit einem Umsatz von über 95 Millionen Euro auf. Trotz der höheren Aktienzahl soll das Ergebnis je Aktie im laufenden Jahr auf 1,95 Euro steigen.
Im Interview sagt Bob-Mobile-Vorstand Remco Westermann, bis wann die Integration abgeschlossen sein wird, welche Kosteneinsparungen realistisch sind und warum er zukünftig verstärkt auf Mobile-Games setzen will.
Glückwunsch Herr Westermann, auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 22. Dezember erhielten alle Tagesordnungspunkte 99,99% Zustimmung. Auch Widerspruch wurde nicht zu Protokoll gegeben. Kann die Übernahme der Cliq B.V. nun zeitnah umgesetzt werden oder gibt es weitere Hürden, die Sie noch überwinden müssen?
Remco Westermann: Wir freuen uns über die sehr hohe Zustimmungsrate. Aufgrund der substantiellen Größe der Übernahme gibt es auch nach der Zustimmung der Hauptversammlung noch viele administrative Prozesse und Formalien, die erledigt werden müssen. Da aber keine großen Hürden mehr bestehen, sind wir aktuell schon dabei, die Integration vorzubereiten. Wir rechnen damit, dass spätestens Ende Februar die Übernahme vollständig vollzogen ist und wir als ein Unternehmen agieren können.
Durch die Cliq-Übernahme steigt die Bob-Mobile-Gruppe zu einem führenden Anbieter von Online- und Mobile-Games mit einem Jahresumsatz von über 95 Millionen Euro auf. Welche Synergieeffekte erwarten Sie aus der Integration der Cliq B.V.?
Je mehr wir uns damit beschäftigen, desto größer erscheinen uns die Synergiepotenziale. Aufgrund einiger operativer Überschneidungen gehen wir davon aus, dass wir auf der Kostenseite zukünftig mindestens eine Million Euro pro Jahr einsparen können. Am wichtigsten sind uns aber nicht die Kosteneinsparungen, sondern die Synergien bei der Vermarktung, sowohl bei den Produktportfolien als auch bei den Länderportfolien. Wir können unsere Produkte jetzt z. B. in mehr als 40 Ländern anbieten. Zusätzlich erwarten wir Synergien beim Medieneinkauf, was zu einer höheren Vermarktungseffizienz führen wird.
Zusammen mit Cliq haben Sie mehr als neun Millionen Kunden. Welche Rolle spielt die Größe bei Ihrer zukünftigen Vermarktungsstrategie?

Bob-Mobile-Vorstand Remco Westermann
Durch unsere insgesamt größere kritische Masse wird es nun auch interessant, den spürbar ausgeweiteten Kundenstamm zusätzlich über Werbung zu monetarisieren; wir prüfen derzeit diverse Optionen, um diese zusätzlichen Potenziale über einen neu zu schaffenden Geschäftsbereich zu erschließen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass wir durch unsere neue Größe und Marktabdeckung interessanter geworden sind als Vermarkter und Distributor von Produkten mit Fokus auf Mobile-Spiele. Dies öffnet uns viele Türen, die uns bisher noch verschlossen waren. Immer mehr Produktentwickler wollen mit uns zusammenarbeiten, wodurch unser Produktportfolio in Zukunft weiter gestärkt wird.
Für das gerade angelaufene Geschäftsjahr 2012 stellen Sie ein Ergebnis je Aktie von 1,95 Euro in Aussicht. Auf Basis der erhöhten Aktienzahl von 3,95 Mio. Stück entspricht dies einem Nettogewinn von 7,7 Millionen Euro. Haben Sie sich mit dieser Prognose nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt?
Bei einem Unternehmen, das so schnell wächst wie die Bob Mobile AG, ist eine konkrete Prognose nicht ganz einfach. Für 2012 haben wir deshalb für eine konservative Herangehensweise gewählt. Wir haben die Kennzahlen von Bob Mobile und Cliq aus dem Geschäftsjahr 2011 konsolidiert - und dies obwohl beide Unternehmen auch 2012 weiter wachsen werden. Hinzu kommen dann noch die angesprochenen Kostensynergien. Wir fühlen uns also äußerst wohl mit diesem Ausblick und gehen davon aus, dass wir in den Folgejahren noch deutlich höhere Ergebnisse erzielen können.
Wird das laufende Geschäftsjahr ganz im Zeichen der Cliq-Integration stehen oder werden Sie Ihre Akquisitionsstrategie 2012 fortsetzen?
Nach unseren Planungen werden wir die Integration von Cliq bis zur Jahresmitte abschließen. Nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung, die das Cliq-Management mit Integrationen hat, halten wir dies für realistisch. Parallel sind wir nach wie vor dabei, den Markt zu sondieren. Wir interessieren uns insbesondere für Unternehmen, die unser Länderportfolio bzw. unsere Kernkompetenzen weiter stärken, insbesondere im Mobile-Bereich. Da wir organisch schnell und profitabel wachsen, sind wir aber nicht zwingend auf weitere Akquisitionen angewiesen. Wenn wir aber eine gute Möglichkeit sehen, werden wir aktiv.
Kommen wir kurz auf das Jahr 2011 zu sprechen. Wie zufrieden sind Sie dem operativen Verlauf im abgelaufenen Geschäftsjahr?
Das Geschäftsjahr 2011 war für Cliq ein sehr gutes Jahr mit überdurchschnittlichem Wachstum. Auch Bob Mobile hat ein gutes Jahr hinter sich, wobei der Aufbau und das Wachstum unserer Spieletochter Just A Game aber mehr Zeit und Geld gekostet haben, als ursprünglich erwartet. Das Positive ist aber, dass sich Just A Game inzwischen mit über drei Millionen registrierten Online-Spielern als feste Größe im Markt etabliert hat. Die Entwicklung zeigt zudem, dass der Online-Spielebereich kein Selbstläufer ist und entsprechende Zutrittsbarrieren hat. Zusätzlich wird unser Ergebnis im Geschäftsjahr 2011 durch die Kosten des Zusammenschlusses belastet, die unter anderem auf die ausführliche Due-Diligence-Prüfung zurückzuführen sind. Für 2012 ist das Gesamtunternehmen sehr gut aufgestellt. Wir erwarten, dass selbst die Integration im ersten Halbjahr nicht zu Lasten unseres Wachstums geht.
US-Konkurrent Zynga, der im Dezember sein Börsendebüt feierte, verdankt seinen Erfolg den Social Games, die ein breites Publikum ansprechen. Wann startet Bob Mobile sein erstes Social Game?
Jedes unsere Online-Spiele ist eigentlich ein Social Game; alle Spiele sind Multiplayer Games und verfügen über eine Kommunikationsplattform, wie zum Beispiel ein Forum. Gerade das Spielen miteinander sowie gegeneinander macht unsere Spiele beliebt. Fakt ist aber auch, dass unsere jetzigen Massive Multiplayer Online Games (MMOG) eher für erfahrene Gamer und weniger für Spiele-Anfänger konzipiert wurden. Im Gegenzug sind bei MMOGs die Umsätze je Spieler höher als bei klassischen Social Games, die eine sehr niedrige Einstiegshürde aufweisen. Aber auch wir werden unser Angebot mit „einfacheren“ Social Games, bei denen die soziale Komponente noch stärker im Vordergrund steht, abrunden. Im Mobile-Bereich sind die ersten Social Games bereits gelauncht, im Online-Bereich werden Launches vorbereitet. Allerdings werden wir mit diesen Spielen erst dann live gehen, wenn auch unsere hohen Qualitätsansprüche erfüllt werden.
Die virtuelle Welt der Games verlagert sich zunehmend auf iPads, Smartphones und andere mobile Endgeräte. Wie reagieren Sie auf diese Entwicklung?
2012 werden wir unser gesamtes Spiele-Angebot zügig ausbauen und dabei neben Online-Spielen auch verstärkt auf Mobile-Spiele setzen. Im mobilen Bereich sind schon über 30 Prozent unserer Kunden „Spiele-Kunden“. Wir haben schon jetzt ein umfangreiches Portfolio an Spielen für das iPhone, die Android-Plattform sowie die diversen anderen Smartphones. Wir sind aber dabei, unser Mobile-Spiele-Portfolio weiter auszubauen, sowohl im Bereich Mobile-Download-Spiele wie auch im Bereich Mobile-Multiplayer-Games. Insbesondere im mobilen Bereich werden wir unseren Fokus auf Spiele vorantreiben. Gemeinsam mit Cliq sind wir inzwischen in über 40 Ländern aktiv und haben schon einen großen Kundenstamm mit mehreren Millionen Kunden. Ein gutes Angebot für Tablet-PCs gehört selbstverständlich auch dazu.
Sie mit Vivid Games einen Distributionsvertrag für das Mobile Game ‚Ski Jumping 2012‘ geschlossen. Welche Umsatz- und Ergebnisbeiträge erwarten Sie von diesem Game?
Remco Westermann: Für einzelne Spiele geben wir bewusst keine Planzahlen heraus. Wenn ein Spiel wider Erwarten nicht laufen sollte, ersetzen wir es durch ein besseres. Da wir selbst bestimmen, welche Produkte wir bewerben, können wir unseren Umsatz so besser steuern. Über die Zusammenarbeit mit Vivid Games sind wir sehr froh, da sie beweist, dass wir ein attraktiver Partner sind für Unternehmen, die schon erfolgreiche Apps gelauncht haben. Anderseits zeigt dieses Beispiel auch, über welches Wachstumspotenzial wir noch verfügen. Die Vorgängerversion „Ski Jumping 2011“ hat mehr als eine Million Downloads erreicht, mit „Ski Jumping 12“ wollen wir dieses Ergebnis noch übertreffen. Wir vermarkten „Ski Jumping 12“ in mehr als 15 Ländern, wobei das Spiel in Deutschland und fünf weiteren Ländern bereits die Nummer 1 in der Kategorie Sportspiele ist.
Die Investitionen in den Spielesektor hatten 2011 Vorrang gegenüber einer Dividendenzahlung. Sind mit der Cliq-Übernahme nun auch die Voraussetzungen für eine Wiederaufnahme der Dividendenzahlung gegeben oder müssen sich Ihre Aktionäre noch gedulden?
Wir haben immer gesagt, dass eine Wachstumsfirma wie Bob Mobile, die Wachstum und Profitabilität kombiniert, auch Dividenden zahlen kann, wenn sich die Profitabilität positiv entwickelt. Entsprechend planen wir 2012 wieder eine Dividende zu zahlen.
In den letzten Wochen hat die Bob-Mobile-Aktie zu alter Stärke zurückgefunden. Die Cliq-Übernahme ist bei Investoren auf positive Resonanz gestoßen. Dennoch ist die Bewertung mit einem 2012er-KGV von unter 9 noch moderat. Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?
Wir freuen uns, dass sich unsere Aktie trotz schwierigem Börsenumfeld positiv entwickelt hat und unsere Aktionäre den Zusammenschluss würdigen. Da Bob Mobile bisher noch nicht gemeinsam mit Cliq als ein Unternehmen nach außen aufgetreten ist und der erwartete Umsatz- und Gewinnsprung einer Erläuterung bedarf, denken wir, dass ein Großteil des Potenzials noch nicht eingepreist ist. Insbesondere im Vergleich mit anderen Gaming-Unternehmen ist unser KGV noch sehr niedrig. Wir gehen davon aus, dass unsere Entwicklung und unsere Zahlen in den nächsten Monaten noch einige Investoren überzeugen werden und erwarten neben Umsatz- und Renditesteigerungen auch eine positive Entwicklung des Börsenkurses. Es gibt nicht viele börsennotierte Unternehmen, die so gut aufgestellt sind wie wir, um vom starken Wachstum im Spielesektor profitieren zu können.
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