27.02.2013 17:22
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CANCOM: Nachfrage nach komplexen IT-Lösungen hält an

Interview
Der CANCOM-Unternehmensgründer und CEO Klaus Weinmann erläutert, welche Pläne er für das noch junge Jahr 2013 hat.
Noch hat es der Kurs der CANCOM-Aktie nicht geschafft, den markanten Widerstand von 15 Euro zu überschreiten, obwohl es dem deutschen IT-Systemhaus und Cloud-Architekten gelungen ist, in fünfjähriger ununterbrochener Folge den Umsatz zu steigern, wie auch die Ertragskennziffern zu erhöhen. Gründer und CEO Klaus Weinmann verrät im Interview, ob er mit den aktuellen Analystenschätzungen einhergehen kann, die ihm dieses Jahr nochmals merkliche Umsatz- und Ergebnissteigerungen zutrauen.

Herr Weinmann, obwohl Ihre Meldung über die vorläufigen Zahlen 2012 kurz und knapp gehalten war, hat der Kurs die richtige Richtung nach Norden eingeschlagen. Wie zufrieden sind Sie selbst mit der EBITDA-Marge von 5,1 Prozent, die doch manchen Analysten überrascht hat?
Klaus Weinmann: Die Steigerung unserer EBITDA-Marge von 4,6 % in 2011 auf nun 5,1 % in 2012 zeigt uns, dass wir mit unserer Strategie auf dem richtigen Weg sind. Das heißt, wir konzentrieren uns zum einen auf das margenstarke High End Dienstleistungs- und Lösungsgeschäft, in dem wir zum Beispiel mit unserem Cloud Portfolio bestens aufgestellt sind. Zum anderen optimieren wir unser E-Commerce Business im Bereich der E-Supply Chain, bei der es sich um IT unterstütztes Einkaufs- und Bestellprozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Unternehmen geht.

Das höhere Ertragsniveau ist ganz offensichtlich der Beweis dafür, dass Ihre Kunden komplexere IT-Solutions nachfragen. Können Sie uns dafür bitte ein Beispiel geben?
Der Bedarf nach kostensparenden IT-Lösungen und Services, die die Geschäftsprozesse im Unternehmen optimal unterstützen und die Produktivität nachhaltig steigern, ist nach wie vor groß. Zusätzlich rückt die bessere Ausrichtung der IT an den Bedürfnissen der Fachabteilungen und schließlich der Benutzer stärker in den Vordergrund. Die IT wird damit zum Business Enabler und schließlich zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor für Unternehmen, wenn auch die Komplexität weiter zunimmt. Aber genau da kommen Lösungsanbieter wie wir ins Spiel. Beim Langenscheidt Verlag zum Beispiel wird von der IT maximale Flexibilität benötigt, um jederzeit und von unterschiedlichen Endgeräten auf den zentralen Datenbestand mit dem gesamten Langenscheidt-Wortschatz zugreifen zu können. Wir haben dem Kunden dafür eine neue Plattform auf Basis der CANCOM AHP Private Cloud Lösung geschaffen, die Infrastruktur als Service zur Verfügung stellt und eine flexiblen Zugriff zu Anwendungen ermöglicht.

Inwieweit spielt die von CANCOM entwickelte CANCOM AHP Private Cloud eine wesentliche Rolle bei der Ertragsverbesserung?
Unser Kunde kann grundsätzlich wählen, ob er seine Private Cloud selbst managed oder den IT-Betrieb ganz oder teilweise an uns übergibt. Im Fall von letzterem profitieren sowohl der Kunde als auch wir. Der Kunde erhöht seine Flexibilität indem er seine IT-Kosten variabilisiert, und wir als IT-Dienstleister bieten die entsprechenden, hochwertigen Managed Services an.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal bei der CANCOM AHP Private Cloud Lösung?
Grundsätzlich beraten und begleiten wir die Unternehmen ganzheitlich bei der Transformation hin zur Cloud. Um diesen Weg planbar und kalkulierbar zu machen, haben wir mit der CANCOM AHP Private Cloud eine komplette Private Desktop Cloud Architektur entwickelt, die dem Kunden schnell, sicher und schlüsselfertig zur Verfügung gestellt wird.

Wie groß ist der Cloud Anteil mittlerweile am Konzernumsatz und Ergebnis?
Wenn wir nur das „echte“ Cloud Business annehmen, also das Geschäft mit unserer CANCOM AHP Private Cloud und Managed Services bzw. Hosting Kunden, erzielten wir in 2012 rund 10 Mio. Euro Umsatz bei rund 3 Mio. Euro EBITDA. Der „cloud-related“ Anteil dürfte deutlich höher liegen, ist aber von der Definition her nicht genau abgrenzbar.

CANCOM hat einige interessante Kunden gewinnen können. Bis wann glauben Sie, benötigt CANCOM noch, um die von Ihnen angestrebte Ergebnissteigerung von 10 Mio. Euro pro Jahr aus Cloud-Implementierungen erreichen zu können?
Unsere Projektpipeline ist gut gefüllt, so dass wir weiterhin an unserem Ziel festhalten, 100 Kundenimplementierungen für unsere CANCOM AHP Private Cloud bis 2015 abgeschlossen zu haben.

Kommen wir zu den Kosten: Durch die Umstellung auf ein neues Company-Logo sind im Q4 zusätzliche Kosten angefallen. Welche außerordentlichen Aufwendungen haben Sie hier verkraften müssen?


CANCOM-Unternehmensgründer und CEO Klaus Weinmann
Für den Relaunch unseres neuen Corporate Designs und die Umstellung sämtlicher Kommunikationsmittel und –medien sowie der Geschäftsausstattung usw. haben wir rund eine halbe Mio. Euro veranschlagt, wovon ein Teil bereits im vierten Quartal angefallen ist. Um uns noch deutlicher als High-End-Lösungs- und Managed Services-Anbieter aufzustellen, werden wir jedoch auch in den kommenden Quartalen Investitionen vornehmen, die vorübergehend unsere Ertragskraft etwas schwächen werden. Wir sind nicht bestrebt, kurzfristig den Gewinn maximal zu optimieren, sondern wir wollen den Paradigmenwechsel der IT hin zu Cloud Lösungen dazu nutzen, um uns für die nächsten Jahre so aufzustellen, dass wir das qualitativ beste IT-Systemhaus Deutschlands sind.

Es gibt eine Reihe von Beispielen, wo internationale PC-Hersteller ihre Fertigungen in Deutschland reduzieren. Dies lässt auf eine deutlich reduzierte Nachfrage schließen. Inwieweit sind Sie davon betroffen?
PC-Fertigung in Deutschland hat keine Zukunft. Apple, HP und Lenovo haben unseres Erachtens aktuell die beste Ausgangslage. Der rückläufige PC-Absatz wird 2013 oder 2014 seinen Tiefpunkt erreichen und dann wieder zu einem stückzahlmäßigen Wachstum übergehen.

Wie hat das neue Jahr angefangen?
Wir sind mit der aktuellen Entwicklung zufrieden. Da Ostern dieses Jahr jedoch ins Q1 fällt, wird man eine gute Abschätzung für 2013 erst nach Abschluss des ersten Halbjahres machen können.

Konnte CANCOM in den letzten Monaten irgendwelche Großaufträge verbuchen, die unter „Business as usual“ eingebucht worden sind?
Wir haben vor allem wichtige Projekte im Cloud Umfeld gewonnen und bauen damit unser Geschäft im Bereich IT-Transformation und Cloud Services bzw. Outsourcing weiter aus. Da diese Projekte für unsere Kunden oft sehr wichtig und systemkritisch sind, wahren wir die Vertraulichkeit und sprechen nicht öffentlich darüber.

Wann wird die Eintragung zur Europäischen Aktiengesellschaft ins Handelsregister vorgenommen und welche Kostenersparnis erwarten Sie sich aus dieser Maßnahme?
Die Eintragung wird voraussichtlich Anfang März erfolgen. Kostenersparnisse erwarten wir daraus keine, die Gründe für den Rechtsformwechsel waren ja auch anderer Natur. Unser Ziel ist vor allem, den Zugang zu internationalen Kapitalmärkten zu verbessern und uns die Möglichkeit eröffnen, das Thema Internationalisierung voranzutreiben.

Hauck & Aufhäuser schätzt für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 558 Mio. auf 591 Mio. Euro und eine Steigerung im EBITDA von 28,3 Mio. auf 30,6 Mio. Euro. Glauben Sie, dass diese Schätzungen realistisch sein können?
Um das Gesamtjahr 2013 beim Umsatz und Ergebnis realistisch schätzen zu können, ist es noch etwas früh. Ein organisches Wachstum von 5% streben wir an, Akquisitionen beschleunigen ggf. zusätzlich unser Wachstum. Wichtiger als die Wachstumsgeschwindigkeit ist uns jedoch die Stärkung der nachhaltigen Ertragskraft und die Ausrichtung auf die Zukunftstrends der IT. Sinkenden Hardwarekosten steht eine steigende Komplexität entgegen, die uns den Verkauf von höherwertigen und höhermargigen Services ermöglicht, entsprechend ist für uns die qualitative Weiterentwicklung des Geschäftes wichtiger als ein schnelles top line Wachstum

Für wie realistisch halten Sie das von Hauck & Aufhäuser aufgerufene faire Kursziel von 22,50 Euro (17 Euro)?
Im Rahmen der SE Umwandlung wurden die Vorstandsmandate von mir und meinem Kollegen erneuert und laufen nun bis Ende 2017. Wir stehen dafür ein, in einem absehbaren, aber nicht kurzen Zeitraum, unsere Vision von einer Mrd. Euro Umsatz und 50 Mio. Euro EBITDA zu erreichen. Wenn der Kurs dann nicht ein Allzeithoch erreicht, wäre ich enttäuscht. Wir fahren hierbei jedoch einen langfristigen Ansatz. Unsere wichtigsten Aktionäre erwarten 10% Return on Investment pro Jahr durch Dividende und Kurssteigerung, wir sind entsprechend kein Wert für kurzfristig orientierte Anleger.

Haftungsausschluss/Disclaimer: Das aktuelle Interview dient ausschließlich zu Informationszwecken. Die Meinungen und Aussagen der Interviewpartner spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder, sondern ausschließlich diejenige des Interviewpartners. Das Interview ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Für Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird keinerlei Haftung übernommen.

Bildquellen: Cancom
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