Noch im Jahr 2009 hat der Kölner Außenhandelsfinanzierer in diesem Marktsegment bei den deutschen Banken das Tempo vorgegeben. Auch die Zahlen zum 1. Quartal 2011 bestätigten, dass der Trend wieder nach oben zeigt. Bei einem Forfaitierungsvolumen von 195 Mio. Euro wurde eine Steigerung von 18% im Vergleich zum 4. Quartal 2010 erreicht. Doch all dies genügt nicht, um den Kursverfall zu stoppen. Finanzen.net fragte Marina Attawar, zuständig im Vorstand für den Vertrieb, ob der Kursverfall der Aktie mit der fundamentalen Entwicklung einhergehe.
Finanzen.net: Frau Attawar, sind Sie durch den Kursverfall noch mehr motiviert als früher, oder schlägt Ihnen die Tatsache des signifikanten Rückgangs „auf den Magen“?
Ich lasse mich durch temporäre Marktineffizienzen nicht verwirren, sondern setze mich täglich bei jedem Geschäft dafür ein, dass wir für unsere Aktionäre ordentliche Renditen erzielen. Insofern bin ich sehr zuversichtlich, dass der Kurs bald wieder Boden findet und sich unserer guten fundamentalen Entwicklung anschließt.
Waren Sie denn mit dem Q2 zufrieden?
Die Zahlen liegen verständlicherweise wenige Tage nach Quartalsende noch nicht vor, aber von der Tendenz her kann ich Ihnen sagen, dass das Geschäft nach einem ruhigeren Verlauf im April in den letzten Wochen wieder deutlich angezogen hat. Insgesamt sind wir gut positioniert.
Was war im ersten Halbjahr das ertragreichste Geschäft?
Der Ertrag hängt immer auch mit dem zugrunde liegenden Risiko zusammen, von daher ist es nicht so einfach das ertragreichste oder beste Geschäft im ersten Halbjahr zu definieren. Sehr zufrieden waren wir aber zum Beispiel mit der Finanzierung einer konkreten Infrastrukturmaßnahme in Osteuropa mit einem Volumen von etwa 30 Mio. EUR..
Und welche Abwicklung hat Ihnen persönlich am meisten Spaß gemacht?
Genau die eben beschriebene. Es war eines dieser typischen Forfaitierungsgeschäfte, die wir nur durch unsere Flexibilität, Schnelligkeit und Kontakte darstellen konnten, so dass wir die Konkurrenz hinter uns lassen konnten.
Was hat sich an der Marktsituation verändert im Vergleich zur Jahresmitte 2010?
Insgesamt ist der Forfaitieungsmarkt zur Normalität zurückgekehrt. Auf der Ankaufseite sind wieder mehr Marktteilnehmer auf den Markt zurückgekehrt, was den Druck auf die Margen erhöht. Auf der Platzierungsseite hat der Risikoappetit zugenommen und es sind auch wieder Geschäfte mit einer längeren Laufzeit platzierbar.
Wie groß ist Ihr Exposure in Griechenland und welche Auswirkung hat Griechenland auf ihr Geschäft?
Anfang des Jahres hatten wir einmal ein kleines Geschäft von unter EUR 0,5 Mio. im Portfolio. Aktuell haben wir kein Exposure in Griechenland. Während wir früher kein Griechenland Geschäft gesehen haben, nehmen die Anfragen durch die aktuelle Krise zu. Generell steigt durch Krisen das Bedürfnis nach Absicherung und damit auch die Nachfrage nach Forfaitierung.
Welche Maßnahmen haben Sie in den letzten anderthalb Jahren ergriffen, um Ihren Vertrieb zu stärken?
Unser internationales Netzwerk wurde durch das Büro in Ghana erweitert. Darüber hinaus haben wir für den italienischen Markt gerade einen exklusiven Vertriebspartner gewonnen, der uns zusätzliches Geschäftsvolumen bringt. So erreichen wir im Vertrieb eine größere Diversifizierung und reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Märkten.
Sehr positiv auf das Geschäft hat sich auch der Aufbau des Sekundärmarkt Team ausgewirkt, das sich ausschließlich um die Betreuung des für die Platzierung wichtigen Investorennetzwerkes kümmert. Schließlich haben wir unsere Vertriebssteuerung und das intensiviert sowie personelle Anpassungen vorgenommen.
Warburg Research traut Ihnen für 2011 ein Forfaitierungsvolumen von 710 Mio. Euro (650 Mio. Euro) zu, was eine Steigerung von mehr als 9% bedeuten würde. Was sagen Sie zu dieser Analystenschätzung?
Ja, wir haben ja selber immer gesagt, dass wir das Forfaitierungsvolumen des Vorjahres deutlich steigern möchten. Aufgrund des bisherigen Geschäftsverlauf in diesem Jahr bin ich sehr zuversichtlich das wir unser Vorjahresvolumen übertreffen werden und die Analystenschätzung nicht zu optimistisch ist.
Auch die Vorsteuermarge soll auf 0,6% (0,4%) ansteigen, was mit einem Ergebnis je Aktie von zirka 43 Cent gleichkommen würde. Sind dies Ihrer Meinung nach realistische Ergebniszahlen?
Unser Ziel ist es, das Ergebnis des Vorjahres von EUR 2,1 Mio. zu steigern. Bisher sind wir bei der Erreichung dieses Ziels gut vorangekommen, Eine konkrete Aussage zur Ergebnisprognose für dieses Jahr kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht geben.
Was werden Sie tun, um den Kursverfall zu stoppen?
Auch wenn das langweilig klingt, werde ich vorrangig daran arbeiten unser operatives Ergebnis zu verbessern. Dies ist meiner Meinung nach die wirkliche Basis für einen guten Kurs, alles andere sind nach unserer Erfahrung vorübergehende Effekte. Ich bin davon überzeugt, dass unser Kurs wieder deutlich zulegen wird, wenn wir die im ersten Quartal erreichte Trendwende beim Ergebnis bestätigen.
Werden Sie auch künftig die günstige Kurssituation nutzen, um Ihre eigene Aktienposition aufzustocken?
Ich halte mit 6,4 % einen bedeutenden Anteil am Unternehmen und habe mich auch während des Börsengangs im Jahr 2007 nicht von Anteilen getrennt, da ich vom Erfolg des Unternehmens überzeugt bin. Zu Aktienkäufen kann ich nichts sagen, aber ich kann Ihnen versichern, dass die DF Deutsche Forfait AG die wichtigste Investition in meinem Leben ist.
Frau Attawar, besten Dank für das Gespräch.