20.11.2012 16:00
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"Hat Audi noch Vorsprung durch Technik, Herr Stadler?"

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Es sieht so aus, als hätte sich der Konkurrenzkampf zwischen Audi, BMW und Mercedes in den vergangenen Jahren zugespitzt — auch über die Medien. Oder täuscht das?
Sicher ist der Wettbewerb härter geworden. Wir haben durch eine unglaubliche Aufholjagd in den vergangenen 15 Jahren den Rückstand zu BMW marginalisiert. Mercedes haben wir — gemessen am weltweiten Absatz — sogar überholt. Das hat zu einer deutlich größeren Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geführt. Unser Dreikampf scheint den Medien viele spannende Storys zu liefern.

Wäre es für den Automobilstandort Deutschland nicht besser, wenn Audi, BMW und Mercedes mehr zusammenarbeiten würden?
Ich bin überzeugt davon, dass der harte Wettbewerb gut für uns ist. Er treibt alle drei Premiummarken zu Höchstleistungen, die dazu führen, dass acht von zehn Premium-Automobilen weltweit aus Deutschland kommen. Damit halten wir vor allem unsere asiatischen Wettbewerber klar auf Distanz.

Wie verstehen Sie sich persönlich mit den Chefs von BMW und Mercedes?
Sehr gut. Natürlich kämpft jeder für sein Unternehmen, aber da geht es immer um die Sache. Wir treffen uns oft beim Verband der deutschen Automobilindustrie oder auf Messen. Dort begutachte ich mit meinem Team die Stände von BMW und Mercedes, genauso wie die Kollegen bei uns vorbeikommen. Wir fachsimpeln und tauschen uns aus.

Fahren Sie BMW- und Mercedes-Modelle zur Probe?
Selbstverständlich alle!

Der Wettbewerb wird auch über den Benzinverbrauch und Schadstoffausstoß ausgetragen. Wie entwickelt sich Audi hier?
Sehr gut. Wir haben nach neuesten Studien den geringsten Kohlendioxidausstoß aller Premiumhersteller. Unsere Flotte soll bis 2015 einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 120 Gramm pro Kilometer erreichen. Dafür arbeiten wir hart. Die Europäische Union könnte ihre Vorgabe vielleicht sogar irgendwann auf 95 Gramm für das Jahr 2020 verschärfen. Das wäre dann allerdings für alle Hersteller eine Herkulesaufgabe.

Was bedeuten diese Grammzahlen für den Benzinverbrauch?
Würden 95 Gramm CO2 als durchschnittlicher Maximalwert pro Fahrzeugflotte gefordert, müsste der Verbrauch aller Benziner auf knapp unter vier und bei einem Diesel auf 3,5 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer sinken. Wohlgemerkt im Durchschnitt! Nach heutigem Stand lässt sich ein solches Ziel nur in einem Mix mit überproportional vielen Elektroautos erreichen. Darin besteht für uns die Herausforderung.

Und wie gehen Sie diese an?
Indem wir die heutigen Verbrennungstechnologien Benzin und Diesel ausreizen, wo es nur geht. Indem wir die Hybridtechnik, also Verbrennungs- und Elektromotor, als Brückentechnologie zu Hilfe nehmen. Und indem wir die Batterietechnik weiterentwickeln. Zudem wird Audi spätestens 2014 Plug-in-Hybridmodelle — an Steckdosen aufladbare Hybridautos — im Angebot haben. Und last but not least werden wir den Leichtbau weiter forcieren, denn 100 Kilogramm Gewichtsreduktion im Auto bedeuten etwa 0,4 Liter weniger Verbrauch.

Wie hoch ist Ihr Investitionsbudget?
Rund 13 Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre. Der Großteil davon fließt in Technologie- und Produktinnovationen. Damit agieren wir auf drei Feldern: Wir müssen unser Wachstum finanzieren, wir müssen neue Antriebstechnologien auf die Straße bringen, und wir müssen die traditionellen Antriebe weiterentwickeln, weil sie noch eine ganze Weile die Basis unserer Mobilität bleiben.

Die Bundesregierung fordert für 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen. Das halten viele Autoexperten für unrealistisch. Sie auch?
Wir sollten langfristig sinnvolle Ziele nicht kurzfristigen Stimmungen opfern. Diese Zahl ist ein langfristiges Ziel, an dem sich alle Beteiligten orientieren. Aber es war immer klar, dass sie nicht leicht zu erreichen sein wird.

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