08.06.2013 07:00
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"Wir brauchen Vorstände und Aufsichtsräte aus der Industrie"

Klaus-Peter Müller
Interview Exklusiv
Der scheidende Chef der sogenannten Corporate-Governance-Kommission, Klaus-Peter Müller, warnt vor Know-how-Abfluss im Regierungsgremium für gute Unternehmensführung.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Corporate-Governance-Kommission liefert Regeln etwa zu Vorstandsgehältern oder zur Besetzung von Aufsichtsratsposten und ist in der deutschen Wirtschaft heftig umstritten. Kritiker bemängeln zu großen Politikeinfluss, BASF-Chef Kurt Bock hat gar deren Auflösung gefordert. Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller leitet die Kommission seit 2008.

Euro am Sonntag: Wie könnte die Arbeit der Kommission künftig verbessert werden?
Klaus-Peter Müller: Ein wichtiger Meilenstein war bereits die Einführung des Konsultationsverfahrens bei Kodexänderungen. Den Unternehmen und Experten die Möglichkeit zu geben, Kodexänderungsvorschläge nochmal kommentieren zu können, hat nicht nur der Erwartung der Vorstände, Aufsichtsräte und Juristen entsprochen, es hat auch die Arbeit der Kommission unterstützt.

Die in den letzten Monaten nicht nur Kritik einstecken musste, sondern auch einige prominente Abgänge zu verkraften hatte ...
Nachdem in den letzten Monaten einige Industrievertreter die Kommission verlassen haben, wäre es wichtig, dass wieder aktive Vorstände und Aufsichtsräte aus Industrieunternehmen nachrücken. Für die Arbeit der Kommission ist es wichtig, dass der Mix zwischen den verschiedenen Börsenindizes, Wirtschaftsbereichen, Vorstand und Aufsichtsrat sowie anderer Experten stimmt.

Wie wurden bislang die Empfehlungen des Kodex bislang von den Unternehmen angenommen?
Einschlägige Studien zeigen, dass die Kodexempfehlungen mit sehr hohen Quoten befolgt werden. Insbesondere die großen DAX30- und MDAX-Unternehmen befolgen die Empfehlungen mit Quoten von rund 90 Prozent oder höher. Dieses Bild passt auch zu einem Studienergebnis aus dem Jahr 2012, wonach die Unternehmen geradezu einen Befolgungsdruck verspüren. Der Kodex wird also ernst genommen.

Was ist mit den Verweigerern?
Es ist wichtig, dass der Kodex nicht nur irgendwie erfüllt, sondern gelebt wird. Dazu gehört auch, dass man eine Abweichung von den Empfehlungen zu begründen hat. 2012 haben wir in der Präambel extra den Hinweis aufgenommen, wonach eine gut begründete Abweichung von einer Kodexempfehlung im Interesse einer guten Unternehmensführung liegen kann.

Inwiefern?
Gute Unternehmensführung zeichnet sich auch dadurch aus, dass die eigene Governance im Vorstand und im Aufsichtsrat immer kritisch hinterfragt und diskutiert wird. Sollte eine Kodexempfehlung für das eigene Unternehmen keinen Sinn machen, dann ist es besser, dieser Empfehlung nicht zu folgen und den Eigentümern die Gründe hierfür zu erklären.

Welche Gründe sind das?
Es macht beispielsweise in einem nur fünfköpfigen Aufsichtsrat keinen Sinn, bei der Benennung von neuen Mitgliedern einen sogenannten Nominierungsausschus einzurichten, obwohl das der Kodex grundsätzlich empfiehlt.

Der zunehmende Einfluss angelsächsischer Investoren auf deutsche Konzernführungen sorgt immer wieder für Irritationen, wie zuletzt auf der Hauptversammlung der Lufthansa. Ist das für die Kommission ein Thema?
Vor allem der Einfluss der sogenannten Proxy Advisor, also Stimmrechtsberater, hat zugenommen und wird mit weiter sinkenden Hauptversammlungspräsenzen im Zweifelsfall weiter zunehmen. Aber um Befürchtungen vor neuen Empfehlungen gleich vorzubeugen, die Kommission sieht hier derzeit keinen Regelungsbedarf. Gleichwohl will sie das Thema in Zukunft im Blick behalten.

Bildquellen: Commerzbank AG
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