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03.12.2012 03:00

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von P. Ihle und C. Baumann, €uro am Sonntag

INTERVIEW EXKLUSIV

Maschmeyer: Wozu man Freunde eben hat...

Swiss Life zu myNews hinzufügen Was ist das?


Seite 2 von 1:

von P. Ihle und C. Baumann, Euro am Sonntag

Gerade hat der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life eine Radikalsanierung seiner deutschen Tochter AWD eingeleitet, schreibt eine halbe Milliarde Euro ab und versenkt auch gleich den Marken­namen. Ein Fehlinvestment sondergleichen: Für 1,2 Milliarden Euro haben die Schweizer den Finanzmakler vor fünf Jahren dem Gründer und umstrittenen Unternehmer Carsten Maschmeyer abgekauft, der zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen ist.

€uro am Sonntag: Inwieweit treibt Sie Geld und Reichtum an?
Carsten Maschmeyer:
Ich rede lieber von Vermögen in vielfältigster Weise: Ausdauervermögen, Kommunikationsvermögen und auch Geld­vermögen. In der westlichen Welt wird sehr oft Erfolg nur ökonomisch definiert. Das greift viel zu kurz. In meinem Leben geht es genauso um Freundschaften, Gesundheit, Familie und andere wesentliche und schöne Dinge.

Mit einem geschätzten Privatvermögen von 650 Millionen Euro lässt sich das locker sagen. Wollen Sie behaupten, Geld sei Ihnen egal?
Geld hatte in vielen Phasen meines Lebens tatsächlich nur nachgeordnete Priorität. Erfolg zu haben war für mich dagegen immer vorrangig. Das, was ich mir vorgenommen ha­be, wollte ich immer gut machen.

Die beste Performance erzielten Sie mit dem Verkauf von AWD an Swiss Life. Einen besseren Zeitpunkt hätte es kaum geben können.
Das hat sich im Nachhinein so he­rausgestellt. Ich wusste aber nicht, dass eine Krise auf uns zukommt.

Das war reiner Zufall?
Der Zeitpunkt der Veräußerung ergab sich aus meiner Lebensplanung. Ich wollte mit 50 Jahren die operative Verantwortung abgeben und etwas Neues beginnen.

Für Swiss Life ist der AWD-Kauf ein Desaster. Was lief schief?
In einer Finanzkrise einen Finanzdienstleister zu besitzen, ist natürlich nie einfach. Doch die Krise wird einmal vorbei sein. AWD hat Tausende sehr gut ausgebildete Berater. Die richtigen Manager werden das Unternehmen in eine gute Zukunft führen. Swiss Life wird noch viel Freude an AWD haben.

Bei Swiss Life und in der Branche ist man überzeugt, Sie hätten Swiss Life über den Tisch gezogen.
Weshalb? Bis 2007 hatten wir jedes Jahr Gewinn- und Umsatzrekorde.

Weil Sie mit dem Verkaufspreis von 1,2 Milliarden Euro primär sich selbst vergoldeten.
An dem Tag, an dem Sie ein Unternehmen kaufen, zahlen Sie den Marktpreis. Den Preis einer aktiennotierten Gesellschaft wie AWD kann man jeden Tag bestimmen. Das war auch im Herbst 2007 der Fall. Darum boten auch alle Interessenten den gleichen Preis. Dass die Krise dazwischenkam und allen Finanz­titeln arg zusetzte, war Pech.

Jetzt verschwindet der Name AWD und wird durch Swiss Life Select ersetzt. Wie sehr schmerzt Sie das?
Zuerst mal freue ich mich, dass das von mir erfundene Geschäftsmodell der unabhängigen Finanzberatung bleibt, egal unter welchem Namen. Außerdem habe ich das Unternehmen 2007 verkauft. Somit ist völlig klar, dass die neuen Inhaber die Strategie und Marke bestimmen.

Warum prozessieren Hunderte von Kunden gegen den AWD?
AWD hat viele Produktsegmente. Zu 99 Prozent haben die Hersteller ihre Zusagen eingehalten, und die Kunden waren zufrieden. Nur in einem Prozent, den Geschlossenen Fonds, haben die Hersteller nicht das Versprochene geliefert. Anstatt sich jedoch beim Koch zu beschweren, beschwert sich der Gast beim Kellner.

Sie schieben die Verantwortung ab.
AWD hat nie selbst Produkte hergestellt, war ein reiner Vertriebspartner. Wenn Sie früher in den Zeitungen zum Beispiel lasen, der „Drei-Länder-Fonds“ sei die Geldanlage der Zukunft, dann ist klar, dass die Kunden nach diesem Finanzprodukt nachfragten, bei AWD wie bei vielen anderen Finanzinstituten.

Manche Anleger, die jetzt klagen, behaupten, AWD-Berater hätten wegen der hohen Provisionen ­Produkte aggressiv verkauft.
Dass die Klagen zu Hunderten abgewiesen wurden, weil die Gerichte sie als unberechtigt einstuften, bestätigt die hohe Beratungsqualität. Es gab Beratungsprotokolle und Gesprächsnotizen. Wenn eine Finanzkrise kommt und Sie in den betroffenen Produkten investiert sind, erleiden Sie nun einmal eine Wertminderung. Das war nicht vorherzusehen.

Sie waren von 2009 bis 2011 Verwaltungsrat von Swiss Life. Warum traten Sie so schnell zurück?
Solange ich im Verwaltungsrat von Swiss Life war, wurde AWD immer noch sehr stark mit mir in Verbindung gebracht. Ich bat Verwaltungsratschef Rolf Dörig damals um Verständnis, dass es besser sei, wenn ich zwischen AWD, Swiss Life und mir eine Grenze ziehe. Swiss Life bedauerte zwar meinen Entscheid, er hat sich aber als richtig erwiesen.

Sie verließen ein sinkendes Schiff.
Überhaupt nicht. Der Swiss-Aktienkurs hat sich doch positiv entwickelt.

Swiss Life hat bis heute Probleme mit AWD. Sie wären umso gefragter gewesen.
Deswegen bedauerte Swiss Life auch meinen Weggang. Ich habe bei meinem Rücktritt angeboten, für Ratschläge immer bereitzustehen.

Sprechen Sie noch mit Dörig und mit Vorstandschef Bruno Pfister?
Mit Pfister telefoniere ich gelegentlich und mit Dörig bin ich mittlerweile gut befreundet.

Inzwischen investieren Sie viel Geld in eine ganze Reihe von Unternehmen. Wie gehen Sie da vor?
Ich habe den öffentlichen Druck nicht mehr und diversifiziere. Es ist ein Unterschied, ob Sie Ihr ganzes Geld in eine Firma stecken oder in verschiedene Internetfirmen, in Pharma, in Fahrradhersteller ...
... oder auch in chinesische Musikplattformen oder Sprachlabors. Kommt da Ihr Spieltrieb durch?
Überhaupt nicht. Ich halte mich da an die Regel: Herz vor Kopf in der Liebe und Kopf vor Herz beim Geld.

Was treibt Sie eigentlich an, noch mehr Geld zu scheffeln?
Es geht vor allem um Vermögens­sicherung. Ich persönlich will mit meinen Investments so diversifiziert sein, dass, egal welcher Bereich leidet, das Ganze nicht gefährdet wird.

Ihr Beziehungsnetz ist schillernd: Es reicht von Ex-Kanzler Gerhard Schröder über Ex-Bundespräsident Christian Wulff bis zu Ex-Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Braucht man politische Freunde, um als Unternehmer Erfolg zu haben?
Nein.

Auch nicht als Türöffner?
Nein. In meinem Fall ist das eher eine besondere hannoveranische Konstellation. Es gibt in Deutschland keine andere Stadt, aus der so viele Spitzenpolitiker kommen: Ursula von der Leyen, Philipp Rösler, Frank-Walter Steinmeier, Gerhard Schröder, Christian Wulff, Sigmar Gabriel et cetera. Noch etwas: Als größter Arbeitgeber der Stadt haben Sie zwangsläufig häufig Berührungspunkte mit der Politik. Daraus sind auch Freundschaften entstanden.

Ihre Freundschaften decken das gesamte politische Spektrum ab. Auf welcher Seite stehen Sie?
Meine Freunde wähle ich nicht nach der politischen Couleur.

Freunde haben Sie auch im Showbusiness. Wie haben Sie eigentlich Ihre Verlobte, die Schauspielerin Veronica Ferres, kennengelernt?
Über Christian Wulff auf der Berlinale. Er machte uns miteinander bekannt. Das zweite Mal sahen wir uns erst anderthalb Jahre später. Inzwischen genießen wir unser Glück nun schon seit drei Jahren.

Als Dank machten Sie mit Christian und Bettina Wulff Ferien auf Mallorca — was viel Staub aufwirbelte.
Wie man das mit guten Freunden so macht. Gemeinsame Zeit mit lieben Menschen bedeutet mir sehr viel.

Muss man etwas zurückgeben, wenn man erfolgreich ist?
Das Leben hat es gut mit mir gemeint, deshalb spende ich gern, häufig und diskret. Wenn mir Themen nahegehen, vor allem was Kinder in Not betrifft, dann helfe ich.

Das tun Sie doch, um Ihr Image ­aufzupolieren.
Das sagen immer diejenigen, die selbst nicht spenden, aber sich nicht als herzlos entlarven wollen. Mir ist inzwischen egal, was die Leute denken. Ich helfe, wo Hilfe nötig ist.

Wollen Sie damit sagen, dass Sie nicht der rüde Chef der „Drückerkolonnen“ sind, für den Sie manche Leute bis heute halten?
Die Realität zeichnet ein anderes Bild, denn den größten Best-Select-Finanzdienstleister in Europa konnte ich nur aufbauen, weil sich über 6.000 Mitarbeiter wohlgefühlt und für ihre zwei Millionen Kunden ihr Bestes gegeben haben.

Hannover-
Connection

Der gebürtige Bremer studierte nach einer Sanitätsausbildung Medizin, bevor er in die Finanzberatung wechselte. 1988 stieg er beim Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD) ein und baute ihn zu einem der umstrittensten ­Finanzvertriebe aus. Nach dem AWD-Verkauf an Swiss Life gründete Maschmeyer 2010 die Beratungsfirma Masch­meyerRürup AG und verließ 2011 den Swiss-Life-Verwaltungsrat. Für Wirbel sorgten die Finanzierung einer Anzeigenkampagne für ein Wulff-Buch sowie Versuche, kritische Fernsehberichterstattung zu verhindern. Der 53-Jährige hat zwei Söhne aus erster Ehe, ist mit der Schauspielerin Veronica Ferres verlobt und lebt in Hannover.

Bildquellen: iStock

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Kommentare zu diesem Artikel

mercator2012 schrieb:
04.12.2012 18:23:53

Der König von allen Strukkis lügt wie gedruckt s. oben. Er hat tausende Anleger mit seinen Dreiländerfonds über den Tisch gezogen, bzw. ins Unglück gestürzt.
Er selbst kassierte teilweise mehr als 15% Provision von der die Strukkis nur einen Bruchteil bekamen.

apophis2012 schrieb:
03.12.2012 20:20:56

Ehre wem Ehre gebührt. Und außerdem: 1. ihm ist egal was die Leute denken, 2. er hält seine Lebensplanung ein. 3. er wählt Freunde, nicht Parteien. Wer kann Ähnliches schon von sich sagen?!
EXTRA: es ist doch nur Geld...!
Alles Gute weiterhin C.M.!

khaproperty schrieb:
03.12.2012 17:02:31

Immerhin mußte er indifferent genug sein, um jenes Geschäft mit der nötigen Dynamik betreiben zu können. Dann kommt der Erfolg von ganz allein. Ein guter Chirurg wäre er bestimmt ebenfalls geworden, ein Psychologe eher weniger.

Großwildjäger schrieb:
03.12.2012 13:45:43

Herr Maschmeyer hätte sicher auch Anwalt werden können. Mit seinen Antwoten läßt er jede Kritik von sich abprallen ohne anzugreifen. Er ist sicher ein guter Redner.
Genau so muß ein guter Verkäufer eben sein. Und das ist er ja auch geworden.

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