€uro am Sonntag: Herr Piontke, einige Transaktionen im MDAX sorgen für Furore: Daimler will Tognum übernehmen, VW beteiligt sich an SGL Carbon. Was macht MDAX-Firmen so attraktiv?
Manfred Piontke: Oftmals sichern sich große Unternehmen durch solche Übernahmen neue Technologien, die sich nicht im eigenen Konzern befinden und deren Eigenentwicklung mehr kosten würde als ein entsprechender Zukauf über die Börse.
SGL Carbon hat zum Beispiel die namensgleiche Carbonfaser entwickelt, die für industrielle Massenfertigung im Automobilbereich geeignet ist und für diese Industrie künftig wichtig sein wird.
VW sichert sich – nach
BMW – mit dieser Beteiligung nun den Zugang zu dieser Technologie.
In Ihrem Stock-Pickerfonds FPM-Allcap gehören die MDAX-Titel Aareal Bank, Bilfinger Berger und Wacker Chemie zu den größten Positionen. Warum bieten gerade diese Aktien Ihrer Meinung nach derzeit gute Chancen?
Aareal ist als einzige börsennotierte deutsche Bank ohne ein einziges Verlustquartal durch die Finanzkrise gekommen. Trotzdem notiert sie immer noch 30 Prozent unter dem Wert ihres Eigenkapitals. Bilfinger Berger substituiert das zyklische und margenarme Baugeschäft mehr und mehr durch das deutlich stabilere und margenstärkere Servicegeschäft, was die Bewertung der Aktie noch nicht nachvollzogen hat. Wacker Chemie schließlich zählt weltweit zu den Kostenführern in der Siliziumherstellung und befindet sich zudem auf einem ausgeprägten Expansionspfad. Die Produktion ist bis tief ins Jahr 2014 ausverkauft.
Könnte es 2011 auch im MDAX zu einem Favoritenwechsel kommen? Wie schätzen Sie die Entwicklung von zurückgebliebenen Werten wie Salzgitter oder Rhön-Klinikum ein?
Es ist sehr wahrscheinlich, dass 2011 andere Unternehmen das Rennen machen als im Vorjahr – gute Chancen traue ich unseren zuvor genannten Favoriten zu. Für Salzgitter wird auch 2011 ein Übergangsjahr, in dem schlechte Aufträge im Röhrengeschäft verarbeitet werden müssen. Die Ergebnisentwicklung wird dementsprechend mäßig sein. Rhön-Klinikum weist ein stabiles, kontinuierlich wachsendes Geschäftsmodell auf, das wenig positives Überraschungspotenzial beinhaltet. Dementsprechend wird die Aktie bei steigenden Märkten maximal eine durchschnittliche Performance aufweisen. Besser als der Index wird sie sich dagegen in einem Abwärtstrend entwickeln.
2011 erwarten viele Experten, dass das Eis am IPO-Markt bricht. Ab April könnten dem Vernehmen nach zahlreiche Großemissionen platziert werden. Einige Neulinge könnten zügig in den MDAX aufrücken. Spielen Neuemissionen für die weitere Entwicklung im MDAX eine entscheidende Rolle?
Allein die Tatsache, dass es auch 2011 wieder etliche Auf- und Absteiger im MDAX geben wird, zeigt, dass sich Anleger auf Einzelwerte konzentrieren sollten und nicht auf den Index. Dies gilt auch für die Einschätzung von Neuemissionen und ihre Wirkung auf den MDAX. Kommt eine Neuemission zu teuer, wird sie wie Blei im Markt liegen und könnte der Performance des MDAX sogar schaden.
Welchen Weg wird der MDAX denn 2011 einschlagen?
Hergeleitet aus der Bewertung der Einzeltitel ist ein Potenzial von 20 Prozent möglich. Ich traue dem MDAX ein Hoch bei über 12.000 Punkten zu. (law)