von Stephan Bauer, €uro am Sonntag
Firmen, die neue Computer oder gleich eine komplette Büroausstattung mit Druckern, Fax und anderem Equipment benötigen, können die Geräte kaufen oder leasen. Wenn sie sich für die zweite Variante entscheiden, ist die Chance groß, dass sie bei Grenkeleasing landen. Die Baden-Badener Firma ist eigenen Angaben zufolge Europas größter Leasinganbieter für IT-Infrastruktur. Und sie expandiert weiter, der Markteintritt in Südamerika steht vor der Tür. Dabei wächst die Branche hierzulande so stürmisch wie selten. Der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen rechnet für 2011 mit 14 Prozent Zuwachs, das Ifo-Institut prognostiziert bis Ende 2012 ein zweistelliges Wachstum der Investitionen, dem wichtigsten Treiber der Leasingnachfrage. €uro am Sonntag sprach mit Vorstandschef Wolfgang Grenke über seine Expansionspläne, Dividenden und die Vorteile einer eigenen Banklizenz.
€uro am Sonntag: Sie haben soeben die Gewinnprognose für 2011 angehoben. Werden Sie auch Ihr Ziel von 20 Prozent Wachstum beim Neugeschäft nach oben anpassen?
Wolfgang Grenke: Wir sind beim Nettoergebnis auf dem Weg zu einem Rekordjahr. Beim Neugeschäft liegen wir leicht über Plan, jedoch nicht dramatisch. Insofern sehe ich keinen Bedarf für eine Neuorientierung.
Im Halbjahr hat das Neugeschäft um 25 Prozent zugelegt. Gewinnen Sie Marktanteile?
Im Verlauf der Krise sind einige Wettbewerber aus dem Markt ausgeschieden, das spüren wir. Wir konzentrieren uns auf Leasingverträge bis zu einem Volumen von rund 25.000 Euro. In diesem Segment gewinnen wir Marktanteile.
Sind diese hohen Zuwächse nachhaltig erreichbar?
Wir wollen langfristig im Schnitt pro Jahr zweistellig wachsen. Das haben wir aufgrund der Krise nicht in jedem Jahr geschafft, im Schnitt bislang aber schon. Das Wachstum des Neugeschäfts war auch gegen Ende des ersten Halbjahres sehr ermutigend. Wir spüren nach wie vor eine starke Nachfrage.

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Laut den Marktforschern von TNS Infratest erwägen 78 Prozent aller deutschen Firmen die Finanzierung von Investitionen durch Leasing – ein höherer Wert als vor der Krise und zugleich der höchste bislang gemessene. Wie sehen Sie das Umfeld der Branche?
Die Leasingbranche in Deutschland steht jetzt auf dem Stand vor der Finanzmarktkrise. Das Investitionsklima ist gut, entsprechend geht es in der Branche voran. Wir stellen fest, dass es vor allem außerhalb Deutschlands Potenzial gibt. In einigen Ländern überwiegen noch traditionelle Finanzierungsarten, vor allem der Bankkredit. Aber das ändert sich gerade.
Wie werden Sie nach dem Start in der Türkei die Internationalisierung vorantreiben?
Noch dieses Jahr wollen wir weitere Filialen in Italien, Spanien und Großbritannien eröffnen. Im Herbst planen wir den Markteintritt mit der Eröffnung der ersten Filiale im brasilianischen São Paulo. Die Vorbereitungen hierfür laufen plangemäß. Bulgarien, Kroatien, die baltischen Länder und Chile könnten 2012 oder 2013 folgen.
Sind Wachstumsmärkte in Asien ein Thema?
Australien und Neuseeland sind attraktive Märkte. Hier sondieren wir, konkret ist aber nichts. Es gibt immer Hürden, die man genau in Augenschein nehmen muss. Vor vier Jahren haben wir intensiv über einen Markteintritt in Indien nachgedacht. Bei näherer Betrachtung aber mussten wir feststellen, dass es wesentlich schwieriger ist, Geld aus dem Markt wieder herauszubekommen, als welches zu investieren.
Die Leitzinsen im Euroraum wurden 2011 zweimal erhöht, das macht Ihre Refinanzierung teurer. Sehen Sie die Gefahr, dass durch weiter steigende Zinsen Ihre Margen sinken könnten?
Zinserhöhungen haben zwar grundsätzlich einen negativen Effekt auf unsere Profitabilität, aber dieser ist vergleichsweise gering. Es braucht immer etwas Zeit, bis wir die höheren Kosten an unsere Kunden weitergeben können. Seit wir vor zweieinhalb Jahren eine Bank erworben haben, ist der Druck der Refinanzierung für uns jedoch nicht mehr so hoch wie bei manchem Wettbewerber, da wir auch auf die Bankeinlagen zurückgreifen können.
In der Finanzkrise war Factoring, also der Verkauf von Forderungen, bei manchem Mittelständler sehr beliebt, weil Firmen hierdurch ihre Liquidität erhöhen konnten. Wie läuft diese Sparte?
Das Geschäft wächst stark. Wir bieten seit 2010 mittels eines Franchisepartners Factoring zudem in der Schweiz an. 2012 wollen wir die Geschäfte auch in anderen europäischen Ländern aufnehmen, in denen wir bisher schon Leasing anbieten. Die vielerorts notwendige Banklizenz hierfür haben wir.
Für 2010 zahlen Sie zehn Cent mehr Dividende. Ist für 2011 ebenfalls ein Aufschlag drin?
Wir schütten regelmäßig 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns aus, der Rest wird thesauriert. Ich gehe davon aus, dass wir unsere Gewinnprognose schaffen. Insofern bin ich guter Hoffnung, dass wir auch die Dividende für 2011 werden steigern können.