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07.03.2011 15:53

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INTERVIEW

IPO-Experte von Morgan Stanley: „Bis zu eineinhalb Milliarden Euro“



IPO-Experte von Morgan Stanley: „Bis zu eineinhalb Milliarden Euro“
Starke Perspektiven für Börsengänge in Deutschland. Johannes Borsche, Managing Dirctor der US-Bank Morgan Stanley und zuständig für Kapitalmarktemissionen, erwartet, dass der Wert einzelner Börsengänge, die Milliarden Euro Grenze deutlich überschreiten wird.

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Euro am Sonntag: Herr Borsche, noch vor Ostern wollen die Reederei Hapag Llyod und Kabel BW, drittgrößter Kabelnetzbetreiber in Deutschland, in Frankfurt an die Börse. Was spricht für das Vorziehen der Börsengänge?
Johannes Borsche: Es sich nicht notwendigerweise ein "Vorziehen". Die genannten Kandidaten haben sich im Rahmen der üblichen Prozesse auf diesen Zeitpunkt vorbereitet und planen die Börsengänge auf der Basis der Jahresabschlüsse 2010. Ostern liegt relativ spät in diesem Jahr. Ein Börsengang auf Basis der Jahresabschlüsse 2010 ist nach Ostern aus verschiedenen Gründen deshalb nur sehr knapp möglich. Das nächste tatsächliche "Fenster" für Börsendebüts ist erst nach Verfügbarkeit der Zahlen für das erste Quartal 2011 offen.

Bleibt die Verschuldung der Euro-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien, die unter dem Kürzel PIIGS zusammengefasst werden, das größte Risiko für die IPO Saison?
Natürlich wären schlechte Nachrichten aus den so genannten PIIGS-Staaten ein Problem - aber nicht nur für den IPO-Markt.

Was hat sich im Bezug auf die durchschnittliche Einzelgröße und das Gesamtvolumen der zu erwartenden IPOs in Deutschland für 2011 geändert?
Eigentlich nichts. Investoren schauen nach wie vor auf ausreichende Liquidität und fundamentale Attraktivität - sowohl mit Blick auf die Branche, auf das Wachstum und auf die Preisvorstellungen der Verkäufer.

Gehen Sie davon aus, dass Deutschland in Europa 2011 bei Börsengängen auf Platz 2 nach Großbritannien landen wird?
Es ist viel zu früh, bereits heute über Ranglisten zu spekulieren. Aufgrund der Größe seiner Volkswirtschaft ist Deutschland immer ein Kandidat auch für einen der vorderen Plätze. Allerdings sollte man die erfolgreichen großen Börsengänge des vergangenen Jahres in Skandinavien nicht aus dem Auge verlieren.


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Spielt das stärkere Wirtschaftswachstum Deutschlands vor allem im gegenwärtigen Umfeld eine wichtige Rolle?
Das Wirtschaftswachstum hat nur indirekt einen Einfluss auf die Börsenpläne der Unternehmen. Die gute Stimmung an den Börsen stärkt die Aufnahme- und Risikobereitschaft der Investoren ebenso wie sie einen positiven Einfluss auf die Bewertungen hat.

Werden wir die Milliarden Euro-Grenze bei deutschen Börsengängen (IPOs) 2011, anders als 2010, knacken?
Wir können für das laufende Jahr bei stabilen Märkten davon ausgehen IPOs jenseits der Milliarden Euro-Grenze zu sehen. Möglich sind Größenordnungen zwischen einer und eineinhalb Milliarden Euro.

Wie viele größere IPOs über 500 Millionen Euro Börsenwert erwarten Sie in Deutschland?
Wir erwarten mindestens fünf Kandidaten, die diese Größenordnung erreichen könnten.

Registrieren Sie “Nachholeffekte” bei den IPO-Kandidaten und den Zeichnern von Börsengängen im Vergleich zum schwierigen, aber letztlich doch erfolgreichen IPO Jahr 2010?
Nein; die Investoren haben ein neues Buch aufgeschlagen - das vergangene Jahr interessiert nicht mehr. Natürlich gibt es IPO-Kandidaten, die den Gang auf das Parkett 2010 nicht haben abschließen können. Die können es dieses Jahr wieder probieren.

Welche Branchen werden in Deutschland und Europa favorisiert?
Derzeit werden Emittenten mit einem Direktbezug zu einer möglichen gesamtökonomischen Erholung bevorzugt. Viele internationale Investoren zielen auf dieses "Global Macro"-Thema ab, wobei Deutschland als Konjunkturlokomotive besonders gut positioniert ist. Zyklische Sektoren wie Chemie und Rohstoffe stehen dabei im Vordergrund. Es kommt natürlich auch immer auf die spezifischen Stärken der jeweiligen Equity Story an.

Welche Rolle spielt das Umfeld niedriger Zinsen mit Blick auf Investoren, die Aktien von Börsendebütanten zeichnen wollen ?
Das Umfeld niedriger Zinsen macht die Aktie als Anlagealternative wieder attraktiver.

Könnte das Niedrigzins-Umfeld mit Blick auf attraktive Refinanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen, auch eine Bremse für geplante Börsengänge sein?
Die verfügbaren Refinanzierungsmöglichkeiten eröffnen den Unternehmern und den Verkäufern einfach eine weitere attraktive Handlungsoption, sollte der angestrebte Börsengang möglicherweise im angestrebten Zeitfenster oder zu den angestrebten Konditionen nicht - oder noch nicht - möglich sein.

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