24.09.2012 03:00
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Kaffeekönig Jacobs: Schwarzgeldkonten sind abstoßend

Interview: Kaffeekönig Jacobs: Schwarzgeldkonten sind abstoßend | Nachricht | finanzen.net
Interview
Andreas Jacobs, der Präsident der milliardenschweren Familienholding Jacobs über die Schweiz als Wirtschaftsstandort, Ausflüge mit Geschwistern und das Versprechen an seinen Vater.
€uro am Sonntag
von B. Balzli und B. Vogel

Für den 49-jährigen Spross des Kaffeekönigs Klaus Jacobs ist es die Krönung: zusammen mit den Geschwistern das milliardenschwere Erbe zu verwalten und — wenn möglich — zu mehren. Als Großaktionärin von Adecco geht die Familienholding dabei auch mal ungewöhnliche Wege.

€uro am Sonntag: Was kommt Ihnen beim Namen Peer Steinbrück spontan in den Sinn?
Andreas Jacobs:
Er war ein sehr guter Finanzminister unter Angela Merkel und Finanzexperte der SPD.

Was halten Sie von seinen An­griffen auf die Schweiz?
Diese Angriffe sind nicht fachlich ­getrieben. Sie sind eine Mischung aus Neid und politischem Trommeln.

Im Steuerstreit drohte Steinbrück den Schweizer Indianern gern mal mit der Kavallerie. Sie wohnen in Hamburg und arbeiten in Zürich. Wem stehen Sie näher — der Kavallerie oder den Indianern?
Es gibt Auswüchse mit den Daten-CDs, die unerfreulich sind. Wirklich abstoßend ist allerdings, dass es Menschen gibt, die Schwarzgeld­konten haben, und es solche CDs überhaupt gibt.

Angriffe kommen auch aus Frankreich, den USA und der EU wegen der Holdingbesteuerung. Schadet das Dauerfeuer aus dem Ausland der Attraktivität des Standorts?
Nein. Der hohe Ausbildungsgrad und der Servicecharakter hier sind einmalig. Das verliert man nicht über Nacht.

Reden Sie das nicht einfach schön? Die Ansiedlungen internationaler Unternehmen gehen seit Monaten rapide zurück.
In der Westschweiz stehen die Franzosen Schlange vor den Toren der Schweiz. Die Schweiz ist ein sehr ­attraktiver Standort. Aus wirtschaftlicher Sicht bin ich jedenfalls lieber hier als auf der anderen Seite der Grenze.

Dann würden Sie die Jacobs ­Holding wieder in der Schweiz ­ansiedeln, wenn Sie nochmals von vorn anfangen könnten?
Für mich als Europäer steht heute die Qualität des Standorts Schweiz außer Frage. Große Konzerne müssen sich aber schon überlegen, in Singapur oder Hongkong ansässig zu werden.

Haben Sie sich Singapur auch schon ­angeschaut? Wir nicht, nein. Für unsere Beteiligungen Barry Callebaut und Adecco ist Westeuropa der Kernmarkt. Die Schokolade und die Zeitarbeit leben heute noch von den industrialisierten Ländern, nicht von China oder Indien.

Aber in Asien findet das Wachstum statt.
Langfristig gesehen ja. Mein zweiter Sohn lernt seit vier Jahren Mandarin. Ihm erzähle ich, dass wir hier im Altersheim sind und versuchen, unser Museum in Schuss zu halten.

Im hiesigen Altersheim sind ­immerhin die Steuervorteile noch groß. Wie wichtig sind diese für die Standortwahl der Holding?
Der Steuersatz ist das eine, die Stabilität das andere. Für uns als Familie ist die Stabilität sehr wichtig, wir können hier langfristig planen.

In der Schweiz lassen sich mit originellen Firmenkonstruktionen Steuern optimieren. Das kommt ­Ihrer Familie entgegen. Der Fami­lienrat, der die Holding zu 90 Prozent kontrolliert, ist ein Verein.
Steuergründe hat das keine. Die Struktur soll die Holding langfristig sichern. Zudem wollte unser Vater die Entscheidungspflichten der Familie und das Geld trennen. Deshalb liegt die Entscheidungsverantwortung beim Familienrat und das Geld in der Stiftung.

Der Familienrat als Verein hat keine Steuervorteile?
Nein, er ist als Verein gemäß Schweizer Recht nur das Stimmgremium.

Wie oft trifft sich die Familie?


Andreas Jacobs
Der Rat tagt unter dem Vorsitz von Renata Jacobs zweimal im Jahr. Wir sehen uns aber viel häufiger. Was auf den formellen Versammlungen beschlossen wird, ist vorher auf Spaziergängen, bei Abendessen oder an Wochenenden bereits besprochen worden. Ich führe systematisch sehr viele Einzelgespräche mit meinen Geschwistern und versuche immer alle ständig einzubinden.

Wann haben Sie Ihre Geschwister zum letzten Mal getroffen?
Wir verbrachten das vorletzte Wochenende in einem unserer Fami­lienhäuser in Spanien. Wir haben Ausflüge gemacht. Auch die Enkel waren dabei.
... und Sie haben über das Geschäft geredet.
Alle Familienmitglieder haben Aktien von Adecco und Barry Callebaut, deshalb haben alle das Be­dürfnis zu wissen, was da los ist. Es ist wichtig, alle mit ins Boot zu ­nehmen. Ich will nicht einfach allein entscheiden.

Wie kriegt man so viele Geschwister auf eine Linie?
Wir sind sechs Geschwister und ­Renata Jacobs, die sich einigen müssen — das geht. Aber natürlich gibt es gelegentliche Meinungsverschiedenheiten.

Zum Beispiel?
Kürzlich habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir bei Adecco die Auszahlungsquote erhöhen und ein Aktienrückkaufprogramm starten. Das muss man den Familienmitgliedern natürlich erklären.

Uns müssen Sie das auch erklären. Mitten in der Krise starten Sie ein Aktienrückkaufprogramm bei Adecco und finanzieren das auf Pump. Das wirkt fragwürdig.
Adecco generiert kontinuierlich einen starken Nettozufluss liquider Mittel, und die Bilanz ist stark. Teures Eigenkapital wird so durch ­günstigeres Fremdkapital ersetzt. Der Aktienkurs hat positiv darauf reagiert.

Das bedeutet nicht, dass es eine gute Entscheidung war.
Schauen Sie sich an, wie stabil der Cashflow selbst in der Krise 2008/ 2009 war, als Adecco Umsatzeinbußen von 27 Prozent meisterte. Einen Bond aufzunehmen über acht Jahre zu historisch tiefen Zinssätzen macht sehr viel Sinn. Die Bilanzstruktur von Adecco wird auch nach Beendigung des Programms sehr solide sein.

Können Sie sich eigentlich vor­stellen, etwas anderes zu machen, als Präsident der Jacobs Holding zu sein?
In der Familie sprechen wir oft über die langfristige Zukunft. Dabei stellt sich auch die Frage meiner Nachfolge. Ich habe den Vorteil, Halbgeschwister zu haben, die deutlich jünger sind. Mein älterer Bruder ist 24 Jahre älter als meine jüngste Schwester. Es gibt also zum Glück deutlich jüngeren Nachschub.

Ist dieser Nachschub auch fähig, die Holding zu führen?
Das ist die Grundvoraussetzung. Wir sind uns in der Familie einig, dass die Fähigkeit von unabhängiger professioneller Stelle bestätigt werden muss. Wir sind optimistisch, jemanden zu finden.

Wie lange werden Sie das ­Präsidium noch führen?
Wir sprechen in der Familie immer über Dreijahresschritte. Wir haben gerade beschlossen, dass ich das die nächsten drei Jahre mache. Ob ich danach weiterfahre, ob Familienmitglieder mit Interesse und Kom­petenz sich engagieren, werden wir sehen. Ich habe meinem Vater jedenfalls versprochen: „Mach dir keine Sorgen, ich kümmere mich um dein Vermächtnis.“

zur Person:
Netzwerker der ­Familie Jacobs
Andreas Jacobs ist seit 2004 Präsident der Jacobs Holding (unter anderem maßgeblich beteiligt am Schokoladen­hersteller Barry Callebaut und dem Zeitarbeitskonzern Adecco). Der frühere Boston-Consulting-Manager (verheiratet, vier Kinder) lebt in Hamburg. Die Jacobs Holding kon­trolliert der Jacobs-Familienrat, dem die Nachkommen des 2008 verstorbenen deutschen Kaffeekönigs Klaus Jacobs („Krönung“) angehören.

Das Interview wurde aus der Schweizer Handelszeitung, einem Kooperationspartner von €uro am Sonntag, entnommen.

Bildquellen: Pedro Salaverría / Shutterstock.com, Adecco

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