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aktualisiert: 02.09.2011 12:13

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INTERVIEW

Morphosys-Chef: Chance auf bedeutende Ergebnisse

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Bei Morphosys werden wahrscheinlich mehr als sieben Produktkandidaten überleben
Simon Moroney, der Vorstandschef von Morphosys, sieht die Biotechfirma an einer wichtigen Schwelle. Im Interview spricht er über neue Medikamente und die Perspektiven der Aktie.

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Morphosys gehört zu den wenigen deutschen Biotechs, die Gewinn erwirtschaften. €uro am Sonntag sprach mit Vorstandschef Simon Moroney über neue Medikamente, die Aktie und die Chancen einer Konjunkturkrise.

€uro am Sonntag: Herr Moroney, Herzstück von Morphosys ist eine Bibliothek mit 45 Milliarden Antikörpern. Wo ist das Potenzial bei der Entwicklung von Wirkstoffen, wo sind die Grenzen?
Simon Moroney
: Antikörper greifen die Oberfläche von Krankheitserregern an. Viele Krebszellen beispielsweise haben dort andere Strukturen als gesunde Zellen und sind deshalb verwundbar. Nicht zugänglich sind bislang Moleküle im Inneren einer Zelle. Trotzdem bearbeiten wir ein großes Spektrum, auch Alzheimer oder Erkrankungen des Herzkreislauf­systems.

Morphosys hat 75 Produktkandidaten in der Entwicklung, 19 davon in der klinischen, also fortgeschrittenen Phase. Wie viele davon werden irgendwann als Medikament zugelassen?
Genau voraussagen kann man das nicht, aber es gibt statistische Hochrechnungen. Demnach besteht die realistische Chance, dass 13 von diesen 75 Kandidaten als Medikament auf den Markt kommen. Das klingt vielleicht wenig, aber ein Antikörper hat ein Umsatzpotenzial von etwa einer Milliarde Dollar.

Die Erfahrung bei deutschen Biotechs ist, dass die Firmen große Visionen haben, aber keine Resultate.
Weil die meisten auf nur eine oder zwei Substanzen wetten. Entsprechend ist dann die Ausbeute. Mit 75 haben wir ein viel breiteres Fundament. Außerdem entwickeln wir die Mehrzahl unserer Kandidaten mit Partnern aus der Pharmaindustrie und teilen damit die Risiken.

Sollte sich die Wirtschaftslage deutlich verschlechtern, dürften viele kleine Biotechs Probleme bekommen, ihr Geschäft zu finanzieren. Das würde Ihnen als profitables Unternehmen die Chance geben, Produktkandidaten günstig einzukaufen. Haben Sie Pläne?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, unsere Pipeline zu füllen. Einlizenzierung ist eine davon. Wenn sich eine ­attraktive Möglichkeit bietet, werden wir uns das anschauen.

Welche Bewegung in der Pipeline ist bis Jahresende zu erwarten?
Die Zahl der klinischen Programme könnte von 19 auf bis zu 22 steigen. Zwei wären Partnerprogramme, das dritte ein eigenes, der Wirkstoff MOR103 gegen Multiple Sklerose.


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Am weitesten sind Sie mit einem Wirkstoff gegen rheumatische Arthritis. Dort gibt es Probleme – Sie mussten die Zahl der Patienten, mit denen sie den Wirkstoff erproben, reduzieren.
Viele Patienten haben zusätzliche Erkrankungen, die sie disqualifizieren, oder sind bereits in anderen Studien. Die Ausschlussrate war viel höher, als wir erwartet hatten.

Statt mit 135 testen Sie jetzt mit nur 92 Patienten. Sinkt damit die Verlässlichkeit der Ergebnisse? Auf die Aussagekraft hat das keine Auswirkungen. Wir erfüllen alle Vorgaben. Außerdem bleiben wir im Zeitplan. Wir gehen unverändert davon aus, dass im ersten Halbjahr 2012 die Ergebnisse der Phase zwei vorliegen.

Dann wollen Sie das Produkt an einen Partner verkaufen. Was für ein Erlös ist realistisch?
Biotest hat für einen Deal mit Abbott zuletzt eine Vorabzahlung von 85 Millionen Dollar bekommen, dazu Meilensteine von mehr als 300 Millionen und Tantiemen. Das gibt ungefähr eine Vorstellung, was möglich ist.

Die Morphosys-Aktie schafft es seit mehr als fünf Jahren nicht, über die Schwelle von 20 Euro auszubrechen. Woher soll der Schwung kommen?
Entscheidend ist die Dichte unserer Pipeline. In den vergangenen Jahren haben wir vor allem die Zahl der Programme erhöht. Jetzt erreichen wir ein Stadium, in dem wir erstmals die Chance haben, bedeutende klinische Ergebnisse zu präsentieren. Das sollte sich über kurz oder lang positiv im Aktienkurs niederschlagen. 

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