19.12.2012 14:00
Bewerten
 (2)

SAP-Co-Chef Jim Snabe: "Wir müssen uns öffnen"

Interview: SAP-Co-Chef Jim Snabe: "Wir müssen uns öffnen" | Nachricht | finanzen.net
Interview

Der Walldorfer Softwarekonzern SAP will sich in den kommenden Jahren für externe Programmierer massiv öffnen. Das Monatsmagazin Euro sprach mit Snabe über seine langfristigen Wachstumspläne, die Produktoffensive und die schwierige Beziehung zum Erzrivalen Oracle.



von Thomas Schmidtutz, Euro Magazin

„Wir möchten in Zukunft bis zu einer Million Entwickler gewinnen, ohne, dass diese unbedingt bei SAP angestellt sein müssen“, sagte SAP-Co-Vorstandschef Jim Hagemann Snabe in einem Interview mit dem Monatsmagazin Euro. Ein starkes Partnernetzwerk sei die Voraussetzung, „um Wachstum zu schaffen und neue Märkte zu entwickeln“, erklärte Snabe. Im abgelaufenen dritten Quartal beschäftigte SAP weltweit rund 17.500 eigene Entwickler.

Snabe sagte, SAP habe in der Entwicklung lange auf seine eigene Umgebung rund um die Programmiersprache ABAB gesetzt. „Nur haben wir es versäumt, uns zu öffnen und andere zu gewinnen, die auf dieser Plattform eigene Lösungen entwickeln“, räumte Snabe ein. Ein solch proprietärer Ansatz sei angesichts der technologisch rasanten Entwicklung jedoch kein „nachhaltiges Geschäftsmodell“ mehr. Dies wolle man nun ändern.

Herr Snabe, die SAP hat klare, langfristige Ziele: Bis 2015 soll der Konzern-Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigen, die operative Marge soll dann bei 35 Prozent liegen. Aber wie wird das Unternehmen SAP jenseits der nackten Zahlen aussehen?
Wir durchlaufen seit einiger Zeit einen grundlegenden Wandel mit unserer klaren Ausrichtung auf Wachstum durch kundenorientierte Innovationen. Dazu gehören unsere mobilen Lösungen, die Cloud-basierten Softwareanwendungen und unsere In-Memory-Computing Plattform SAP HANA. Damit lassen sich bislang unvorstellbare Datenmengen in Sekundenbruchteilen verarbeiten, was die Prozesse in Unternehmen erheblich beschleunigt und neue Erkenntnisse ermöglicht. Dieser Wandel wird weitergehen.

Aber wie wollen Sie das geplante Wachstum ohne größeren Personalaufbau stemmen?
Das möchten wir vor allem über unsere Partner realisieren. Wir haben zwar ein leistungsfähiges Partnernetz. Aber diesen Bereich wollen wir künftig deutlich ausbauen. Das ist der Weg, um Wachstum zu schaffen und neue Märkte zu entwickeln. Co-Innovation und Offenheit für Partnerlösungen hat für uns strategische Bedeutung.

Also ein Wachstumsschub per Öko-System?


Die beiden SAP-Co-Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe (li.) und Bill McDermott
Richtig. Schauen Sie: Mit der neuen HANA-Plattform und Cloud basierten Softwarelösungen eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für eine technologische Öffnung, die es bisher nicht gab. Wir haben bei der Entwicklung lange auf unsere eigene Entwicklungsumgebung rund um die Programmiersprache ABAB gesetzt. Nur hatten wir es versäumt, uns zu öffnen und andere zu gewinnen, die auf dieser Plattform eigene Lösungen entwickeln. Für uns ist es ganz wichtig, Offenheit und Wahlmöglichkeiten für Kunden und Partner zu bieten. Einen proprietären Ansatz als Strategie für ein IT-Unternehmen zu verfolgen, ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wir haben zum Beispiel vor zwei Monaten unsere SAP Hana-Plattform geöffnet, damit innovative Unternehmer ihre Ideen dort entwickeln können. Mittlerweile nutzen mehr als 150 Start-up Unternehmen die Möglichkeit, ihre Anwendungen auf unserer superschnellen Datenbanktechnologie zu entwickeln.

Welche Größenordnung schwebt Ihnen für das Partnernetzwerk vor?
Durch diesen Ansatz möchten wir in Zukunft bis zu einer Million Entwickler gewinnen, ohne dass diese unbedingt bei SAP angestellt sein müssen.

Und zwar nicht nur auf ABAB?
Nein, eben nicht nur auf ABAB, sondern auf der SAP HANA-Plattform, bei mobilen Lösungen oder in der Cloud. Das ist attraktiv, denn SAP hat die interessanteste Kundenbasis auf der ganzen Welt. Wir werden die Partner-Entwicklungen global verfügbar machen. Damit wird es auch kleinen Unternehmen ermöglichen, weltweit präsent zu sein. Das ist ein sehr großer Anreiz.

Sie können ohnehin nicht alle Märkte selbst bedienen?
Wir sind weltweit aufgestellt, aber wenn Sie so wollen, erleben wir eine zunehmende Demokratisierung von Technologie. Als Softwareunternehmen müssen Sie sich öffnen. Das ist die Grundlage für nachhaltiges Wachstum durch Innovationen.

HANA gilt als größter Wachstumstreiber bei SAP. Inzwischen ist HANA nicht mehr nur eine Datenbank, sondern eine Plattform, auf der auch Anwendungen laufen. Wie stark wird HANA SAP verändern?
SAP HANA ist die Technologie-Plattform der Zukunft. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass SAP in seiner Geschichte nicht deshalb erfolgreich war, weil wir eine Technologie-Debatte angestoßen haben. Wir waren und sind deshalb erfolgreich, weil wir Geschäftsprobleme lösen. Das ist unser Mehrwert. Und genau aus diesem Grund ist SAP HANA so wichtig. Denn damit versetzen wir Unternehmen in die Lage, völlig neue Geschäftsmodelle zu betreiben. Und SAP HANA wird dann erfolgreich sein, wenn nicht nur SAP auf dieser Plattform entwickelt, sondern eben auch viele andere kreative Köpfe. Daran arbeiten wir.

Sie müssten bei HANA mit gutem Beispiel vorangehen. Wann wird SAP selbst auf HANA umstellen und wichtige Prozesse wie Finanzbuchhaltung oder Kundenmanagement über HANA laufen lassen?
Das haben wir für nächstes Jahr geplant.

Weiß das Ihr IT-Chef Oliver Bussmann schon?
Aber sicher (lacht). Wir werden damit einer der ersten sein.

Wenn HANA eines Tage das Rückgrat der IT darstellt, wird es für Unternehmen theoretisch möglich sein, zu jedem beliebigen Zeitpunkt eine Übersicht über die wirtschaftliche Lage zu erhalten. Was bedeutet das für die Unternehmen und die Art und Weise wie Entscheidungen getroffen werden?
Unternehmen können ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln. Analyse von riesigen Datenmengen und Management von komplexen Prozessen in Echtzeit heißt ja nicht nur deutlich mehr Schnelligkeit. Es bedeutet vor allem mehr Zeit und bessere Einblicke, um Strategien anzupassen und Prozesse neu zu erfinden. Nehmen Sie z.B. das weite Feld der Promotion von Konsumgütern. Mit HANA können sie nicht nur viel schneller erfolgreiche von nicht erfolgreichen Werbeaktionen unterscheiden. Sie können vor allem Ihren Bedarf besser planen, Kundenbindungen ganz neu gestalten, durch individuelle Rabatte direkt beim Kauf und weitere personalisierte Angebote.

Aber werden die Manager nicht eines Tages zu langsam für ihre eigene IT?
Nein. Im Gegenteil. Manager wie ein CFO oder ein CEO können selber viel früher ins laufende Geschäft eingreifen, weil sie in Echtzeit Unternehmenskennzahlen auf ihre mobilen Geräte geliefert bekommen.

Nun laufen drei von vier SAP-Lösungen auf Oracle-Datenbanken. Mit HANA wird die Konkurrenz zu den Datenbank-Herstellern steigen, vor allem zu Oracle. Und Sie verkaufen ja Oracle-Datenbanken. Wie lange noch?
Wir verabschieden uns nicht aus dem traditionellen Datenbankgeschäft. Solange seitens der Kunden die Nachfrage da ist, werden wir relationale Datenbanken verkaufen. Wir selbst haben auch hochleistungsfähige relationale Datenbanken mit Sybase ASE und Sybase IQ im Portfolio, die stark nachgefragt sind bei unseren Kunden.

Haben Sie Hinweise darauf, dass Oracle bei Ihnen den Stecker zieht?
Nein. Wir haben unseren Kunden immer Wahlmöglichkeiten gegeben. Offenheit heißt Wettbewerb und das ist gut für die Branche. Deshalb werden wir auch in Zukunft alle wichtigen Datenbanken unterstützen - auch die von Oracle.

Bildquellen: SAP AG

Aktuelle Zertifikate von

(Anzeige)

Nachrichten zu SAP SE

  • Relevant
  • Alle1
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu SAP SE

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
11:31 UhrSAP SE Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
17.02.2017SAP SE HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
16.02.2017SAP SE Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
13.02.2017SAP SE overweightBarclays Capital
13.02.2017SAP SE overweightJP Morgan Chase & Co.
11:31 UhrSAP SE Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
16.02.2017SAP SE Conviction Buy ListGoldman Sachs Group Inc.
13.02.2017SAP SE overweightBarclays Capital
13.02.2017SAP SE overweightJP Morgan Chase & Co.
10.02.2017SAP SE overweightMorgan Stanley
17.02.2017SAP SE HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
10.02.2017SAP SE HoldKepler Cheuvreux
24.01.2017SAP SE HaltenIndependent Research GmbH
24.01.2017SAP SE HoldSociété Générale Group S.A. (SG)
11.01.2017SAP SE HaltenIndependent Research GmbH
24.10.2016SAP SE UnderperformBNP PARIBAS
19.10.2016SAP SE UnderperformJefferies & Company Inc.
11.10.2016SAP SE ReduceOddo Seydler Bank AG
21.09.2016SAP SE UnderperformBNP PARIBAS
06.09.2016SAP SE UnderperformBNP PARIBAS
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für SAP SE nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Analysen
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Familienunternehmen: Rendite und Sicherheit!

Zwischen Eigentümern und Managern eines Unternehmens besteht häufig ein Interessenskonflikt hinsichtlich kurz- und langfristiger Ziele. Familien- und eigentümergeführte Unternehmen haben solche Konflikte meist nicht. Für Aktionäre sind solche Unternehmen daher meist eine lohnenswerte Investitionsmöglichkeit. Im neuen Anlegermagazin lesen Sie, welche drei Familienunternehmen einen näheren Blick wert sind.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX fester -- Telekom-Aktie führt DAX an: Gerüchte über Fusion von Sprint und T-Mobile US beflügeln -- Covestro belohnt Aktionäre nach Gewinnverdopplung -- Kraft Heinz, Unilever, Air Berlin im Fokus

Facebook kommt bald auch im Fernsehen - Direktangriff auf YouTube. EU-Kommission verwarnt Italien anscheinend wegen steigender Schulden. Spaceship: So will Apple die erwarteten Menschenmassen am neuen Hauptquartier managen. Schulz: 'Das Grexit-Gerede ist gefährlich'. Bertrandt leidet unter Preisdruck. Immobilienboom setzt sich fort.
Mit welchem Beruf kommt man am ehesten an die Spitze?
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Die Top-Positionen von Warren Buffett
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

So haben sich Apple, SAP, Zalando und Co. entwickelt
Jetzt durchklicken
Die Millionen-Dollar-URLs
Jetzt durchklicken
Welche Airline schneidet am besten ab?
Jetzt durchklicken
Wer verzeichnet den höchsten Umsatz?
Jetzt durchklicken
In diesen Ländern ist die Korruption besonders hoch
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Seit diesem Wochenende gelten in Deutschland neue gesetzliche Regelungen zum Fracking. Wie stehen Sie zu der umstrittenen Fördermethode?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Allianz840400
Unilever N.V.A0JMZB
Deutsche Telekom AG555750
Apple Inc.865985
Volkswagen AG Vz. (VW AG)766403
E.ON SEENAG99
GAZPROM PJSC (spons. ADRs)903276
CommerzbankCBK100
BASFBASF11
Scout24 AGA12DM8
BMW AG519000
TeslaA1CX3T
Covestro AG606214