29.01.2013 19:00
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SAP-Finanzchef: Wir wollen profitabel wachsen

SAP-Finanzchef Brandt: Wir wollen profitabel wachsen
Interview
Werner Brandt, der Finanzvorstand des Walldorfer Softwareriesen SAP will im laufenden Jahr strikt auf die Kosten achten und bei der operativen Marge so einen kräftigen Sprung nach vorn machen.
€uro am Sonntag

Die SAP-Aktie hat zum Jahresanfang ihren Höhenflug zunächst ungebremst fortgesetzt. Doch Mitte Januar, nach der Veröffentlichung der Eckzahlen für 2012, geriet das Papier vorübergehend unter Druck. Investoren reagierten verschnupft, weil der Konzern beim Betriebsergebnis die eigene Vorgabe knapp verfehlte. Mit einem positiven Ausblick auf der Jahrespressekonferenz am vergangenen Mittwoch haben die Walldorfer ihre Anleger aber wieder versöhnt. €uro am Sonntag sprach mit Finanzvorstand Werner Brandt über die Prognose, den möglichen Kapitalbedarf und seine Margenziele 2013.

Herr Brandt, der Markt für Unternehmenssoftware soll im laufenden Jahr um gut sechs Prozent wachsen. SAP will praktisch doppelt so schnell zulegen. Woher nehmen Sie diesen Optimismus?
Werner Brandt:
Wir haben uns immer das Ziel gesetzt, doppelt so schnell zu wachsen wie der Markt. Das haben wir in unserer Unternehmensgeschichte auch geschafft und das wollen wir auch 2013 fortführen.

Sie schreiben die Vergangenheit einfach in die Zukunft fort?
Nein, so einfach machen wir uns das nicht. Wir planen auf Basis unserer Vertriebspipeline. Diese Daten gleichen wir ab gegen die Erwartungen der Industrie-Analysten und das erwartete Wirtschaftswachstum in den jeweiligen Ländern.

Und die Kunden sind weiter investitionsbereit... ?
...und unsere Pipeline ist entsprechend voll.

Bei SAP sind die Kosten im Vorjahr stärker gestiegen als der Umsatz. Unterm Strich haben Sie beim Betriebsergebnis mit 5,02 Milliarden Euro die eigene Zielvorgabe knapp verfehlt. Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich eine solche Enttäuschung nicht wiederholt?
2012 haben wir bewusst investiert in strategische Innovationen und in unseren globalen Vertrieb. Wir haben unsere Echtzeit-Computing-Plattform HANA vorangetrieben und stark in die Entwicklung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter investiert. Mit der Übernahme von SuccessFactors und Ariba haben wir unsere Marktstellung im Cloud-Geschäft erheblich ausgebaut. Daneben haben wir unseren Vertrieb gestärkt und hierfür rund 2.000 zusätzliche Mitarbeiter an Bord geholt. Diese neuen Mitarbeiter sind nicht vom ersten Tag an voll produktiv. Das dauert in der Regel sechs bis neun Monate. Dazu kommen rund 2.000 neue Mitarbeiter in den Bereichen Entwicklung und Support. Das Jahr 2013 ist das Jahr der Fokussierung: Wir wollen unsere Potenziale heben – vor allem bei HANA und in der Cloud und in unseren Wachstumsmärkten. Aber klar ist auch: Wir sind ein Wachstumsunternehmen und wollen profitabel wachsen.

Wie wollen Sie das schaffen?
Es gibt zwei wesentliche Hebel: Einerseits werden wir im laufenden Jahr wesentlich weniger Mitarbeiter einstellen als im Vorjahr. Den Personalbedarf werden wir jeweils in Abhängigkeit von unserer Unternehmensentwicklung treffen und zwar von Quartal zu Quartal. Wir werden vor allem kundennahe Mitarbeiter einstellen. Zweitens werden wir sehr streng auf Effizienz achten. Dies betrifft alle unterstützenden Funktionen.

Eine andere Stellschraube wäre der Aufwand für Forschung und Entwicklung (FuE). SAP hat zuletzt rund 13 Prozent vom Umsatz in neue Produkte gesteckt. Wird das so bleiben?
Die Gesamt-Aufwendungen werden absolut gesehen weiter steigen, aber prozentual zum Umsatz werden sie sinken. Im Verhältnis zum Umsatz peilen wir für FuE Aufwendungen traditionell eine Bandbreite zwischen 12 und 13 Prozent an. Im vergangenen Jahr lagen wir bei 13 Prozent und damit 30 Basispunkte niedriger als 2011. Eine ähnliche Verringerung kann ich mir auch im laufenden Jahr vorstellen.

Bei der um bestimmte Effekte bereinigten operativen Marge haben Sie im Vorjahr mit 31,9 Prozent einen Rückgang von 110 Basispunkten hinnehmen müssen. Für 2015 haben Sie ein Langfristziel von 35 Prozent ausgegeben. Wo sehen Sie die operative Marge im laufenden Jahr?
Wenn man die Eckzahlen unseres Ausblicks und die Bandbreite für das Betriebsergebnis von 5,85 bis 5,95 Milliarden Euro zugrunde legt, dann käme man rechnerisch auf eine währungsbereinigte Marge von etwa 33 Prozent. Das wäre ein Zuwachs um 100 Basispunkte.

Die USA sind traditionell ihr umsatzstärkster Markt. Dort hat SAP binnen Jahresfrist bereits den dritten Chef berufen. Das hat unter Analysten die Sorgen geschürt, dass das Geschäft nicht mehr so rund läuft. Können Sie uns beruhigen?
Wir haben zum Jahreswechsel die Vertriebsregion Nord- und Südamerika zusammengelegt und dem langjährigen und sehr erfolgreichen Leiter der Region Lateinamerika, Rodolpho Cardenuto, die Verantwortung für unser gesamtes Amerika-Geschäft übertragen. Aufgrund dieser Zusammenlegung hat unsere damalige US-Chefin ihre Konsequenzen gezogen. Das Geschäft in Nordamerika ist aber grundsolide.

Wie hat sich Ihr US-Geschäft zum Jahrschluss denn entwickelt?
Wir haben in der gesamten Region Amerika im vierten Quartal ein Wachstum der Software- und Cloud-Subskriptions-Erlöse von 24 Prozent gehabt. In den USA war das Wachstum noch stärker.

Also ist der erneute Führungswechsel nicht auf ein stockendes US-Geschäft zurückzuführen? Nein. Natürlich war das vierte Quartal insgesamt angespannt. Dabei hat die Diskussion um das Fiscal Cliff eine Rolle gespielt. Das hat auch dazu geführt, dass einige größere Transaktionen verschoben wurden. Aber nachdem sich hier eine Lösung abzeichnet, gehen wir davon aus, dass diese Aufträge jetzt nach und nach frei gegeben werden. Um es ganz klar zu machen: Die jüngsten Veränderungen im Vertrieb sind in die Zukunft gerichtet, um Synergien in den beiden Regionen Nord- und Südamerika zu realisieren. Wir haben dasselbe auch in Europa gemacht und dem bisherigen Leiter der Region Deutschland, Österreich, Schweiz, Micheal Kleinemeier, zusätzlich die Verantwortung für die Region Osteuropa und Russland übertragen.

SAP hat im Vorjahr 2,4 Milliarden Euro über zwei Anleihen aufgenommen. Werden Sie auch 2013 den Kapitalmarkt anzapfen?
Wir nutzen Anleihen gezielt, entweder zur Finanzierung von Akquisitionen oder zur Refinanzierung von Krediten. Wir haben ja gerade erst das Akquisitionsdarlehen, das wir für Ariba aufgenommen hatten, über einen Eurobond von 1,3 Milliarden und eine Privatplatzierung in den USA über 1,1 Milliarden Euro refinanziert. Bei beiden haben wir sehr attraktive Zinsen erzielt. Für weitere Kapitalmaßnahmen besteht derzeit kein konkreter Bedarf.

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