"Wir wollen unseren Umsatz in der Region bis zum Jahr 2015 um mehr als 60 Prozent steigern", sagte Konzernchef Marijn Dekkers am Mittwoch in Shanghai bei der Eröffnung einer neuen Kunststoff-Produktionsanlage. Bei heutigen Wechselkursen entspreche dies einem Umsatz von deutlich mehr als elf Milliarden Euro. Greater China habe dabei ein besonderes Gewicht: Allein dort solle sich der Umsatz von 2,9 Milliarden Euro 2010 auf rund sechs Milliarden Euro 2015 mehr als verdoppeln.
Zum geplanten Wachstum in der Region sollen laut Dekkers aber auch Indien und Japan beitragen. Auch in Indien solle sich der Umsatz von zuletzt gut 0,5 Milliarden auf rund eine Milliarde Euro verdoppeln. In Japan sei ein Anstieg von knapp zwei Milliarden auf rund 2,4 Milliarden Euro geplant. Das Wachstum will Bayer durch einen Ausbau der Produktion, eine Erweiterung des Vertriebsnetzes und eine Verstärkung der Forschung erreichen.
Bis zum Jahr 2015 seien in Asien Investitionen in Sachanlagen von weiteren 1,8 Milliarden Euro geplant, sagte Dekkers. Damit will Bayer die Verfügbarkeit seiner Produkte verbessern. Allein in den Ausbau der Kunststoff- und Lackrohstoffproduktion in China will Bayer bis 2016 eine weitere Milliarde Euro stecken. Damit soll beispielsweise die Kapazität des Hartschaumkunststoffs MDI verdoppelt werden.
"Neue Kapazitäten baut man dort, wo die Nachfrage am größten ist", erklärte Dekkers. Das Wachstum in China sei gewaltig. Dort sei der Konzern seit Jahren mit großen Produktionsanlagen vertreten. In die Produktion der wichtigsten Kunststoffe des Konzerns investierte Bayer in den Chemiepark bei Shanghai 2,1 Milliarden Euro. Überkapazitäten befürchtet Dekkers nicht. Die Abkühlung in der Bauwirtschaft in China im dritten Quartal sei politisch gesteuert. Die Regierung wolle Blasen gezielt vermeiden. Insbesondere der Immobilienmarkt in bestimmten Regionen Chinas galt zuletzt als überhitzt.
Doch nicht nur bei Kunststoffen verspricht sich Dekkers in China ein weiterhin starkes Wachstum. Auch Pflanzenschutzmittel und Saatgut seien wegen des höheren Bedarfs rasant wachsende Märkte. Darüber hinaus entwickele sich auch das Gesundheitswesen sehr dynamisch. Entscheidende Treiber seien das rapide Bevölkerungswachstum bei einer zunehmenden Verstädterung, ein höherer Lebensstandard mit dem Einzug von Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes sowie die zunehmende Mobilität.
Auch das Personal will Dekkers in Asien angesichts gewaltiger Wachstumsperspektiven deutlich aufstocken. Allein in den vergangenen zwölf Monaten sei die Zahl der Beschäftigten in Asien um knapp acht Prozent gestiegen. Auch für die kommenden Jahre sei "ein dynamisches Wachstum" zu erwarten. Bayer will die Zahl der Mitarbeiter in Asien bis 2015 von knapp 24.000 im Vorjahr auf über 30.000 erhöhen. Allein in China kletterte die Zahl im Gesundheitsgeschäft in diesem Jahr bereits um rund 1.000 auf etwa 6.500 - insgesamt beschäftigt der Bayer-Konzern in China rund 11.000 Mitarbeiter. "Neben der Stärkung der Kernmärkte in Nord- und Südchina wollen wir unsere Aktivitäten auf weitere 200 Städte ausdehnen, in denen wir bislang noch nicht vertreten sind", sagte Dekkers.
Unmittelbar nach seinem Amtsantritt in Leverkusen vor gut einem Jahr hatte Dekkers zur Stärkung der Schlagkraft des Konzerns die Streichung von weltweit 4.500 Stellen in den westlichen Industrieländern und den gleichzeitigen Aufbau von 2.500 Stellen in den Schwellenländern angekündigt. Damit will Bayer Mittel für Investitionen in Wachstummärkte frei machen und zudem Kosten sparen. Mehr Innovation und weniger Administration lautet dabei sein Leitmotiv.
SHANGHAI (dpa-AFX