von Jens Castner, €uro am Sonntag
Mit den Neunmonatszahlen hat Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) in dieser Woche gezeigt, dass die Rekordwerte des Jahres 2008 keine Eintagsfliege waren. Nach den ersten drei Quartalen gingen bereits Erlöse von 293,9 Millionen Euro durch die Bücher des österreichischen Ölfeldzulieferers – ein Plus von 36,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Nettogewinn hat sich auf 37,3 Millionen Euro (2,31 Euro je Aktie) mehr als verdoppelt.
Das Unternehmen mit Sitz in Ternitz, etwa auf halbem Weg zwischen Wien und Graz, hatte während der Ölpreisrally 2008 einen Umsatz von 388,7 Millionen Euro erwirtschaftet Als nach der Lehman-Pleite erst die Konjunktur und dann der Ölpreis zusammenbrach, strich die Förderindustrie gnadenlos Budgets zusammen. Der Umsatz von Schoeller-Bleckmann sank 2009 um mehr als 35 Prozent auf 251,6 Millionen Euro und erholte sich im Jahr darauf nur schleppend auf 307,7 Millionen Euro.
Immerhin: Die hohe Marge – in guten Jahren deutlich über 20 Prozent vor Steuern und Zinsen – bewahrte das Unternehmen davor, in die Verlustzone zu rutschen. Selbst im Horrorjahr 2009 kam noch ein Ergebnis von 96 Cent je Aktie heraus. Doch seit dieser Zeit bestimmt der Ölpreis das Auf und Ab des Aktienkurses.
Zu Unrecht, meint Vorstandschef Gerald Grohmann. „Wir können heute auf der Kostenseite schnell und flexibel reagieren“, sagt er. Zudem sollte SBO mit einer Eigenkapitalquote von 50 Prozent und geringer Verschuldung in der Lage sein, selbst eine längere Krise durchzustehen. Darüber hinaus profitiert das Unternehmen von seiner Innovationskraft: Mit SBO-Bohrwerkzeugen können Ölfelder – auch in tiefen Gewässern – nicht mehr nur von oben (vertikal) angebohrt werden, sondern auch seitlich und auf Umwegen (direktional). Da die Österreicher die Technik kontinuierlich verbessern, könnten die Ölvorräte wesentlich länger reichen als bisher geschätzt. „Mit den heutigen Mitteln kann man nur ein Drittel des Öls aus den Lagerstätten herausholen. Wir arbeiten daran mit, dass es mehr wird“, sagt Grohmann.

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In etlichen Nischen reklamiert SBO die Weltmarktführerschaft für sich. SBO produziert nichtmagnetische Hightechgehäuse (etwa für Sensoren und Generatoren) und Hochpräzisionsteile, an denen elektrische Komponenten wie Analyse- und Messgeräte befestigt sind. Weitere Kernprodukte des 1400-Mitarbeiter-Unternehmens sind Bohrmotoren, die sich durch hohe Energieeffizienz, lange Lebensdauer und niedrige Instandhaltungskosten auszeichnen.
Obwohl der Namenszusatz „Oilfield Equipment“ nahelegt, dass es um Öl geht, ist Gas die noch spannendere Wachstumsstory. In den USA hat sich ein Trend zur Gasförderung in Schiefergestein herausgebildet. Dieses sogenannte Shale Gas kann dank des technologischen Fortschritts – nicht zuletzt auch wegen der Motoren und Hochleistungskomponenten von SBO – endlich profitabel gefördert werden. Da es auch in Europa, unter anderem in Norddeutschland und den Niederlanden, größere Gasvorkommen in Schiefergesteinschichten gibt, könnte der Boom bald auf den Alten Kontinent übergreifen.
Investor-Info
Die Aktie
Fulminante Erholung
Der sommerliche Börseneinbruch hat dem Kurs von Schoeller-Bleckmann schwer zugesetzt. Umso fulminanter war die Erholung in den vergangenen Wochen. Die Neunmonatszahlen sorgten für weiteren Auftrieb. Die Analysten von Deutscher Bank und Commerzbank sind allerdings skeptisch. Sie befürchten, dass ein neuerlicher Wirtschaftsabschwung das Unternehmen härter treffen könnte, als das Management erwartet.
Die Alternative
Bonuszertifikat mit Cap
Wer es mit den Experten der Deutschen Großbanken hält, kann sich absichern und bis September 2012 trotzdem über 16 Prozent Rendite einfahren. Ein Capped Bonuszertifikat der Ersten Bank bietet auch bei Rückschlägen die Chance auf eine Auszahlung von 72 Euro (ISIN: AT 000 0A0 S8F 6). Verluste drohen nur, wenn die untere Barriere bei 45 Euro berührt wird.
Bildquellen: Thinkstock/Getty Images