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aktualisiert: 12.08.2011 06:38

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INVESTMENT-IDEE

Warum Pharma Anlegern neue Chancen bietet



Michael Schmidt, Union Investment
In den vergangenen Jahren wies der Pharmasektor eine relative Underperformance auf. Seit Anfang 2011 hat sich der Trend jedoch gedreht. Die Gründe, die Chancen.

Michael Schmidt, Gastautor von Euro am Sonntag

Pharmawerte galten in den vergangenen Jahren als „Sorgenkinder“ an den Aktienmärkten. Zwar wurden die langfristig positiven Aussichten des Sektors kaum bestritten. Die ­alternde Gesellschaft in den entwickelten Volkswirtschaften sowie die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern sorgen schließlich dafür, dass der Bedarf an Medikamenten zunimmt. Gute Aussichten für die Arzneimittelher­steller, sollte man meinen. Dennoch konnte die Branche über lange Jahre von der allgemeinen Aufwärts­bewegung an den Börsen nicht profitieren. Warum?

Der Hauptgrund lag in der ­Vielzahl auslaufender Patente. Für Pharmaunternehmen ist der Schutz ihrer Produkte vor Nachahmern ­enorm wichtig, denn die Entwicklung von Medikamenten ist teuer. Forschung und Zulassungsverfahren verschlingen immense Summen, und der Erfolg ist alles andere als garantiert. Kein Unternehmen nähme die Kosten auf sich, würden bei gelungener Markteinführung nicht lukrative Gewinne winken. Läuft das Patent aus, treten Wettbewerber in den Markt ein – und die Marge sinkt. Derzeit verlieren viele Medikamente diese Exklusivrechte. Den Unternehmen bricht wegen dieser sogenannten Patentklippe eine Reihe ihrer größten Umsatzbringer („Blockbuster“) weg, und sie müssen für Ersatz sorgen.


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Genau daran haperte es in der Vergangenheit. Der Sektor konnte nur auf eine geringe Zahl Erfolg versprechender Mittel in der Entwicklung verweisen. Zudem genehmigte die US-Zulassungsbehörde nur wenige neue Medikamente für den Vertrieb im weltweit wichtigsten Pharmamarkt. Kurz­um: In den Jahren 2009 und 2010 schwächelte der Pharmasektor, während die Märkte deutlich stiegen.

Pharmaprodukt-Pipeline
ist wieder gut gefüllt

Seit Anfang 2011 hat sich die Situa­tion spürbar verändert. Ein wesentlicher Grund: Die Unternehmen melden Erfolge im Zulassungsverfahren. Die Produktpipeline ist mittlerweile so gut gefüllt wie lange nicht mehr. Ob in der Krebstherapie, bei MS oder Hepatitis C – bei vielen weitverbreiteten Krankhei­ten zeichnen sich neue Therapien ab. Auch in der personalisierten Medizin, also bei auf die Genstruktur des einzelnen Patienten abgestimmten Medikamenten, macht die Industrie große Fortschritte. Die Entwicklungszeiten fallen kürzer aus als angenommen. Dadurch sinken die Kosten, und die Mittel tragen schneller zum Umsatz bei. In den USA wurden zudem die Genehmigungsverfahren präzisiert. Insgesamt haben sich die Gewinnperspektiven der Unternehmen dadurch spürbar verbessert. Diese Entwicklung ist auch der Börse nicht entgangen. Seit Jahresanfang kletterte der MSCI World Pharma um 6,2 Prozent, während der breite Aktienmarkt nur um 1,8 Prozent zulegen konnte. Ist der Pharmaaufschwung damit bereits beendet? Nein. Für eine Fortsetzung der Hausse spricht neben einer neuen Gewinndynamik vor allem das Bewertungsniveau. Trotz der Zuwächse bleiben Pharma­aktien günstig. Für 2011 liegt das KGV im Durchschnitt etwa bei elf und damit deutlich unter dem langfristigen Branchenmittel. Zudem war der Sektor zuletzt von einer Übernahmewelle gekennzeichnet. Durch die Akquisition von Wettbewerbern sichern sich die Käufer deren Patente und damit weiteres Umsatzpotenzial.

Für Pharmainvestments braucht es
gute Branchenkenntnisse

Der Pharmasektor hat die Trendwende geschafft. Nach mageren Jah­ren stehen die Zeichen für steigen­de Notierungen gut. Anleger sollten jedoch Vorsicht walten lassen, denn Pharma ist nicht gleich Pharma. Ob ein Unternehmen Kurs­chancen bietet, hängt entscheidend von dessen Produktentwicklungen ab. Die Beurteilung der Erfolgswahrscheinlichkeit einer Neuzulassung sowie deren Marktpotenzial setzt jedoch medizinisches Fachwissen voraus. Für Privatan­leger ohne entsprechende Kenntnisse empfiehlt sich daher die Investition in einen aktiv geführten Aktienfonds mit Spezialisierung auf die Pharmabranche.

zur Person:

Michael Schmidt, Leiter des
Aktienportfolio­managements bei Union Investment

Bevor Schmidt 2009 seinen Posten bezog, zeichnete er unter anderem für das Portfoliomanagement von Aktien, schwerpunktmäßig für institutionelle Kunden aus dem In- und Ausland, verantwortlich. Union Investment ist der Vermögensverwalter im Finanzverbund der Volks- und Raiffeisenbanken.

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