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06.10.2010 06:00

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INVESTMENT-IDEEN

Obama-Börse: Diese US-Aktien muss man haben

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US-Aktien: Tiefpunkt erreicht
Das schwache Wachstum in den USA drückt die Stimmung an der Wall Street. Warum das ein ideales Umfeld für Aktien ist

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Yes, we can. Fünf Wochen vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress, der die Gesetzgebung im Land bestimmt, bekommt der Wahlkampfslogan von US-Präsident Barack Obama eine unerwartete Bedeutung: Mit populistischen Forderungen gelingt es einer spontanen, ultrakonservativen Bewegung mit dem harmlosen Namen Tea Party, den Frust der US-Bürger in regionale Wahlerfolge zu verwandeln.

Während sich die Gewinne der meisten US-Konzerne von ihren Tiefs schneller erholt haben als erwartet, fühlen sich viele Amerikaner von der jüngsten Konjunkturerholung ausgeschlossen. Die Signale einer angeblichen Stabilisierung der Wirtschaft sind bei ihnen nicht angekommen. Wer den Job verloren hat und zusätzlich Hypothekenkredite ab­bezahlen muss, steht vor dem Nichts. Die Arbeitslosenquote ist mit gut neun Prozent auf Rekordniveau, eine Erholung ist nicht in Sicht. Auch nicht für den Häusermarkt.

Obama steht für die Einführung der Krankenversicherungspflicht und für eine stärkere Einflussnahme des Staates auf die Wirtschaft. Auch wenn Letzteres zur Überwindung der Rezession beigetragen hat, gipfelt der Populismus der Tea-Party-Anhänger in Beschimpfungen des Präsidenten als Sozialist und Kommunist. Auf Plakaten wird Obama als Joker dargestellt, dem brutalen Bösewicht aus den „Batman“-Filmen.Die Bewegung ist mehr als ein Spuk aus Fantasystreifen. Nach einer Umfrage des „Wall Street Journal“ und des Nachrichtensenders NBC ist die Tea Party inzwischen eine ernst zu nehmende politische Kraft. Gut 70 Prozent der Republikaner sympathisieren mit ihr.

Deutlich höhere Steuern ab 2011 bergen zusätzlichen sozialen Sprengstoff. Rund 270 Milliarden Dollar mehr müssen Amerikaner ab dem 1. Januar bezahlen, wenn es Demokraten und Republikanern bis Jahres­ende nicht gelingt, bei der Verlän­gerung der Steuererleichterungen aus der Ära des Obama-Vorgängers George Bush einen Kompromiss zu finden. Derzeit spricht wenig dafür, dass es noch rechtzeitig gelingt.Dabei liegen die beiden großen Parteien gar nicht so weit auseinander. Der Streit dreht sich nur um die Verlängerung der Vergünstigungen für die reichsten zwei Prozent der US-Bürger. Während Obama mit deren Steuergeldern den Haushalt sanieren will, pochen die Republikaner auf eine Verlängerung der niedrigeren Abgaben für alle. Nach den Erfolgen der Tea Party umso mehr.

Eine Blockade in der Steuerpolitik würde den Zuwachs des verfügbaren Einkommens der Bevölkerung in den ersten drei Monaten 2011 um zehn Prozentpunkte verringern, schätzt Goldman-Sachs-Ökonom Alec Philips. Sollten alle Steuererleichterungen auslaufen, werde das Wachstum der US-Wirtschaft im kommenden Jahr „um mindestens einen Prozentpunkt geringer ausfallen“, warnt auch Tobias Levkovich, Chefstratege für den US-Aktienmarkt bei der Citi­group.

Die Börse zeigt sich unbeeindruckt. Lahmender Aufschwung und drohende politische Pattsituation ließ den Panik-Euphorie-Index der Citi­group auf ein Jahrestief bei minus 0,49 Punkten abstürzen. Ein gutes Zeichen: Jedes Mal, wenn der zur Einschätzung der Anlegerstimmung entwickelte Index einen Tiefpunkt erreicht, ziehen die Aktienkurse in den Folgemonaten deutlich an.
„Auf keinen Fall verkaufen“, schließt Aktienstratege Levkovich daraus. Die Wahrscheinlichkeit für steigende Kurse liege bei über 90 Prozent. Im März 2009, als der Panik-Euphorie-Index bei minus 0,46 Punkten notierte, legte der S & P 500 in den darauffolgenden Monaten um mehr als 80 Prozent zu. Und im Oktober 2002, als der Index bei minus 0,36 notierte, setzte eine fünfjährige Rally ein.Für die kommenden 15 Monate erwartet Levkovich für US-Aktien deshalb ein Plus von 20 Prozent. Das Ziel für den S & P, in dem die Aktien der 500 größten Unternehmen zusammengefasst sind, sieht er bei 1300 Punkten.
Die Erholungsrally hat bereits eingesetzt. Seit Ende August hat der amerikanische Bluechip-Index um neun Prozent zugelegt. Es war der stärkste Zuwachs in einem September seit 1936, berichtet die US-Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Berichtssaison für das dritte Quartal sollte zusätzlich für positive Impulse sorgen. Adidas-Konkurrent Nike, Haushaltswarenkonzern Bed Bath & Beyond und Softwarehersteller Red Hat, die ihre Zahlen bereits vorgelegt haben, waren klar besser als erwartet.Allerdings ist die Stimmung im Technologiesektor, der traditionell mit einem besseren zweiten Halbjahr glänzt, eher gedämpft. Zwar überraschte der Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) am Mittwoch mit einer starken Prognose für 2011. Fünf bis sieben Prozent Umsatz- und 14 Prozent Gewinnwachstum will der Konzern erzielen, dem künftig Ex-SAP-Chef Léo Apotheker vorstehen soll. Dagegen hatte der Chip­riese Intel die Prognose für das dritte Quartal Ende August zurückgenommen. Begründung: Der PC-Absatz in den Industrieländern sei schwächer als erwartet. Ähnlich vorsichtig äußerten sich auch die Chiphersteller für Unterhaltungselektronik.

Die Unsicherheit also bleibt – und damit das Potenzial für positive Überraschungen. Denn ohne eindeutige Signale einer anziehenden Konjunktur schätzen die Analysten die Gewinnsituation der Unternehmen tendenziell eher zu vorsichtig ein. „Solange die Wirtschaft nicht wieder in die Rezession rutscht, gehen wir davon aus, dass viele Unternehmen die Erwartungen übertreffen können“, trommelt etwa David Bianco, Chefstratege für US-Aktien bei der Bank of America/Merrill Lynch.

Dennoch ist die Stimmung am größten Aktienmarkt der Welt von einem starken Drang nach Sicherheit geprägt. Während aus US-Aktienfonds weiter Geld abfließt, bleiben die Zuflüsse in Anleihefonds hoch. Genau deshalb dürfte es sich lohnen, antizyklisch in Aktien einzusteigen. Vor allem drei Strategien bieten sich am US-Markt an, um überdurchschnittliche Renditen einzufahren.

Strategie 1 Dividenden
Wie viel Rendite Aktien von Unternehmen mit einer über Jahrzehnte zuverlässigen Ausschüttungspolitik bringen, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher. Dividenden machten im S & P 500 seit 1926 mehr als 40 Prozent des Wertzuwachses aus.Sogar in Japan hätten Anleger mit den dividendenstärksten Aktien in den vergangenen 20 Jahren ­positive Ergebnisse erzielt, erklärt ­Andrew Lapthorne, Anlagestratege der französischen Großbank Société Générale. Und was für Ergebnisse: Seinen Berechnungen zufolge waren mit simplen Dividendenstrategien seit 1990 etwa 150 Prozent Gewinn zu erzielen, während der Nikkei um 80 Prozent nachgab.Unternehmen wie der Pharma- und Kosmetikhersteller Johnson & Johnson, die seit Jahrzehnten zuverlässig Dividenden zahlen (und erhöhen), behaupten ihre Favoritenrolle an der Wall Street deshalb nahezu unabhängig von Wirtschaftszyklen.


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Aktuell kommt hinzu, dass die größten US-Konzerne nach der Überwindung der Wirtschaftskrise über so viel Bargeld verfügen wie schon lang nicht mehr. Berechnungen von Goldman Sachs zufolge haben die Cashreserven der Unternehmen aus dem S & P 500 außerhalb des Finanzsektors im Vergleich zu den anderen Vermögenswerten der Unternehmen einen Anteil von 10,6 Prozent erreicht – Rekord. Zum Vergleich: Vor dem Ausbruch der Finanzkrise waren es weniger als neun Prozent, nach dem Abschwung in den Jahren 2001/2002 weniger als sechs Prozent. Rund 40 Prozent dieser Reserven werden in der Regel als Dividenden ausbezahlt oder in den Kauf eigener Aktien investiert. So erhöhte die weltweit größte Restaurantkette, McDonald’s, vor wenigen Tagen die quartalsweise ausgezahlte Dividende um elf Prozent auf 61 US-Cent pro Aktie. Vor einem Jahr hatte der Konzern, dessen Gewinnwachstum trotz Wirtschaftskrise stark blieb, seine Aktionäre mit einem Plus von zehn Prozent belohnt.

Strategie 2 Schwellenländer
Wachstumsdellen im Heimatmarkt gleichen global aufgestellte US-Konzerne wie Wal-Mart spätestens seit den Erfahrungen in der jüngsten Rezession mit Wachstum in Schwellenländern aus. Der größte amerikanische Einzelhandelskonzern hat den schwarzen Kontinent für sich entdeckt, wie ein Übernahmeangebot für den südafrikanischen Konkurrenten Massmart beweist. Mit Präsenzen in 14 Ländern kommt rund ein Viertel des Wal-Mart-Umsatzes inzwischen aus dem Ausland. Am Heimatmarkt muss der Handelriese dagegen härter kämpfen als in der Vergangenheit. Der Umsatz der US-Filialen, die länger als ein Jahr existieren, schrumpft seit fünf Quartalen in Folge.
Kosmetikriese Avon, der mehr als die Hälfte des Umsatzes in Schwellenländern einfährt, überzeugte bei der Bilanz fürs zweite Quartal wegen des starken Wachstums in Lateinamerika.

Strategie 3 Margen
Während es den meisten Unternehmen durch den zum Teil drastischen Kostenabbau während der Krise gelungen ist, den Gewinn in der anschließenden wirtschaftlichen Erholung stärker als erwartet zu steigern, waren Zuwächse beim Umsatz gering. Im Durchschnitt blieben die Unternehmen mit den Halbjahreszahlen hier sogar unter den Erwartungen.

Bei nachlassendem US-Wirtschaftswachstum sollten deshalb vor allem jene Unternehmen weiterhin positiv überraschen, die vergleichsweise geringe und vor allem variable Fixkosten haben. Der Vorteil: Mit Kostensenkungen können sie schnell auf eine schwächere Umsatzentwicklung reagieren, um ihre Gewinn­margen zu halten.
Zu den Top-Favoriten in dieser Disziplin zählen nach Einschätzung von Goldman Sachs zum Beispiel der Kreditkartenanbieter Visa oder der Tabakkonzern Altria, der zudem mit mehr als fünf Prozent Dividendenrendite überzeugt.

Investor-Info

Panik-Euphorie-Indikator
Starke Kaufsignale
Der Volatilitätsindex Vix sei zu einfach, sagt Citi-Chefstratege Levkovich. Mit dem Panik-Euphorie-Index, der aus zehn bis zwölf Faktoren besteht, könne man komplexe Märkte besser interpretieren. Sinkt der Indikator unter die Panikschwelle, ist mit steigenden Kursen zu rechnen.

Amerikanische Bluechips
Wieder günstig
Den starken Anstieg der Bewertung nach der überwundenen Rezession haben die S & P-500-Aktien inzwischen abgebaut. Zuerst war es die Angst der Anleger vor der Schuldenkrise in Europa, jetzt die Sorge um das Abrutschen der US-Wirtschaft in eine neuerliche Rezession.

Dividendenfonds
US-Renditestars im Paket
Seit Jahresbeginn liegt der US-High-Dividend-Fonds der ING IM rund 15 Prozent im Plus, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 25 Prozent. Fondsmanager Adour Sarkissian hält im 550-Millionen-Dollar-Portfolio neben Papieren des Kontaktlinsenspezialisten Alcon auch Aktien von Johnson & Johnson und Wal-Mart.

Dividendenstarke Aktien
Zuverlässig hohe Ausschüttungen
Mit jährlich zweistelligen Steigerungen der Dividende während der vergangenen fünf Jahre trotz des heftigen Wirtschaftsabschwungs sind Aktien wie die des Pharmariesen Abbott Labs oder Mattel, des Herstellers der Barbiepuppen, langfristig aussichtsreiche Investments.

Schwellenländer-Profiteure
Starkes Wachstum von draußen
Mit dem schwachen Wachstum der US-Wirtschaft wird der Anteil der Schwellenländer an der Entwicklung der Weltwirtschaft nochmals zunehmen. Schon jetzt liegt ihr Beitrag zum globalen Wachstum nach Schätzungen der Credit Suisse bei 48 Prozent – auf China allein entfallen 36 Prozent. Das im Vergleich zu den Industrieländern große Aufholpotenzial beim Lebensstandard ist ein langfristig stabiler Trend. Vor allem starke westliche Konsummarken profitieren davon. Auch der US-Chipkonzern Qualcomm, der zahlreiche wichtige Patente für Mobilfunkchips hält, ist stark in Schwellenländern präsent.

Margenkönige
Gegen Turbulenzen gewappnet
Unternehmen mit einem im Branchenvergleich geringen Fixkostenanteil können ihre Margen bei schwächerer Umsatzentwicklung besser schützen. Die Aktien dieser Unternehmen sollten in einem Umfeld mit niedrigem Wirtschaftswachstum zu den Favoriten gehören. Nach diesem Kriterium haben die Aktienstrategen von Goldman Sachs für institutionelle Investoren ein Portfolio ­zusammengestellt. Wir haben fünf besonders interessante Titel aus diesem Portfolio ausgewählt.

Altria Group
Pepsico
Visa
Walt Disney
Union Pacific

Bildquellen: Official White House Photo by Chuck Kennedy

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Kommentare zu diesem Artikel

kha schrieb:
06.10.2010 16:27:43

Obamas neo-keynesianische Politik staatlicher Push-Programme ergab nur ein Strohfeuer, das erlischt. Schon seit Monaten werden alle Zahlen schlechter. Der Mann ist völlig unfähig - und nun auch noch von allen Geistern verlassen, soweit sie wirtschaftliche Beratung leisteten.

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