Die Beteiligungsgesellschaft Brachem, hinter der die Finanzinvestoren BC Partners,
Goldman Sachs und Bain Capital stehen, hat Kasse gemacht und sich von ihrem restlichen Aktienpaket getrennt. Plaziert wurden 6,87 Millionen Aktien zu je 89 Euro, wie BC Partners mitteilte. Das waren 13,3 Prozent des Grundkapitals, die zum Preis von insgesamt ca 611 Millionen Euro an institutionelle Investoren veräußert wurden. Organisiert wurde das beschleunigte Bookbuildingverfahren von Goldman Sachs und der Deutschen Bank.
Damit haben sich die Finanzinvestoren endgültig von Brenntag verabschiedet. Brachem war 2006 bei Brenntag eingestiegen und machte das Unternehmen zu einem internationalen Marktführer in der Chemiedistribution. Vor gut zwei Jahren begann dann mit dem Börsengang der Ausstieg der Investoren. Der erste Kurs lautete damals auf 50 Euro. Der weitere Ausstieg erfolgte dann in sechs Schritten. Mit der nun erfolgten Plazierung der letzten Tranche steigt der Streubesitz des MDAX-Konzern aus Mühlheim an der Ruhr nun weiter an.
Größter Brenntag-Aktionär ist nun der kanadische Finanzkonzern und Lebensversicherer Sun Life Financial mit 5,04 Prozent. Mehrere angelsächsische Finanzinvestoren halten Beteiligungen von gut 3 Prozent, der Rest der Aktien liegt bei anderen Aktionären im Streubesitz.
Analysten bewerteten die Abgabe positiv, denn sie mache die Aktie liquider. Ein hoher Streubesitz wird allgemein als vorteilhaft angesehen, da er die Aktien besser handelbar macht. So stellt der Streubesitz beispielsweise ein wichtiges Kriterium für den Stellenwert eines Unternehmens bei der Zusammenstellung von Aktienindizes dar.
Die Marktbeobachter sehen trotz des höheren Streubesitzes nicht die Gefahr einer Übernahme des Weltmarktführers in der Chemiedistribution durch einen Wettbewerber, da dies kartellrechtlich kaum machbar wäre.
Der Chemie-Logistiker ist weiter auf Wachstumskurs, bekommt aber inzwischen auch die Wachstumsschwäche in Europa zu spüren. Mit einem Effizienzsteigerungsprogramm, das unter anderem die Streichung von bis zu 250 Stellen vorsieht, soll hier Abhilfe geschaffen werden. Erst im Juli hatte das Unternehmen seine Geschäftsaktivitäten in Australien und Neuseeland mit dem Zukauf der ISM/Salkat-Gruppe für umgerechnet etwa 80 Millionen Euro verstärkt. Für das Gesamtjahr hat Brenntag Wachstum bei allen relevanten Ergebnisgrößen versprochen. Mit der Vorlage der Zweitquartalszahlen am 8. August soll die Prognose konkreter werden.
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Von Heide Oberhauser-Aslan