von Jörg Bernhard
In beiden Fällen sollen im abgelaufenen Quartal Verluste erwirtschaftet worden sein. Während die Solarbranche vor einigen Jahren noch als die Boombranche schlechthin galt, hat sich die Euphorie verflüchtigt. Mittlerweile herrscht in diesem Sektor vor allem eines: Existenzangst. Chinesischen Solarunternehmen wird von der Konkurrenz aus Europa und den USA vorgeworfen, dass diese aufgrund von staatlichen Subventionen die Märkte mit Dumpingpreisen überfluten. Während die US-Amerikaner bereits Strafzölle auf chinesische Solarzellen erhoben haben, ermittelt in Europa noch die EU-Kommission. Gut geht es aber auch den chinesischen Solarfirmen nicht. JA Solar und Yingli Green Energy werden aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch tiefrote Unternehmenszahlen präsentieren.
Zuversicht der Analysten im Rückwärtsgang
Von Optimismus ist unter den Analysten keine Rede mehr – ganz im Gegenteil. In den vergangenen drei Monaten erhöhten sie ihre Verlustschätzungen sowohl für das dritte als auch für das vierte Quartal. Bei JA Solar wird für das abgelaufene Quartal mittlerweile ein Minus von 0,20 Dollar pro Aktie (zuvor: minus 0,10 Dollar) und für das aktuell laufende Quartal minus 0,16 Dollar (zuvor: minus 0,06 Dollar) befürchtet. Ähnlich trübe sehen die Schätzungen bei Yingli Green Energy aus. Hier haben die Experten ihre Verlustprognosen für Q3 2012 von minus 0,29 auf minus 0,57 Dollar ausgeweitet, während die Prognosen für Q4 2012 von minus 0,27 auf minus 0,47 Dollar revidiert wurden. Das hohe Maß an Unsicherheit lässt sich aber vor allem bei den in Aussicht gestellten Kurszielen ablesen. Bei JA Solar (aktuell: 0,61 Dollar) reichen diese von 0,69 bis 1,00 Dollar und liefern einen Mittelwert von 0,92 Dollar. Bei Yingli Green Energy (aktuell: 1,29 Dollar) gibt es deutlich größere Meinungsunterschiede. Hier reichen die prognostizierten Kursziele von 0,80 bis 7,00 Dollar und weisen einen Durchschnittswert von 2,53 Dollar aus. Damit dürften die Papiere nicht nur für Witwen und Waisen gänzlich ungeeignet sein.