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02.12.2011 13:45

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KONJUNKTUR IM BLICK/EZB steht vor neuer Zinssenkung


Von Hans Bentzien Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte bei der Sitzung in der kommenden Woche erneut seine Leitzinsen senken. Dafür sprechen sowohl die seit dem vergangenen Monat veröffentlichten Konjunkturdaten als auch die Kommunikation ihres neuen Präsidenten Mario Draghi. Denkbar sind ferner neue Maßnahmen zur Verbesserung der Liquiditätsversorgung der Banken. Nicht zu erwarten ist dagegen die von manchen Marktakteuren erhoffte Ankündigung umfangreicherer Staatsanleihekäufe.

   Die EZB hatte ihren geldpolitischen Schlüsselsatz im November unerwartet um 25 Basispunkte auf 1,25% gesenkt und dies mit den krisenbedingt eingetrübten Konjunkturaussichten begründet. Präsident Draghi hatte zudem die Erwartung geäußert, dass der Druck auf Preise und Löhne abnehmen sollte und die Inflationsrate bis Mitte kommenden Jahres unter 2% sinken dürfte. Bisher ist von einem abnehmenden Inflationsdruck zumindest auf der Verbraucherebene nichts zu spüren.

   Die Verbraucherpreise im Euroraum stiegen im November wie schon im Vormonat mit einer Jahresrate von 3,0%. Die EZB ist auf die Bewahrung mittelfristiger Preisstabilität verpflichtet, die sie bei einer Inflationsrate von knapp 2% gegeben sieht. Allerdings deuten andere Daten auf einen schwächeren Preisdruck. So verringerte sich im Oktober überraschend das Geldmengenwachstum, der von der EZB favorisierte Indikator für die mittelfristige Inflationsentwicklung.

   Hinsichtlich des Wachstums gab es neue negative Nachrichten. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie des Währungsgebiets verzeichnete mit 46,4 Punkten den niedrigsten Stand seit 28 Monaten, der Index der Wirtschaftsstimmung sank zum neunten Mal in Folge und die Arbeitslosenquote kletterte im Oktober auf ein Allzeithoch von 10,3%.

   Widerspiegeln werden sich diese Rahmenbedingungen in den neuen Projektionen für Wachstum und Inflation, die die EZB-Experten gemeinsam mit jenen der nationalen Zentralbanken des Eurosystems errechnet haben. Draghi hatte schon bei der Pressekonferenz im November deutlich gemacht, dass eine deutliche Senkung der bisherigen Projektionen zu erwarten sei. Die Frage ist: Hat die EZB hierauf nach eigener Einschätzung mit einer einzigen Zinssenkung schon ausreichend reagiert?

   Präsident Draghi scheint einer weiteren Zinssenkung nicht abgeneigt. Bei der Vorstellung des EZB-Jahresberichts im Europaparlament sagte er am Donnerstag, die Abwärtsrisiken für den Wachstumsausblick hätten zugenommen, was den Kosten-, Lohn- und Preisdruck mindern dürfte. Wörtlich sagte er: "Wie Sie wissen, wird die EZB-Geldpolitik ständig vom Ziel der Aufrechterhaltung mittelfristiger Preisstabilität im Euroraum geleitet. Und wenn ich das sage, meine ich Preisstabilität in jeglicher Richtung."

   In Bezug auf die Liquiditätsversorgung der Banken halten einige Beobachter eine abermalige Laufzeitverlängerung bei Refinanzierungsgeschäften auf bis zu drei Jahre für denkbar. Hinweise hierzu hat es in jüngster Zeit keine gegeben. Vielfach wird aber die am Mittwoch verfügte Senkung der Zinssätze für Dollar-Swaps von Zentralbanken als Hinweis darauf gesehen, dass die Zentralbanken bereit sind, den Banken das Leben weiter zu erleichtern.

   Spannend bleibt die Frage, wie die EZB mit den immer lauter werdenden Forderungen nach verstärkten Staatsanleihekäufen umgehen wird. Draghi äußerte sich am Donnerstag im Europaparlament hierzu nicht ganz eindeutig. Einerseits sagte er, man solle von der EZB nichts fordern, was nicht in den Verträgen stehe. Andererseits deutete er an, dass die Wiederherstellung des Vertrauens in die Staatsfinanzen zwar Regierungssache sei, dass aber danach auch "andere Elemente" denkbar seien. Es komme auf die Reihenfolge an, so der EZB-Präsident.

-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 300, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab/apo (END) Dow Jones Newswires

   December 02, 2011 07:15 ET (12:15 GMT)

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