11.12.2012 08:30
Bewerten
 (0)

KORREKTUR/ROUNDUP 2: ThyssenKrupp streicht nach Mega-Verlust Dividende

    (Berichtigung der Meldung von Montagabend 21.44Uhr. Der vorletzte Satz im letzten Absatz wurde neu gefasst: Damit wird klargestellt, dass der Umsatz stagnieren soll. Die Erlöse der fortgeführten Geschäfte im abgelaufenen Jahr lagen bei 40,1 Milliarden Euro, nicht bei 42,3)

 

    ESSEN (dpa-AFX) - Die beschlossene Trennung von seinen milliardenschweren Fehlinvestitionen in Übersee reißt neue Löcher in die Bilanz des angeschlagenen Industriekonzerns ThyssenKrupp. Das Unternehmen schrieb weitere 3,6 Milliarden Euro auf die erst vor Kurzem fertiggestellten Anlagen in Brasilien und den USA ab, wie es am Montagabend in Essen mitteilte. Das führte zu einem Verlust von 5 Milliarden Euro im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern wegen hoher Wertberichtigungen einen auf die eigenen Aktionäre anfallenden Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

 

    Der Horror-Verlust führt zu einem Novum in der Geschichte von ThyssenKrupp - die Dividende fällt aus. Der Einzelabschluss weise kein ausschüttungsfähiges Ergebnis aus, erklärte das Unternehmen. Diese Entscheidung gilt als Überraschung. Der Konzern sah sich bislang einer Kontinuität bei seiner Dividendenpolitik verpflichtet. Vor allem der größte Aktionär, die Krupp-Stiftung, drängte auch in schlechten Zeiten immer auf eine Ausschüttung. Mit dem Geld finanziert sie ihre wohltätigen Förderprojekte.

 

UNREALISTISCHER BUCHWERT DER STAHLWERKE

 

    Die Stahlwerke in Übersee standen zuletzt noch mit einem Wert von sieben Milliarden Euro in den Büchern. Diese Einschätzung erklärte der Konzern nun als unrealistisch. In den Verkaufsverhandlungen zeichnete sich schon früh ab, dass ThyssenKrupp nur zwischen drei und vier Milliarden Euro für die Anlagen erlösen kann. Einen Käufer präsentierte ThyssenKrupp noch nicht. Der Prozess verlaufe planmäßig, erklärte ThyssenKrupp. Das Stahlgeschäft in Übersee wird künftig als nicht-fortgeführte Aktivität in der Bilanz geführt. Analysten der Commerzbank zufolge hatte der Markt bereits zuvor Verluste von 4 Milliarden Euro durch die Wertberichtigungen eingepreist. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie dennoch rund drei Prozent.

 

    ThyssenKrupp hatte nach früheren Angaben rund 12 Milliarden Euro in die Werke gesteckt - hinzu kam ein weiterer operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro im vergangenen Geschäftsjahr. Wegen Planungsfehlern und veränderter Rahmenbedingungen wie der Aufwertung der brasilianischen Währung haben sie sich zu einem Milliardengrab entwickelt. Der seit Anfang 2011 amtierende Vorstandschef Heinrich Hiesinger hatte im Mai die Reißleine gezogen und die Werke zum Verkauf gestellt.

 

RAUSWURF DES HALBEN VORSTANDS BESTÄTIGT

 

    Inzwischen läuft im Konzern die Suche nach den Schuldigen. Der Aufsichtsrat bestätigte den in der vergangenen Woche angekündigten Rauswurf des halben Vorstands. Der für gute Unternehmensführung (Compliance) zuständige Jürgen Claassen muss ebenso wie Technologiechef Olaf Berlien und Stahlchef Edwin Eichler zum Jahresende gehen. Hintergrund sind neben den drohenden Verlusten bei den Stahlwerkprojekten in Übersee auch zahlreiche Fälle von unsauberen Geschäftspraktiken. Den Vorständen wird vorgeworfen, bei den Problemen nicht richtig durchgegriffen zu haben.

 

    "Das Projekt Steel Americas und die verschiedenen Compliance-Verstöße haben nicht nur einen immensen finanziellen Schaden verursacht", sagte Vorstandschef Hiesinger. "Wir haben dadurch auch an Vertrauen und Glaubwürdigkeit verloren." Der Aufsichtsrat habe mit den Veränderungen im Vorstand ein "klares" Zeichen für einen Neuanfang gesetzt. Die Entscheidungen seien eng mit ihm abgestimmt. "Wir etablieren konsequent eine neue Führungskultur, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und Leistungsorientierung basiert. Dafür stehen wir als Vorstand ein." Im Rahmen des Kulturwandels soll nun das gesamte Führungsmodell überprüft werden.    SCHWÄCHE AUCH IM EUROPÄISCHEN STAHLGESCHÄFT

 

    Auch im rein operativen Geschäft erlebte ThyssenKrupp wegen der Konjunkturschwäche und der Verluste in Übersee einen herben Gewinneinbruch. Das um Sondereffekte wie Abschreibungen bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte um rund drei Viertel auf 399 Millionen Euro ab. Dazu trug auch das schwächelnde Stahlgeschäft in Europa bei. Wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten ist die Nachfrage schwach. Das drückt auf die Preise. Bei ThyssenKrupp arbeitet deshalb ein Teil der im Stahlbereich tätigen Beschäftigten seit dem Sommer kurz.

 

    Ausgeklammert aus den Berechnungen des operativen Gewinns ist das defizitäre Edelstahlgeschäft, das ThyssenKrupp derzeit an den finnischen Konkurrenten Outokumpu verkauft. ThyssenKrupp betrachtet die Sparte seit der im Januar getroffenen Grundsatzvereinbarung mit den Finnen als nicht-fortgeführte Aktivität. Nach der Genehmigung durch die EU im November soll der Verkauf bis zum Jahresende abgeschlossen sein.

 

HOHE SCHULDEN

 

    Der Verkauf soll rund 2,7 Milliarden Euro in die leeren ThyssenKrupp-Kassen spülen. Das Geld kann der Konzern gut gebrauchen. Ende September saß die Dax-Gesellschaft auf einem Schuldenberg von 5,8 Milliarden Euro. Entstanden sind die Verbindlichkeiten vor allem durch die Fehlinvestitionen in die neuen Stahlwerke. Der Konzern betonte, dass seine Finanzierung gesichert sei.

 

    Mit dem bereits 2011 gestarteten Verkauf von Geschäftsbereichen, die zuvor rund ein Viertel des gesamtem Umsatzes ausmachten, will Vorstandschef Hiesinger Luft für geplante Investitionen in Zukunftstechnologien gewinnen. Dazu sollen auch Einsparungen beitragen, die in den nächsten drei Jahren das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) zusammen um 2 Milliarden Euro entlasten sollen. Hiesinger will vor allem die Technologiesparte ausbauen. Das Geschäft mit dem Bau von Großanlagen, Aufzügen, Marineschiffen und Autokomponenten blieb im vergangenen Jahr erneut recht stabil.

 

GEGENWIND AUCH LAUFENDEN JAHR

 

    Im laufenden Geschäftsjahr rechnet ThyssenKrupp mit weiterem Gegenwind aus der Konjunktur und wegen der ungelösten Schuldenkrise. Der Umsatz - ohne Edelstahl und die Stahlwerke in Übersee - dürfte bei rund 40 Milliarden Euro stagnieren. Das bereinigte EBIT aus fortzuführenden Geschäften soll bei einer Milliarde Euro liegen - im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Vergleichswert bei 1,4 Milliarden Euro./enl/she/stk

 

Nachrichten zu ThyssenKrupp AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu ThyssenKrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
28.08.2015ThyssenKrupp HoldBaader Wertpapierhandelsbank
27.08.2015ThyssenKrupp Equal weightBarclays Capital
27.08.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
27.08.2015ThyssenKrupp overweightJP Morgan Chase & Co.
24.08.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
27.08.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
27.08.2015ThyssenKrupp overweightJP Morgan Chase & Co.
19.08.2015ThyssenKrupp buyJefferies & Company Inc.
14.08.2015ThyssenKrupp buyCommerzbank AG
14.08.2015ThyssenKrupp buyHSBC
28.08.2015ThyssenKrupp HoldBaader Wertpapierhandelsbank
27.08.2015ThyssenKrupp Equal weightBarclays Capital
21.08.2015ThyssenKrupp HaltenIndependent Research GmbH
17.08.2015ThyssenKrupp HaltenDZ-Bank AG
14.08.2015ThyssenKrupp HoldDeutsche Bank AG
24.08.2015ThyssenKrupp SellUBS AG
21.08.2015ThyssenKrupp UnderweightBarclays Capital
14.08.2015ThyssenKrupp ReduceKepler Cheuvreux
12.08.2015ThyssenKrupp ReduceKepler Cheuvreux
23.07.2015ThyssenKrupp UnderweightBarclays Capital
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für ThyssenKrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr ThyssenKrupp AG Analysen

Heute im Fokus

DAX fällt erneut unter die 10.000-Punkte-Marke -- Asiens Börsen abermals rot -- Chinas Notenbank geht gegen Yuan-Spekulationen vor -- Apple und Cisco geben Kooperation bekannt -- Android im Fokus

China will nach Börsencrash Japans Schicksal entgehen. Fresenius ersetzt RWE im Eurostoxx 50. Konkurrenz für Netflix? - Apple denkt über eigene TV-Inhalte nach. Rubel-Schwäche beschert Gazprom Gewinn-Anstieg von 50 Prozent. Samsung kündigt neue Smartwatch Gear S2 an. Ölpreise geben hohe Gewinne teilweise ab. Bayer startet neuen Kunststoffkonzern Covestro.
So plaziert sich Deutschland

Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experten

Welche Aktien zählt Warren Buffet zu seinem Portfolio?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Was verdient man bei Google?

Welcher Darsteller verdient am meisten?

Wer waren die Aktienstars des deutschen Leitindex?

Produkte von Google, die keiner kennt

Heute sind sie Milliardäre

mehr Top Rankings

Umfrage

Der deutsche Leitindex kann die Marke von 10.000 Punkten zum Wochenauftakt vorbörslich nicht mehr verteidigen. Wo sehen sie den DAX in einem Monat?