(Korrektur: Korrigiert wurde im dritten Absatz, erster Satz die Aussage zum Umsatz in den Sparten. Die Umsätze in allen Sparten sanken rpt sanken.)
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Elektrokonzern Siemens hat nach einem überraschend starken zweiten Geschäftsquartal seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Analysten hatten fest mit einem optimistischeren Ausblick gerechnet. Die kurzzyklischen Geschäfte erholten sich eher als erwartet, sagte Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstag zur Vorlage der Halbjahresbilanz. Zudem profitiere der Konzern von seinen Sparmaßnahmen. Daher rechne Siemens nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Ergebnis der Sektoren über dem Vorjahreswert von 7,5 Milliarden Euro. Zuvor sollten es zwischen 6 und 6,5 Milliarden sein und der Gewinn der fortgeführten Geschäfte um 20 Prozent wachsen. Der Jahresgewinn aus fortgeführtem Geschäft dürfte laut der neuen Prognose demnach an die vier Milliarden Euro reichen.
Sollte Siemens die 7,5 Milliarden übertreffen, wäre es der bislang höchste operative Gewinn für den Konzern. Die Umsatzprognose steht unverändert. Die Erlöse dürften um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zurückgehen, bekräftigte der Vorstand. “Von Rückenwind wird für einige Zeit noch nicht die Rede sein können”, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Bei den spätzyklischen Geschäften sei die Belebung erst in Ansätzen sichtbar. Allgemein spürt der Konzern weniger Preisdruck. An der Börse stieg die Aktie zunächst kräftig. Gegen Mittag stand sie noch mit 0,83 Prozent auf 72,58 Euro im Plus.
AKTIE STEIGT
Im zweiten Quartal schlugen sich die drei Konzern-Sektoren trotz unterm Strich sinkender Umsätze erneut höchst unterschiedlich. In der Energiesparte verzögern sich weiterhin die Großaufträge für fossile Kraftwerke und auch in einigen Teilen des Infrastrukturgeschäfts im Industriesektor fehlen die größeren Order. Bei Industrielösungen sanken ebenfalls Auftragseingang und Umsatz. Insgesamt gebe es im Industriegeschäft aber Anzeichen einer Stabilisierung. In der Lichtsparte Osram verdiente der Konzern weiter gutes Geld, ebenso wie in der Industrieautomatisierung. Hier halfen auch geringere Kapazitäten und Kosteneinsparungen. Bei den erst spät von einer Erholung profitierenden Geschäften wie der Antriebstechnik und Gebäudetechnik sei mittlerweile die Talsohle erreicht.
In der Gesundheitssparte sieht Siemens mit der Verabschiedung der US-Gesundheitsreform etwas weniger Unsicherheit im Markt. Das habe die Investitionszurückhaltung der Kunden reduziert. Der Auftragseingang lag auf dem Niveau des Vorjahres. Ihren Profit steigerte die Sparte von 355 Millionen auf 492 Millionen Euro. Hier profitierte Siemens wie in den anderen Sparten auch von einem bereits zuvor angekündigten Pensions-Ertrag in den USA in Höhe von 180 Millionen Euro. Andere einmalige Kosten hatten diesen Betrag aber insgesamt wieder ausgeglichen.
BESTELLUNGEN SINKEN
Die Bestellungen bei Siemens gingen zu Jahresbeginn um 14 Prozent auf 17,844 Milliarden Euro zurück. Im Vorjahr hatten allerdings allein Aufträge für Komponenten für Hochgeschwindigkeitszüge in China und ein Kraftwerks-Auftrag aus dem Irak die Orderbücher mit rund zwei Milliarden Euro gefüllt. Aus den weltweiten Konjunkturprogrammen bekam Siemens laut Löscher bislang Aufträge im Wert von drei Milliarden Euro. Bis 2012 sollen es 15 Milliarden sein. Der Umsatz sank um vier Prozent auf auf 18,227 Milliarden. Das Sektorenergebnis, in dem sich das Ergebnis der drei Kerngeschäftsfelder Industrie, Energie und Gesundheit widerspiegelt, kletterte um 16 Prozent auf 2,138 Milliarden Euro. Unterm dem Strich stand ein Gewinn von 1,498 Milliarden Euro, rund die Hälfte mehr als vor einem Jahr. Mit seinem Zahlenwerk übertraf Siemens mit Ausnahme des Auftragseingangs für den Sektor Energie durch die Bank die Schätzungen der von dpa-AFX befragten Analysten.
KONKURRENTEN
Siemens-Rivalen wie Philips , General Electric (GE) oder ABB haben schon Geschäftszahlen vorgelegt. Siemens konnte im Vergleich weniger Aufträge als die Konkurrenten einsammeln, bei der EBIT-Marge erreichte der deutsche Konzern mit 11,4 Prozent das beste Ergebnis. Alle drei Sektoren und 11 von 14 Divisionen erreichten ihre Margenziele./stb/wiz